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Krippe in Kölner Kirche zeigt besondere Figur – in Lack und Leder

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Von: Johanna Werning

Der Mann aus der Mathiasstraß steht neben Maria und dem Christuskind.
Der Mann aus der Mathiasstraße ist als vierter König in die Milleukrippe eingezogen © Benjamin Marx

Die Krippe in der Sankt Maria-Kirche in Köln hat einen vierten König – und zwar in Lack und Leder. Die Figur hat dabei eine besondere Botschaft.

Köln –Maria und Josef, das Christuskind, die Heiligen Drei Könige – und ein König in Lack und Leder. Das ist die sogenannte Milieukrippe in der Sankt Maria in der Südstadt (Kölner Innenstadt). Denn seit wenigen Tagen hat die Krippe in der Kirche einen vierten König und der ist ein echtes Original, wie Krippenbauer Benjamin Marx im Interview mit 24RHEIN sagt.

In Lack und Leder: Krippe in Köln zeigt kölsche Originale

Mit hohen Stiefeln, Lederjacke, Lackmütze, Ketten und einer roten Rose repräsentiert er die LGBTQ-Szene in der Kölner Südstadt. Immerhin ist die Mathiasstraße nicht nur das Zuhause für die StattGarde Colonia Ahoj, sondern auch für mehrere Schwulenbars. Der kölsche vierte König in der Krippe soll genau diese Szene verkörpern. Dabei betont Marx aber auch: „Welche Sexualität die Figur hat oder sonst jemand hat, weiß man ja nicht immer. Er ist darum einfach nur ein Mann aus der Mathiasstraße.“

Noch gibt es allerdings ein Geheimnis bei der neuen Figur in der Krippe: Die sehr hohen Stiefel sind aktuell unter der Jeans versteckt. „Das kann sich aber auch noch ändern – und zwar täglich“, so Krippenbauer Marx weiter. Zum Beispiel, in dem die Jeans in die Stiefel gesteckt wird.

Schon vor langer Zeit hatte der Kölner die Idee für die Figur. Dass der Mathiassttaßen-Mann in Lack und Leder nun endlich umgesetzt worden ist, ist jedoch ganz spontan passiert. Erst am 1. Advent (27. November 2022) wurde mit dem konkreten Vorhaben begonnen. Rund sechs Wochen später zog die neue Figur dann als vierter König in die Krippe ein – pünktlich zum 6. Januar (Heilige Drei Könige).

Die Milleukrippe in der Sankt Maria in Köln

► Seit 1982 gibt es die sogenannte Milleukrippe bereits.

► Neben den üblichen Figuren bildet die Krippe außerdem das Stadtbild und die Leute der Straße ab.

► Insgesamt 35 Figuren gibt es mittlerweile – alle handgemacht.

► Die Milleukrippe samt „Mann aus der Mathiasstraße“ kann noch bis zum 2. Februar (täglich von 10 bis 17 Uhr) in der Sankt Maria (An Lyskirchen 10, 50676 Köln) besucht werden.

Besondere Krippe in Köln: Kirche zeigt Prostituierte, Junkie und Figuren aus dem Karneval

Eine Figur der Hellige Knäächte un Mägde in traditioneller Karenvalsuniform.
Eine Figur der Hellige Knäächte un Mägde ist ebenfalls Teil der Kirchen-Krippe. © Benjamin Marx

Der vierte König in der Milleurkrippe ist nicht das einzige Highlight: „Mittlerweile gibt es 35 Figuren“, so Marx. Darunter biblische Figuren wie Maria und Josef und Engel Gabriel, aber auch symbolische Figuren. Dazu zählen zum Beispiel eine Nonne, eine Prostituierte, ein Matrose, ein Junkie oder eine Figur der Hellige Knäächte un Mägde, sagt der Krippenbauer weiter. Das ist eine der ältesten Traditionstanzgruppen im Kölner Karneval. Und damit nicht genug: Es gibt auch Figuren von echten Personen – „zum Beispiel von Flüchtling David oder das Roma-Mädchen Crina“, erklärt der Krippenbauer weiter.

Die Figuren haben dabei eine Gemeinsamkeit: „Alles, was hier in dem Viertel im Laufe der Geschichte stattgefunden hat, ist auch in der Krippe zu finden. Die Krippe zeigt einfach das Viertel im Laufe der Geschichte von 1926 bis in die jetzige Zeit“, sagt Marx. Und auch mit dem Mann von der Mathiasstraße soll noch nicht Schluss sein, so der Krippenbauer.

Doch das ist aufwendig: „Die sind alle sehr detailgetreu. Es lohnt sich also, die Figuren ganz genau anzusehen“, so Marx. Bis zum 2. Februar ist das noch möglich. „Die Figuren sind dabei quer in der gesamten Kirche verteilt.“ Täglich zwischen 10 und 17 Uhr ist ein Milleukrippe-Besuch möglich. (jw) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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