1. 24RHEIN
  2. Köln
  3. Innenstadt

Köln: „Hätte man im Mittelalter die heutige Verzagtheit gehabt, wäre der Dom nie entstanden“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Pauls

Modell Innenstadt Köln, Dom hell erleuchtet sowie weitere wichtige historische Gebäude und Straßen
Historische Mitte Köln: Projekt könnte die Domstadt zum Leuchten bringen. © mit freundlicher Genehmigung des Wienand Verlags, Rendering: HH Visions, Köln

Historische Mitte Köln: Unser Gastautor Peter Pauls erklärt, warum die zahlreichen Projekte rund um den Dom so wichtig für die weitere Entwicklung der Stadt sind.

Köln – Wie geht es weiter mit der Historischen Mitte in Köln? Hinter dem unspektakulären Begriff verbergen sich Projekte, die für die Zukunft Kölns stehen. Zum einen der Roncalliplatz. Steht man auf seiner Mitte und es ist nicht gerade Weihnachtsmarkt, erkennt man deutlich, dass dieser großartigste Platz Kölns – dazu macht ihn der benachbarte Kölner Dom – ausschließlich von Sanierungs- und Neubauprojekten gesäumt ist. Römisch-Germanisches Museum, Verwaltungsgebäude, darunter das Kurienhaus der Hohen Domkirche, das Laurenz Carré und das unter Dauersanierung stehende Dom Hotel. Die Historische Mitte steht für den Versuch, in dieser Vielzahl an Interessen von Stadt Köln, Hoher Domkirche und Investoren Projekte gemeinsam zu entwickeln. Das senkt Kosten, vereinfacht Verfahren und gestattet qualitätsvolle Planung.
 
Umso aufmerksamer wurde ich, als ich vor wenigen Tagen in der Kölnischen Rundschau las „Politik stellt die Mitte in Frage“. Etwas beruhigt hat mich einen Tag später Niklas Kienitz. Der CDU-Fraktionsgeschäftsführer stellte ohne Umschweife klar: „Das ist nicht der Einstieg zum Ausstieg aus der Historischen Mitte.“ Eine klare Ansage. Gleichwohl hat der Volksmund für solche Situationen eine Weisheit parat: „Wo Rauch ist, ist auch Feuer.“ Ob das auch hier zutrifft?

Kaspar Kraemer: „Ein Projekt, das Köln zum Leuchten bringt“

Ich habe daher mit dem Architekten Kaspar Kraemer, einem der vehementesten Unterstützer aus der Bürgergesellschaft, den Plan noch einmal durchdekliniert. Der Roncalliplatz verbindet antikes und gegenwärtiges Köln, indem dort künftig auch das Kölner Stadtmuseum angesiedelt wird. „Eine Stärkung für den Standort“, schwärmt Kraemer. Er spricht von einem Projekt, das Köln zum Leuchten bringt - weil Stadt und Domkirche gemeinsam planen und hier die „Via Culturalis“ ihren Anfang nimmt, ein fast 800 Meter langer Weg zwischen dem Dom im Norden und der romanischen Basilika St. Maria im Kapitol im Süden.
 
Aufgereiht wie an einer Perlenschnur findet man hier die Bauten, die Kölns Geschichte markieren: Museum Ludwig, Museum für angewandte Kunst, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud sowie der Erweiterungsbau bilden zusammen mit der Philharmonie und der archäologischen Zone jenen dichten Kulturraum, der herausgearbeitet und hergerichtet werden muss, um die Kölner Innenstadt endlich wieder zum internationalen Anziehungspunkt zu machen.

Historische Mitte Köln: Bauarbeiten erfordern logistische Meisterleistung

Die historische Perlenschnur muss poliert werden, was angesichts der anstehenden Bauarbeiten so oder so auf baulogistische Meisterleistungen hinauslaufen wird. Mich würde interessieren, wie viele hundert Baufahrzeuge sich durch die engen Straßen werden quälen müssen, die noch römischen Ursprungs sind. „Da kommt viel Arbeit. Meilensteine müssen formuliert und eine Art Masterplan aufgestellt werden“, sagt Kraemer.
 
All das ist für Mitglieder und Freunde des Kölner Presseclubs keine Überraschung. Im Oktober 2019 haben Hildegard Stausberg und ich mit Kölns OB Henriette Reker, dem Domprobst Bachner und Kaspar Kraemer darüber diskutiert. Die Sinnhaftigkeit des Projekts wurde - nach meiner Erinnerung - nie in Zweifel gezogen, und bereits damals fiel dem Architekten Kraemer die Rolle des Mutmachers zu. „Hätte man im Mittelalter die heutige Verzagtheit gehabt, wäre der Dom nie entstanden“, sagt er und erinnert, dass 2022 die 700-Jahr-Weihe des Ostchores gefeiert wird, wo unterer anderem das Grab des 1261 verstorbenen Erzbischofs Konrad von Hochstaden liegt.

Historische Mitte: „Muss man nach Düsseldorf fahren, um zu erleben, wie eine Stadt Zukunft plant?“

Um Roncalliplatz und Via Culturalis geht es im Grunde auch im Prachtbuch „Kölngold“ des Verlegers Michael Wienand und seines Hauptautors Matthias Hamann, dem Leiter des Kölner Museumsdienstes. Es zog nach seinem Erscheinen wie eine besonders schöne Rakete über den Abendhimmel, wurde bestaunt und gewürdigt. Der Kölner Stadt-Anzeiger hat in einer eigenen Serie über besondere Projekte die Via Culturalis ausführlich dargestellt. Und nun? Muss man nach Düsseldorf fahren, um zu erleben, wie eine Stadt Zukunft plant?
 
Fast beschwörend sagt Kaspar Kraemer, man dürfe die Projekte nicht kleinreden, man dürfe sich freuen auf das, was kommt, wenn denn die vorliegenden Planungen, die aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen sind, umgesetzt werden. Hier können Sie sich weiter inspirieren lassen. (pp/IDZRW)

Unser Gastautor Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs. Zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger. Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter des Kölner Presseclub, den Sie hier abonnieren können.

Auch interessant