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Köln: Ärger um die Deutzer Kirmes – wie es dazu kam, wie es jetzt weitergeht

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Von: Johanna Werning

Menschen fahren auf der Deutzer Kirmes in einem Fahrgeschäft, daneben läuft ein Security-Mitarbeiter (Montage)
Die Kirmes in Köln-Deutz zieht tausende Menschen an, doch zuletzt kippte die Stimmung. (Montage) © Jochen Tack/Imago & Jochen Tack/Imago

Rangeleien, Pöbeleien, Angriffe auf die Polizei, Anwohner-Ärger: Die beliebte Deutzer Kirmes in Köln wurde nach zwei Jahren Corona-Pause schnell zum Politikum.

Köln – Kirmes, eigentlich ein Ort für Spaß, Freude und Unterhaltung. Doch die Deutzer Kirmes in Köln sorgt aktuell auch für Ärger und Aufruhr. Aber warum ist das überhaupt so? Klar ist: In diesem Jahr ist die Kritik rund um die Osterkirmes besonders groß – neben Anwohnerinnen und Anwohnern beanstandet auch die Kölner Politik die Probleme an der Deutzer Werft. 24RHEIN gibt einen Überblick zum Kirmes-Knatsch in Köln.

Köln: Darum gibt es Ärger um die Deutzer Kirmes – der Überblick

Ärger um die Deutzer Kirmes 2022 – was war passiert? Am Mittwoch, 20. April 2022, gab es Schlägereien und Randale rund um die Deutzer Kirmes. Und das ausgerechnet am „Familientag“ mit verbilligten Preisen. Ein Sprecher der Polizei Köln sprach gegenüber 24RHEIN von einer „Tumultlage“. Die Kirmes musste an dem Tag vorzeitig beendet werden. Wie genau es dazu kam:

Bereits um kurz nach 19 Uhr wurde der „Zutritt bis auf Weiteres geschlossen“, wie die Gemeinschaft Kölner Schausteller e.G. (GKS) erklärte. Der Grund: „Überfüllung“ – tausende Menschen drängten sich um Fahrgeschäfte, Attraktionen und Verkaufsstände.

Um 21:30 Uhr wurde die Kirmes dann vorzeitig beendet. Laut Polizeiangaben hatten mehr als 2000 Kirmes-Besucher die Veranstaltung daraufhin über den Rheinboulevard verlassen. Die Stimmung sei dabei „aufgeheizt und aggressiv“ gewesen. Vor allem zwei 23- und 18-jährige Männer gerieten in Fokus, als sie auf die Polizeibeamten zugingen und mit Schlägen drohten.

Daraufhin eskalierte die Lage. Denn weitere alkoholisierte Männer mischten sich ein. Die Polizei: „Etwa 200 Personen haben sich mit den Männern solidarisiert, deshalb haben die Einsatzkräfte Verstärkung angefordert.“ Rund 70 Einsatzkräfte waren schließlich vor Ort. Eine Polizeibeamtin wurde bei dem Einsatz leicht verletzt.

Deutzer Kirmes – gibt es weitere Probleme? Die chaotischen Zustände und Ausschreitungen sind nicht die einzigen Probleme: Bereits seit Jahren kritisieren Anwohnerinnen und Anwohner Müll, Dreck und jede Menge Staus während der Dauer der Deutzer Kirmes. Laut Bürgerinitiative Deutzer Werft „unzumutbare Zustände“.

Die Bürgerinitiative beklagt sich über fehlende Parkplätze, ohrenbetäubenden Lärm und „Erleichterungen“ der Besucherinnen und Besucher auf Straßen und in Hauseingängen. „Fast schon natürlich sprechen wir hier von Schlägereien und aggressivem Verhalten auf dem Kirmesplatz, aber uns geht es auch um die Begleiterscheinungen“, sagt Anwalt Norbert Monßen von der Bürgerinitiative.

Ärger um Deutzer Kirmes 2022: So reagieren Stadt Köln, Polizei und Politik

Für viele ist klar: So kann es nicht weitergehen. Und auch die Stadt und die Polizei ziehen Konsequenzen. Ein Überblick, wie Stadt, Polizei, Veranstalter und Politik nach den chaotischen Zuständen an der Deutzer Kirmes reagieren:

Was sagen die Schausteller? „Mittwoch war einfach eine Ausnahme“, betont Willi Krameyer von der Gemeinschaft Kölner Schausteller (GKS e.G) zuletzt. Dennoch wurde der eigentlich für den 27. April 2022 vorgesehene zweite Familientag abgesagt. Es sei „Schade, dass Besucher wegen Idioten leiden müssen

Was sagt die Bürgerinitiative? Vielen Anwohnerinnen und Anwohnern in Deutz ist die Kirmes schon lange ein Dorn im Auge. „Seit über 20 Jahren beobachte ich die Zustände an der Deutzer Kirmes, und was hier in diesem Jahr passiert, ist vorher noch nie dagewesen“, sagt Norbert Monßen. „Wir haben das Gefühl, dass die Kirmes nur noch ein Hintergrundevent ist, für ein großes Treffen von Jugendlichen, die für Stress sorgen.“

Was sagt die Polizei? Nach den Ausschreitungen am Mittwoch hat die Polizei die Einsatzpräsenz verstärkt. Seitdem „war es vergleichsweise ruhig.“

Was sagt die Stadt Köln? Nach den Ausschreitungen zog die Stadt Köln Konsequenzen. Darunter: „Sperrmaterial für die gegebenenfalls erforderliche temporäre Sperrung der Zugänge und zusätzliches Personal bereitzustellen, um den Zulauf besser steuern zu können“, sagt eine Stadtsprecherin zuletzt.

Was sagt Bezirksbürgermeister Hupke? „Es gab immer Menschen, denen die Kirmes ein Dorn im Auge war“, so Andreas Hupke (Grüne), Bezirksbürgermeister von Köln-Innenstadt . Allerdings müsse man zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden. Zwar gäbe es Müll und Dreck rund um die Deutzer Kirmes. „Dafür können aber die Schausteller nichts. Die bauen Toiletten und Mülleimer auf.“ Ursache seien vielmehr die Jugendlichen. „Die sind heute einfach anders drauf.“

Was sagt die Politik? Auch die CDU Köln beschäftigt die Deutzer Kirmes. Für die nächste Bezirksvertretungssitzung Köln-Innenstadt wurde eine Aktuelle Stunde beantragt. „Die Geschehnisse müssen vollständig aufgeklärt und das gesamte Konzept ‚Deutzer Kirmes‘ auf den Prüfstand gestellt werden“, sagt Mario Schmitz, der zuständige CDU-Bezirksvertreter für Deutz.

Köln: Ärger um Deutzer Osterkirmes – so geht es weiter

2020 und 2021 fand keine Osterkirmes in Köln-Deutz statt – wegen Corona, was viele sehr bedauerten. 2022 reichten wenige Tage, um die Kirmes wieder zum Streitthema zu machen. Wie lassen sich derlei Vorfälle verhindern, wie können die Interessen von Anwohnern, Kirmes-Fans und Schaustellern unter einen Hut gebracht werden?

► Am Dienstag, 10. Mai 2022, gibt es eine Bürgerversammlung zum Thema „Ereignisse im Zusammenhang mit der Osterkirmes in Deutz“. Die Veranstaltung findet um 19 Uhr in der Kirche St. Heribert an der Deutzer Freiheit (Tempelstraße 2A, 50679 Köln) statt.

Am Donnerstag, 2. Juni 2022, will die Bezirksvertretung Köln-Innenstadt sich in einer „Aktuellen Stunde“ mit den chaotischen Zuständen rund um die Deutzer Kirmes beschäftigen. (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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