1. 24RHEIN
  2. Köln

Studie bescheinigt Köln eine „teilweise dysfunktionale Verwaltung“

Erstellt:

Von: Peter Pauls

Panorama-Blick auf die linke Rheinseite von Köln mit Hohenzollernbrücke Dom und Colonius
Köln, die Stadt am Rhein © Phantermedia / Imago

Im Städte-Ranking des IW Instituts der deutschen Wirtschaft landet Köln auf Platz 30. Die Gründe sollten zu denken geben, meint unser Gastautor Peter Pauls.

Köln – Bislang gehört Donald Trump nicht zu den Heiligen des katholisch geprägten Kölns. Doch der GRÖPAZ, also laut Selbsteinschätzung Größte Präsident aller Zeiten, brächte eine für die Stadt passgenaue Fähigkeit mit: Er kann hässliche Wahrheiten ins Gegenteil umdeuten, unangenehme Tatsachen durch sogenannte alternative Fakten ersetzen. In dieser Spezialdisziplin hat auch Köln, die Stadt am Rhein, erheblichen Ehrgeiz entwickelt und verteidigt in der Liga der Selbstüberschätzung schon lange souverän die Tabellenführung.

Deshalb wird die Verantwortlichen in der „schönsten Stadt Deutschlands“ auch das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wenig anfechten. Das arbeitgebernahe IW hat nämlich (mit seinen Partnern Wirtschaftswoche und Immoscout24) einen Vergleich aller 71 deutschen Großstädte mit über 100.000 Einwohnern angestellt und – wen wundert’s – Köln rangiert in diesem Ranking oben. Oder genauer: In der oberen Hälfte. Und ganz genau:

Auf Platz 30, und damit immerhin einen Rang vor Pforzheim (Baden-Württemberg). Nun ist, ohne Pforzheim zu nahe treten zu wollen, die Stadt nicht die erste, mit der sich Köln vergleichen möchte. Das tut man lieber mit glanzvollen Metropolen wie Paris, London, Barcelona. Aber die Studie kommt mit ihren ausdifferenzierten Kriterien bei den Indizes Status Quo, Dynamik und Nachhaltigkeit zu keinem tröstlicheren Ergebnis.

„Es ist ja nicht so, dass Köln nicht erhebliches Potenzial hätte“

Und wo bleibt das Positive? Zyniker würden sagen, dass Köln im nationalen Städtevergleich nur um drei Plätze abgerutscht ist. 2021 rangierte es noch auf Rang 27. Hätte schlimmer kommen können. Aber selbst notorisch antriebslosere Kommunen sähen allmählich Handlungsbedarf, um das Selbstbild wieder halbwegs in Einklang mit der Wirklichkeit zu bringen. Es ist ja auch nicht so, dass die Stadt nicht ganz erhebliches Potential hätte, dass Köln nicht das Zeug hätte, ganz oben mitzuspielen.

Die Lage im Herzen Europas, als Zentrum eines Ballungsraums in der Nähe zu wichtigen deutschen Nachbarländern, mit einer starken Hochschullandschaft, einer kraftvollen, leistungsstarken Wirtschaft – aus diesen Zutaten müsste ein Rezept zu entwickeln sein, das die Region beflügeln könnte. Doch die Rezeptur muss in Rat und Verwaltung entstehen, braucht Kreativität und den Mut zu Entscheidungen in Köln – womit wir beim Kern der Malaise angekommen wären.

Studie diagnostiziert „teilweise dysfunktionale Verwaltung“ in Köln

Es ist eine von den Studien-Autoren diagnostizierte „teilweise dysfunktionale Verwaltung“, die eine Entfaltung der vorhandenen Kräfte verhindert, und ein Rat, von dem weder kühne Zukunftsentwürfe noch eine konstruktive Kontrolle der Verwaltung zu erwarten ist. Dabei bräuchte es nur einen Blick ins Geschichtsbuch der Stadt, um zu sehen, dass es durchaus mal anders ging. Im Augenblick aber schafft die Stadt es nicht einmal, ihr großartiges, einmaliges kulturelles Erbe angemessen zu präsentieren. Bestenfalls macht sie daraus Dauerbaustellen.

Die erste Voraussetzung dafür, dass Verhältnisse sich zum Besseren entwickeln, ist die nüchterne, schonungslose Analyse. Von Michael Hüther darf man sie erwarten. Das Beispiel Donald Trump lehrt, dass man nicht dauerhaft in einem einem politischen Phantasialand leben kann. Die Wirklichkeit ist stärker und will gestaltet werden. Das gilt auch für Köln. Henriette Reker, übernehmen Sie. (pp/IDZRNRW)

Prof. Michael Hüther, 1962 in Düsseldorf geboren, ist studierter Volkswirt und Honorarprofessor an der EBS Universität in Oestrich-Winkel. Seit 2004 ist er als Direktor Mitglied im Präsidium des IW Instituts der deutschen Wirtschaft, getragen von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen.

24RHEIN-Gastautor Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs. Zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger. Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter des Kölner Presseclub, den Sie hier abonnieren können

Auch interessant