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Corona in Köln: Sehr angespannte Lage auf Intensivstationen – noch 34 Betten frei

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Eine Krankenpflegerin arbeitet in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation des Uniklinikums
Die Lage auf Intensivstationen ist wegen der Corona-Pandemie nach wie vor angespannt, auch in Köln. (Symbolbild) © Marcel Kusch/dpa

Die Inzidenz in Köln ist über 100, die Lage auf den Intensivstationen wegen Corona angespannt. Ein Kölner Arzt fordert die Rücknahme der Lockerungen.

Köln – Der wissenschaftliche Leiter des bundesweiten DIVI-Intensivbettenregisters, Christian Karagiannidis, hat die Politik angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen besonders durch die britische Mutation aufgefordert, die jüngsten Lockerungen wie angekündigt bei einem Inzidenz-Wert von über 100 wieder zurückzunehmen und die zwischen Bund und Ländern vereinbarte „Notbremse“ umzusetzen.

Steigende Inzidenzen: Kölner Arzt befürchtet starke Zunahme von Corona-Intensivpatienten

Auch in Köln liegt die Inzidenz mittlerweile vier Tage in Folge über 100. Mit Stand Donnerstag (17. März) lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 110,1. Trotzdem will die Stadt Köln bisher nicht die zwischen Bund und Ländern vereinbarte „Notbremse“ ziehen, sondern abwarten. Ob es dabei bleibt und wie es weitergeht, wird der Krisenstab der Stadt am Freitag besprechen.

Derzeit gebe es laut bundesweit 3000 Corona-Intensivpatienten, das sei ein ähnlicher Stand wie im Oktober 2020, sagte der Kölner Lungenspezialist vom Klinikum in Merheim dem Kölner Stadt-Anzeiger (Donnerstag-Ausgabe). „Wenn wir jetzt beim Impfen nachlassen, bei den Lockerungen bleiben und die Inzidenz bis 200 laufen lassen, dann können es 5000 bis 6000 Patienten werden.“

Auch von den bisherigen Corona-Impfungen bei Senioren und Pflegeheimbewohnern verspricht sich der Experte keine unmittelbare Entlastung für die Intensivstationen: Schon in der ersten Welle sei lediglich etwa ein Viertel der Intensivpatienten über 80 Jahre alt gewesen, sagte er. Der Zeitpunkt, an dem man davon wegkommen könne, auf die Auslastung der Intensivbetten zu schauen, werde wahrscheinlich erst im Mai oder Juni erreicht.

Für die anderen Altersgruppen gerät die Impfkampagne in Köln derzeit ins Stocken. Grund ist der vom Bund angeordnete Stopp der Impfungen mit Astrazeneca wegen einer Häufung von Thrombosen der Hirnvene nach der Impfung. Ende der Woche soll klar sein, ob mit Astrazeneca weiter geimpft werden kann.

Steigende Corona-Fälle in NRW: Kliniken drohen an Kapazitätsgrenzen zu geraten

Damit würden die Kliniken an die absoluten Kapazitätsgrenzen geraten. „Das heißt, dass im Extremfall andere Patienten nicht aufgenommen werden können.“ Die Lage in einigen Intensivstationen, darunter in Köln, sei bereits jetzt „sehr angespannt“. Das Intensivbettenregister erfasst tagesaktuell die freien und belegten Intensivbetten.

Das die Lage bei denen, die täglich an vorderster Reihe mit Corona-Patienten umgehen, auch emotional angespannt ist, zeigt ein Vorfall aus Düsseldorf. Ein Rettungssanitäter bezeichnete am Straßenrand demonstrierende „Corona-Rebellen“ in einer Lautsprecherdurchsage als „Spinner“. Der Rettungswagen war wegen einer Intensivverlegung unterwegs. Im Netz wurde das entsprechende Youtube-Video gefeiert, der Rettungssanitäter gelobt. Von Arbeitgeber DRK gab es hingegen Ärger.

Köln: sehr angespannte Lage auf Intensivstationen

Mit Stand vom Donnerstag (17. März) sind laut DIVI in Köln von den 404 Intensivbetten in Köln noch 34 frei (8,4 Prozent). Ein Wert von unter zehn Prozent bedeutet eine sehr angespannte Lage, wie Karagiannidis im Gespräch mit dem Kölner Stadtanzeiger informiert. Am Donnerstag waren 63 und damit knapp 20 Prozent der 404 Kölner Intensivbetten durch Corona-Patienten belegt. (ots/dpa/lys)

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