Auch nach Entlassung noch Probleme

Lage auf Intensivstationen in Köln: Corona-Erkrankte sind vor allem Berufstätige

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Die Überlastung der Intensivstationen nimmt dramatisch zu (Symbolbild)
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Immer mehr berufstätige Covid19-Erkrankte müssen in Kölner Kliniken intensiv medizinisch behandelt werden.

Berlin/Köln – Die Infektionszahlen in Köln steigen. Das wirkt sich auch auf die Intensivstationen aus. Die Zahl der schwer an Covid19-Erkrankten nimmt weiterhin zu und nähert sich bundesweit der kritischen Marke von 5.000. So hoch war die Auslastung zuletzt Mitte Januar. Das geht aus den Daten der DIVI hervor. Das DIVI-Intensivregister ist eine digitale Plattform zur Echtzeiterfassung von Fallzahlen intensivmedizinisch behandelter Person. Allein am 21. April befanden sich demnach bundesweit 4.987 Patientinnen und Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. 52 Prozent müssen dabei künstlich beatmet werden.

Berufstätige Patienten auf der Intensivstation: Mutationen und Post-Covid sind ausschlaggebend

Gerade in Köln bildet die Gruppe der Berufstätigen die aktuelle Mehrheit der Intensivpatientinnen und -patienten, sagte einer der wissenschaftlichen Leiter des Intensivregisters, Christian Karagiannidis vom Klinikum Köln-Merheim in Kalk. In Köln seien laut DIVI über 30 Prozent der gesamten Intensivbetten aufgrund des Coronavirus belegt.

Auswertungen zur Situation von Genesenen nach sechs Monaten zeigen, dass Patienten noch immer ein „substanzielles Problem“ haben können, erklärt Karagiannidis. Die Symptome seien dabei so schlimm, dass ein Teil der Genesenen nach der ersten Entlassung zu einem späteren Zeitpunkt erneut im Krankenhaus behandelt werden muss, betont der Mediziner weiter.

Bekannt ist das Phänomen auch unter den Begriffen Post-Covid und Long-Covid. Bei den Spätfolgen leiden die zuvor Infizierten auch nach ihrer Covid19-Erkrankung unter Symptomen wie Erschöpfung, Atembeschwerden, Husten, Glieder- und Muskelschmerzen. Denn nicht nur die Lunge wird von dem Coronavirus befallen. Auch andere Organe wie Herz, Hirn, Nieren, Darm oder die Innenwände der Gefäße können teilweise bei der Erkrankung angegriffen werden.

Corona-Lage auf Intensivstationen spitzt sich zu und sorgt für „enorme Belastung“

Karagiannidis zeigte sich beunruhigt durch die „enorme Belastung“ für Ärzte und Pflegekräfte. Nur ein Drittel der Intensivstationen könne noch „einfach so“ Patienten aufnehmen. Hunderten Kliniken mangele es an Personal, viele führten nur noch eingeschränkt planbare Operationen durch. In der Uniklinik Düsseldorf werden deshalb fünf von 28 OP-Sälen vorerst nicht mehr genutzt.

Doch eine Entlastung für Kliniken und Personal ist dennoch kaum spürbar. Auch in Köln ist die Lage ernst. Lediglich 25 der knapp 400 Intensivbetten sind laut DIVI frei (Stand: 22. April). Erst kürzlich musste ein Patient mehrere Stunden warten, bis er auf eine Intensivstation verlegt werden konnte. (jw mit dpa)

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