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Kölnerin (†21) wurde wie Sklavin gehalten – sie starb nach Gewaltexzess

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Von: Martin Henning

Dieser Fall schockt selbst die Ermittler: In einer WG in Köln-Höhenberg ist eine 21-jährige Frau über mehrere Tage schwer misshandelt worden. Sie starb an den Folgen.

Köln – Die furchtbaren Taten ereigneten sich bereits im Frühjahr 2020. Nun hat die Staatsanwaltschaft Köln der Kölnischen Rundschau bestätigt, dass sie Anklage gegen vier Personen erhoben hat, darunter den Ex-Freund des Opfers. Das Quartett muss sich wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht verantworten.

Laut Staatsanwaltschaft soll das Opfer häufig mit Schlägen und Tritten traktiert und gewürgt worden sein. Dabei kam unter anderem eine Hundeleine zum Einsatz. „Die Frau erlitt am gesamten Körper zahlreiche intensive Verletzungen“, sagte Landgerichtssprecher Dr. Jan Orth.

Kölnerin in Höhenberger WG misshandelt – brutale Details

Die Misshandlungen begannen laut Anklageschrift, als der angeklagte Ex-Freund und das Opfer sich trennten. Sie lebten jedoch weiter zusammen. Als drei weitere Personen in die WG an der Nördlinger Straße zogen, sollen die körperlichen Attacken noch schwerwiegender geworden sein. Laut Kölner Stadt-Anzeiger soll es sich um zwei Schwestern (29, 31) und einen gemeinsamen Bekannten (28) handeln. Sie stammten aus einem „prekären Milieu“.

Etwa vom 23. bis zum 28. April sollen die Bewohner ihr Opfer wie eine Sklavin gehalten halten haben. Die 21-Jährige habe nur mit Einwilligung ihrer Peiniger auf die Toilette gehen, sich waschen und essen können. Auch habe sie keine Hygieneartikel oder Medikamente nehmen dürfen, als sie ihre Monatsblutung bekommen habe. Einmal sei die 21-Jährige auch an den Haaren aus dem Badezimmer gezogen worden.

Häusliche Gewalt: Was kann ich als Nachbar tun?

Wer vermutet, dass die Nachbarin oder der Nachbar Opfer von Gewalt wurde, sollte aktiv werden, rät Saskia Etzold von der Gewaltschutzambulanz der Charité Berlin.

Welche Maßnahme man ergreift, hänge von der Situation ab. „Wacht man nachts auf und hört massive Schmerzensschreie, dann kann man nur eine Sache machen und zwar: Sofort die Polizei zu rufen und sie ins Haus lassen“, sagt Etzold. Aufmerksame Beobachter sollten zudem verdächtige Geräusche aufnehmen oder einen Handyclip aufzeichnen.

Wenn man als Beobachter immer nur sichtbare Hinweise wie blaue Flecken wahrnehme, sollte man das mutmaßliche Opfer vorsichtig darauf ansprechen und Hilfe anbieten, sagt Etzold. Ein möglicher Gesprächseinstieg könnte sein: „Ich habe da manchmal was gehört, ich mache mir Sorgen. Kann ich irgendetwas für Sie tun?“

In jedem Fall sollte man das Opfer alleine und nicht in Gegenwart des Täters ansprechen, so Etzold. Das könne zu weiterer Eskalation führen und für die betroffene Person „das Todesurteil bedeuten.“

Bei Regelverstößen sei die Frau hart bestraft worden, heißt es in der Anklageschrift. So musste sie unter anderem den Boden ablecken. Das Handy sei ihr abgenommen worden, damit sie keine Hilfe holen konnte. Laut Polizei sei die Frau nach dem tagelangen Martyrium so geschwächt gewesen, dass sie sich kaum noch wehren konnte und nur noch regungslos auf dem Boden lag.

Polizei Köln wurde durch Freundin auf mutmaßliche Täter aufmerksam

Auf die Spur kam die Polizei den mutmaßlichen Tätern durch eine Freundin des Opfers. Diese habe die 21-Jährige nicht mehr am Telefon erreichen können und sich an die Polizei gewandt. Die Beamten fanden die lebensgefährlich verletzte Frau in der Höhenberger WG auf.

Das Opfer wurde in die Merheimer Klinik gebracht. Neben diversen Brüchen stellten die behandelnden Ärzte ein akutes Nierenversagen und Lungenschäden fest. Die 21-Jährige starb etwa zwei Monate später, am 6. Juli, an multiplem Organversagen.

Auch die ermittelnden Beamten sind über die Grausamkeit der Taten erschüttert. „Es ist ein schrecklicher Fall“, zitiert die Kölner Rundschau einen der Ermittler. Nun soll das Landgericht Köln klären, warum es zu den Misshandlungen kam und wer dem Opfer die schweren Verletzungen zufügte. Die 21-Jährige konnte den Ermittlern dazu keine Angaben machen, sie sei laut einer Polizeisprecherin nicht mehr ansprechbar gewesen. Ein Auftakttermin für die Gerichtsverhandlung steht noch nicht fest. (mah)

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