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Viele boykottieren WM in Katar, doch Kölner Kneipe zeigt Spiele trotzdem

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Von: Mick Oberbusch

Im „Haus BöhMer“ in Köln können Fans die Fußball-WM in Katar verfolgen. Und das in einer Zeit, wo viele andere Kneipen das Turnier boykottieren.

Köln – Es mag sich aktuell noch nicht so anfühlen, aber: In etwas mehr als einem Monat ist wieder Daumen drücken für die deutsche Nationalmannschaft angesagt. Denn am 20. November 2022 startet die diesjährige Fußball-Weltmeisterschaft in Katar – über die bereits seit Monaten, wenn nicht sogar Jahren, heiß diskutiert wird. Das Turnier, wenn auch diesmal im Winter, wie gewohnt im heimischen TV oder beim Public Viewing verfolgen – oder die Veranstaltung aufgrund erheblicher Menschenrechtsverletzungen und des Todes tausender Arbeiter im Gastgeberstaat boykottieren? Diese Frage stellen sich viele Fans – und auch Gastronomen in Köln.

Haus BöhMer in Köln-Kalk
AdresseKalker Hauptstraße 216, 51103 Köln

Kneipen zeigen Katar-WM nicht: Kneipe in Köln zeigt Spiele trotzdem

Die Stadt Köln hat bereits angekündigt, wie zu den vergangenen Turnieren, kein Public Viewing zu veranstalten, etliche privat geführte Kneipen schließen sich dem an und lassen ihre Fernseher aus. So hat zum Beispiel die Brauerei Mühlen Kölsch entschieden, die Spiele der WM in Katar in ihren Gaststätten nicht zu zeigen. Eine Kneipe in der Düsseldorfer Altstadt zeigt die WM in Katar unter dem Motto „Kein Katar in meiner Kneipe“ ebenfalls nicht.

Doch es gibt auch Gastronomen, die sich intensiv auf das größte Fußballturnier der Welt vorbereiten – wie Dieter Bucklitsch, Inhaber von „Haus BöhMer“ auf der Kalker Hauptstraße im gleichnamigen Stadtbezirk Köln-Kalk. „Wir haben bereits GEMA angemeldet und freuen uns auf die WM“, erklärt er auf 24RHEIN-Anfrage – und nennt dafür im Anschluss gleich eine Reihe von Argumenten.

WM-Pokal, Deutsche Fans beim Public Viewing (Montage)
Die Fußball-WM in Katar boykottieren – oder sie beim Public Viewing verfolgen? Darüber streiten gerade viele Fußballfans und Gastronomen (IDZRW-Montage). © Bodo Marks/dpa & Kurt Schorrer/dpa

Katar-Boykott für Kölner Kneipe das falsche Signal: „Rudelgucken der richtige Weg“

„Natürlich sind die Gründe, wieso manche Gastronomen die WM boykottieren, verständlich und in deren Augen vielleicht ein gutes Zeichen. Doch was passiert nach der WM? Kümmert sich dann jeder weiter um die Bedingungen der Arbeiter dort? Oder um die menschenverachtende Haltung der Regierung?“ Vielmehr würde das sogenannte „Rudelgucken“ vielmehr dabei helfen, ein Zeichen zu setzen. „Ich für meinen Teil finde, wenn wir mehr Leute von ihrem privaten Fernsehen zum Rudelgucken bewegen können – was dafür sorgt, dass die einzelnen Flimmerkisten daheim ausbleiben und dementsprechend weniger Haushalte für Einschaltquoten sorgen –, ist das der richtige Weg.“

Kölner Kneipe „Haus BöhMer“ zeigt Katar-WM: „Wie kannst du nur?“

Dass er mit dieser Einstellung wohl nicht bei allen Gastronomie-Kolleginnen und -Kollegen auf Zustimmung stoßen wird, ist Bucklitsch bewusst. „Klar, der ein oder andere sagt, wie kannst du nur? Ganz einfach. Ich selber bin in meinem Land und unterstütze dort nicht den Fußball-Tourismus und erst recht nicht die Bedingungen.“ Außerdem: „Was bringt es mir gastronomisch und wirtschaftlich, wenn ich meine Fernseher/Leinwand auslasse bei den Deutschlandspielen und meine Gäste gehen zu den Kneipen um die Ecke? Damit ist meinem Betrieb nach der Pandemie erst recht nicht geholfen.“

WM in Katar: Gastronomen in Köln veranstalten „Rudelgucken“

Keine Frage: Das Thema Public Viewing zur Weltmeisterschaft in Katar wird weiterhin die Geister spalten. Wer sich dafür entscheidet, sich Spiele der deutschen Nationalmannschaft mit Freunden in der Kneipe anschauen zu wollen, wird jedoch im Stadtgebiet sicher fündig werden. Vor allem, wenn er in der Nähe des „Haus BöhMer“ in Kalk wohnt. (mo) Fair und unabhängig informiert, was in Köln & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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