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Wohnraum statt „Kronenbrot“ – 350 neue Wohnungen für Köln

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Von: Martin Henning

Kronenbrot-Area in Köln-Höhenberg von außen.
Das ehemalige Kronenbrot-Areal steht seit Mitte 2019 leer. © Martin Henning

Im Juli 2019 stellte die Großbäckerei Kronenbrot ihren Betrieb in Köln-Höhenberg ein. Seitdem ist das Areal verwaist. Bald werden dort neue Wohnungen gebaut.

Köln – Jahrzehntelang produzierte Kronenbrot auf seinem Areal zwischen Oranienstraße, Schulstraße und Regensburger Straße im Stadtbezirk Köln-Kalk Backwaren. Für die Menschen in Höhenberg und Vingst gehörte das Gelände ins Veedelsbild. Doch im Juli 2019 war plötzlich Schluss. Der Großbäcker musste Insolvenz anmelden, rund 330 Mitarbeitende in Köln verloren ihren Job.

Silos, Lagerhallen, Verwaltungsgebäude – all das liefert auch dreieinhalb Jahre später noch Zeugnis über ein Stück Bäckereigeschichte ab. Allerdings nicht mehr lange. Die Gebäude sollen bald abgerissen werden, auf dem etwa 1,9 Hektar großen Areal (entspricht zweieinhalb Fußballfeldern) entstehen unter anderem bis zu 350 Wohnungen und eine Kindertagesstätte.

Kronenbrot: Großbäckerei mit Tradition aus NRW

Kronenbrot wurde 1865 von Franz Joseph Mainz in Würselen bei Aachen gegründet.

Später kamen Produktionsstätten in Köln und Witten dazu.

Zuletzt arbeiteten rund 1000 Mitarbeitende in dem Unternehmen, damit war Kronenbrot der größte Anbieter von Backwaren in Nordrhein-Westfalen und gehörte zu den fünf größten Backwarenherstellern Deutschlands.

Das Unternehmen belieferte etwa 3000 Lebensmittelhändler und Großverbraucher in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Belgien, den Niederlanden und Frankreich.

2016 hatte Kronenbrot erstmals einen Insolvenzantrag gestellt. Daraufhin hatte die Inhaberfamilie das Unternehmen an den Investor „Signal Capital“ verkauft. Im Juni 2019 stellte der Großbäcker einen zweiten Insolvenzantrag, der Betrieb lief kurzzeitig weiter.

Mitte Juli 2019 gab das Unternehmen bekannt, dass der Betrieb zum Ende des Monats eingestellt und alle Mitarbeitenden entlassen würden. Das Kronenbrot-Werk in Witten wurde vom Konkurrenten Harry-Brot übernommen. Übrigens: Auch an anderer Stelle in Köln musste kürzlich eine Traditionsbäckerei Schluss machen. Im September 2022 gab die Bäckerei Schlechtrimen in Kalk ihr Aus bekannt – nach ziemlich genau 90 Jahren.

Kronenbrot-Gelände in Köln bietet Platz für 300 Wohnungen

Der Projektentwickler BPD hat das Gelände gekauft. Er will nach eigenen Aussagen ein „modernes Stadtquartier für alle Generationen“ schaffen. Dazu gehören Mikroapartments für Studierende und junge Berufstätige, aber auch für Senioren. Dabei soll auch das Thema Nachhaltigkeit nicht zu kurz kommen. Geplant sind:

Alte Fabrikteile von Kronenbrot in Köln-Höhenberg sollen wiederverwendet werden

Gebäude von Kronenbrot in Köln-Höhenberg.
Noch stehen die Gebäude von Kronenbrot. Doch 2029 soll hier das neue Wohnviertel fertig sein. © Martin Henning

Das neue Viertel im Kronenbrot-Areal soll einen Quartiersplatz, einen „hohen Grünanteil“ und ein attraktives Wegenetz für Radfahrende und Fußgänger bekommen. Für Kinder wird es einen Spielplatz und private Spielflächen geben. Die Wohnbereiche sind in vier größere „Cluster“ aufgeteilt. Jedes dieser Cluster besteht aus mehreren vier- bis sechsgeschossigen Gebäuden und einem alleinstehenden sechsgeschossigen Haus. Durchzogen wird das Ganze von vielen Grünflächen.

„Ähnlich wie bei unserer Klimaschutzsiedlung in Köln-Lind werden wir auch bei diesem Projekt klimaschonende Energiekonzepte und durchdachte Mobilitätskonzepte in die Entwicklung mit einbeziehen“, sagt Annett Cachay, Projektentwicklerin bei BPD NRW.

In Lind bauen die Projektentwickler gerade ein Wohnviertel, in dem jeder Hauskäufer ein E-Bike mit Fahrradgarage und E-Anschluss geschenkt bekommt. Eine zentrale Paketstation soll dort den Lieferverkehr bündeln. Das Viertel ist weitgehend autofrei. Außerdem setzen die Bauherren auf nachhaltige Materialien. Auch das neue Höhenberger Wohnviertel soll im Inneren autofrei sein. Und: Die Verantwortlichen wollen Teile der Bausubstanz der ehemaligen Kronenbrot-Fabrik wiederverwenden.

Kronenbrot-Areal in Köln-Höhenberg: Zahlen und Fakten

Fläche:19.300 Quadratmeter
Wohnungen:bis zu 350
Projektentwickler:BPD Immobilienentwicklung GmbH
Baubeginn:voraussichtlich Ende 2025
Fertigstellung:voraussichtlich 2029

Kronenbrot-Gelände Köln-Höhenberg: Bürger können sich beteiligen

Die Bauherren möchten bei der Entwicklung des neuen Wohnviertels auch die Anwohnerinnen und Anwohner mit einbeziehen. Eine öffentliche Auftaktveranstaltung fand im Juni 2022 statt. Dabei wurde deutlich: Die Menschen im Veedel wünschen sich, dass der Charme des Veedels und die Bodenständigkeit erhalten wird. Ebenfalls wichtig: dass soziale Einrichtungen geschaffen werden. Ein neues Jugendzentrum ist in der Diskussion.

Auch in Sachen Natur und Nachhaltigkeit gaben die Anwohnerinnen und Anwohner Feedback: Sie wünschen sich, dass das Kronenbrot-Areal autofrei wird. Dem Beispiel folgen immer mehr neue Wohnquartiere in Köln, zum Beispiel das Grünwerk in Bocklemünd und der Simonskaul in Weidenpesch. Außerdem sollen die Dächer der Wohnhäuser begrünt werden.

Die Anmerkungen ließen die Verantwortlichen in ein Wettbewerbsverfahren einfließen. Fünf Planerteams entwickelten Entwürfe für das neue Quartier auf dem Kronenbrot-Areal. Diese Entwürfe wurden Ende November 2022 in einer zweiten öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Dort konnten die Anwesenden erneut Feedback geben.

Anwohner bei einer öffentlichen Veranstaltung zum Kronenbrot-Areal.
Anwohner konnten im November ihre eigenen Ideen einbringen. © BPD Immobilienentwicklung GmbH

Wie geht es beim Kronenbrot-Areal weiter?

Kritik der Linken an neuem Kronenbrot-Viertel

Nicht jeder ist mit den Planungen zum neuen Stadtquartier zufrieden. Die Linken kritisierten in der Kalker Bezirksvertretung, dass das Areal besser in eine komplette Grünfläche verwandelt werden solle. In einem Antrag der Fraktion heißt es dazu: „Bei Gesprächen mit den Menschen im Veedel wurde immer wieder genannt, dass man zu wenige Grünflächen, zu wenige Spielflächen und überhaupt zu wenig Aufenthaltsmöglichkeiten habe.“

Die Befürchtung: Wie im angrenzenden Stadtteil Kalk werde die Gentrifizierung vorangetrieben – mit der Folge, dass (zu) teure Wohnungen entstünden. (mah) Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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