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11.11. in Köln: Warum am Heumarkt das klappt, was sich die Stadt für die Zülpicher wünscht

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Von: Johanna Werning

Während der Heumarkt für die traditionelle Sessionseröffnung im Kölner Karneval steht, gilt die Zülpicher Straße als chaotische Party-Zone. Woran liegt das?

Köln – Der kölsche Countdown zur Sessionseröffnung 2023 läuft. Die Planungen für den Kölner Karneval sind im vollen Gange – das gilt sowohl für die Sessionseröffnung am Tanzbrunnen, als die Feier zum 11.11. auf dem Heumarkt oder der Party-Zone an der Zülpicher Straße. Doch während die Tanzbrunnen-Veranstaltungen der Grossen von 1823 und die Heumarkt-Sessionseröffnung der Willi-Ostermann-Gesellschaft mittlerweile vor allem für den traditionellen Karneval stehen, sieht es bei der Zülpicher Straße anders aus.

Links. Die Sessionseröffnung am Heumarkt. Rechts: Die überfüllte Zülpicher Straße am 11.11.
Warum klappt der 11.11. am Heumarkt aber nicht an der Zülpicher Straße? (Symbolbild) © Political-Moments/Imago & Future Image/Imago

11.11. am Heumarkt: Vom Sorgenkind zum Vorreiter – Sessionseröffnung in der Altstadt

Hier sind vor allem feierwütige Jecken unterwegs – zum Leidwesen der Anwohner. Denn trotz Sicherheitskonzept für die Zülpicher Straße befürchten die Anwohner auch in diesem Jahr wieder Chaos, aggressive Stimmung und Verschmutzung in ihrem Veedel. Und auch Ralf Schlegelmilch, Präsident der Willi-Ostermann-Gesellschaft, blickt mit Sorge auf die Party-Zone im sogenannten Kwartier Latäng.

„Wir wissen leider alle, dass an dem Tag alles, was in der Stadt läuft, unter ‚Kölner Karneval‘ laufen wird. In München wird das nicht getrennt voneinander wahrgenommen.“ Damit meint Schlegelmilch, dass außerhalb von Köln nicht zwischen dem traditionellen Karneval und der Party-Zone an der Zülpicher Straße unterschieden wird. Bereits im letzten Jahr sorgten die chaotischen Bilder der Zülpicher Straße für Schlagzeilen und gingen um die Welt. Darum sei es im Interesse aller, dass es an der Zülpicher Straße zu keinen unschönen Szenen kommen wird.

Vor einigen Jahren gab es noch ganz ähnliche Befürchtungen für die Sessionseröffnung am Heumarkt. Doch mittlerweile gab es hier eine positive Entwicklung. „Die Altstadt funktioniert an dem Tag einfach“, erklärt Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval. „Das färbt auch auf die umliegenden Straßen ab.“ Und für die positive Entwicklung gibt es gleich mehrere Gründe.

Karneval in Köln: Warum der 11.11. am Heumarkt „einfach funktioniert“

Sicherheitskonzept: Seit Jahren wurde das Sicherheitskonzept für die Sessionseröffnung immer wieder überarbeitet und ausgeweitet. Zuletzt für die Sessionseröffnung im letzten Jahr. „Da haben wir hervorragende Erfolge gesehen“, so Schlegelmilch. Straßensperrungen, Kontrollen und strenge Regeln wie ein Verbot für harten Alkohol. Und auch in das Sicherheitspersonal wird jede Menge investiert. „Wir haben rund 100.000 Euro für die Sicherheitskräfte ausgegeben.“ Zusätzlich arbeitet die Willi-Ostermann-Gesellschaft als Veranstalter eng mit Stadt und Polizei zusammen.

Und auch gegen eine mögliche Verschmutzung des Heumarkts geht man vor. 14 Toilettenwagen und über 100 Dixiklos stellt die Gesellschaft am 11.11. rund um den Heumarkt auf. Dazu kommen noch die mobilen Sanitäreinrichtungen der Stadt und der Gastro. „Was die Altstadt angeht, sind wir kurz einer Toiletten-Ausstellung“, scherzt der Präsident der Gesellschaft.

Imagekampagne: Doch nicht nur am Tag selbst sorgt man dafür, dass die Sessionseröffnung wie geplant läuft. Auch bei den Vorbereitungen sorgt man bereits dafür, sagt Schlegelmilch. Seit Jahren fährt die Karnevalsgesellschaft bereits eine bestimmte Imagekampagne mit klaren Äußerungen: „Wir wollen keine besoffenen Jugendlichen. Wir wollen überhaupt keine Besoffenen haben“, so Präsident Schlegelmich. Das fordern auch die Anwohner im Kwartier Latäng sowie Bezirksbürgermeister Andreas Hupke für die Zülpicher Straße – bisher jedoch ohne Erfolg.

Viel Arbeit des Ehrenamts: Dass das alles möglich ist, ist jedoch nicht nur teuer, sondern in der Planung auch sehr aufwendig. Machbar sei das nur durch die große Arbeit des Ehrenamtes. „Das darf man wirklich nicht unterschätzen“, wie Schlegelmich betont. Nur durch das Ehrenamt sei eine solche Veranstaltung überhaupt möglich. Denn kostendeckend sind die Mega-Events für die Veranstalter nicht.

Karneval Köln: Sorgenkind Zülpicher Straße – „müssen schauen, was da passiert“

Und genau deswegen gibt es nun auch keine Alternativ-Veranstaltung zur Zülpicher Straße – obwohl die Idee lange und intensiv in der Stadt und der Politik diskutiert worden ist. Das Problem: Die Stadt will am 11.11. kein Veranstalter sein, für private Veranstalter ist eine kostenlose oder kostengünstige Sessionseröffnung an der Zülpicher Straße jedoch nicht gewinnbringend. Der Eintritt? Kostenlos. Die Getränke? Extrem günstig, da es neben den Bars, Kneipen und Clubs unzählige Kioske gibt, die Bier und Schnaps anbieten. Gerade das sorgt für einen riesigen Ansturm. Trotz Sicherheitskonzept wird somit das ursprüngliche Problem nicht gelöst.

Darum werde das Festkomitee Kölner Karneval am 11.11. auch selbst vor Ort sein und sich die Lage an der Zülpicher Straße anschauen. „Man wird uns auch am Kwartier Latäng sehen. Wir müssen schauen, was da passiert – auch für nächste Jahr.“ Immerhin fällt der 11.11. nächstes Jahr sogar auf einen Samstag, wodurch es noch mehr Menschen zum Feiern nach Köln ziehen dürfte, sagt Festkomitee-Präsident Kuckelkorn.

Das dürfte vor allem Musik in den Ohren der Stadt sein. Immerhin sprach die Verwaltung bereits in der Vergangenheit davon, den organisierten Karneval für die Zülpicher Straße mit ins Boot zu holen. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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