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Karneval trotz Krieg in der Ukraine: Kölns OB Reker findet deutliche Worte

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Während die Menschen in Köln Karneval feiern, greift Russland die Ukraine an. Dennoch soll der Karneval nicht abgesagt werden, sagt Kölns Oberbürgermeisterin Reker.

Köln – Der Karneval in Köln ist nun in vollen Gange – denn am Donnerstag, 24. Februar, hat mit Weiberfastnacht der Straßenkarneval begonnen. Doch während die Menschen in Köln in bunten Kostümen durch die Stadt ziehen und zu Karnevalshits singen, ist die Stimmung in tausenden Kilometern Entfernung mehr als düster. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eskaliert, die russische Armee greift die Ukraine an. Unter anderem wurden Angriffe mit Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Raketen gegen die militärische Infrastruktur gemeldet. Was bedeutet das für den Kölner Karneval? Gefeiert wird aktuell trotzdem. Doch Kölns Oberbürgermeistern Henriette Reker findet klare Worte – und feiert nicht.

Russland greift die Ukraine an

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ist eskaliert. Russlands Präsident Wladimir Putin kündigte in der Nacht zu Donnerstag einen großen Militäreinsatz gegen das russische Nachbarland Ukraine an. Dieser Angriff startete in den frühen Morgenstunden des Donnerstags (24. Februar). Es gab Berichte über mehrere Explosionen im Land, unter anderem auch in der Hauptstadt Kiew. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi rief den Kriegszustand aus. Russische Militärkolonnen sollen die Grenze zum Nachbarland an mehreren Stellen überquert haben. Es gibt Berichte über mehrere tote Soldaten und Zivilisten.

Kölner Karneval 2022: Henriette Reker – „Jeder muss selbst entscheiden, ob er feiern möchte“

Zu Beginn des Straßenkarnevals hat die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) mit einer Schweigeminute der Leidtragenden des russischen Angriffs auf die Ukraine gedacht. „Mir ist wirklich nicht zum Feiern zumute, aber weder ich noch das Festkomitee können und wollen den Karneval absagen“, sagte Reker bei einem Empfang im Rathaus. „Die Kneipen schließen und eine Ausgangssperre verhängen können wir ohnehin nicht, das müsste der Landesgesetzgeber tun. Jeder und jede muss für sich selbst entscheiden, ob er oder sie angesichts dieser Situation feiern möchte.“ Auf Twitter schrieb sie: „Der russische Angriffskrieg gegen sein Nachbarland ist unentschuldbar.“

Kann man Karneval feiern, wenn in Europa ein Krieg ausbricht? Es ist eine Frage, die man sich angesichts der feiernden Mengen in der Kölner Innenstadt stellen kann. Kölns Oberbürgermeisterin selbst fehlte um 11:11 Uhr beim Karnevalsauftakt am Alter Markt. Reker nimmt am Donnerstag an keinen Karnevalsveranstaltungen teil, das sagte sie am Mittag im WDR.

Reker über Karneval: Wird „Bilder geben, die Kopfschütteln verursachen werden“

Reker ist sich nach eigenen Worten darüber im Klaren, dass es durch den Karnevalsauftakt „Bilder geben wird, die Kopfschütteln verursachen werden“. Sie persönlich könne den Karneval und den Krieg in der Ukraine nicht miteinander verbinden, aber für viele andere sei der Karneval wichtig. „Jede und jeder muss das für sich selbst entscheiden, ob das der richtige Augenblick ist zu feiern“, sagte Reker. „Ich feiere nicht.“

Karneval 2022: Feiern in Köln trotz Ukraine-Konflikt? Kritik aus sozialen Medien

In den sozialen Medien ernten die Stadt Köln und die Jecken zum Teil heftige Kritik für das rege Treiben an Weiberfastnacht trotz Eskalation im Ukraine-Konflikt. „Eine schweige Minute bevor es dann losgeht mit Karneval… Ich finde das zynisch“, schrieb Philipp Türmer, stellvertretender Vorsitzender der Jusos bei Twitter. „Erst Schweigeminute, dann Trallala und Hopsassa. Sehr pragmatisch, dieser Karneval in Köln“, twitterte Grünen-Politiker Ali Baş.

Die Jusos Köln haben für 14 Uhr eine spontane Demo unter dem Motto „Solidarität mit der Ukraine“ auf dem Neumarkt in Köln angekündigt. „Es ist an der Zeit, an der Seite der Ukraine zu stehen. Heute sollten wir das Bedürfnis nach Karneval auch an Wieverfastelovend hinten anstellen“, heißt es in einem Tweet der SPD-Jugendorganisation.

Auch die ersten Stars und Künstler haben sich inzwischen zu Wort gemeldet. „Der Karneval wird jetzt komplett überschattet vom Krieg, vielleicht sollte man jetzt unter den offiziellen Teil des Karnevals sofort einen Strich machen“, sagte Stephan Brings, Mitgründer der kölschen Band „Brings“, dem Kölner Stadt-Anzeiger. Comedian Bernd Stelter sagte bei WDR2, dass er Verständnis für die habe, die feiern wollen. Er selbst aber „habe damit ein Problem“. Die Kölner Band „Räuber“ änderte ihr Profilbild bei Facebook. Dort steht jetzt in einem Button: „Make Fastelovend, not War!“

Karneval Köln 2022: Festkomitee – „Geschehnisse gehen nicht an uns vorüber“

Das Festkomitee Kölner Karneval hat sich am Donnerstag ebenfalls zur Lage in der Ukraine geäußert und ähnliche Worte wie OB Reker gefunden. „Heute beginnt der Straßenkarneval, auf den Ihr zwei Jahre sehnsüchtig gewartet habt. Aber jetzt noch unbeschwert feiern, trotz der Ereignisse der letzten Nacht? Das muss und sollte jeder für sich selbst entscheiden. Sicherlich gehen die Geschehnisse in der Ukraine nicht spurlos an uns vorüber“, heißt es dazu nun in einem Facebook-Post.

In Gedanken seien viele Jecken dort, wo die Menschen mit Angst auf die nächsten Tage blicken, heißt es weiter. Dennoch habe man gerade auch in jüngerer Vergangenheit gelernt, dass der „Karneval in Krisenzeiten eine wichtige Funktion für die Menschen hat“. Sich den Frohsinn des Karnevals von einem Despoten diktieren zu lassen, entspräche nicht dem Gedanken des Fastelovends, in dem Freiheit und Gleichheit an erster Stelle stehen.

Karneval in Köln 2022: Karnevalsprinz – „Es ist nicht einfach, den Hebel umzulegen“

Auch der Kölner Karnevalsprinz Sven I. will trotz des Krieges in der Ukraine nicht auf den Karneval verzichten. „Es ist nicht einfach, den Hebel umzulegen bei solchen Ereignissen, aber wir sind es auch den Jecken in dieser Stadt schuldig, ihnen ein wenig Freude zu bereiten. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst und der werden wir auf jeden Fall nachkommen“, sagte der Karnevalsprinz am Donnerstag bei einem Empfang im Kölner Rathaus.

Auch um 11:11 Uhr, kurz nach der Eröffnung des Straßenkarnevals am Alter Markt wählte Jungfrau Gerdemie ernste Worte. „Die Ereignisse der vergangenen Nacht sind auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen, wir schunkeln nicht an den Sorgen der Menschen vorbei“, sagt Jungfrau Gerdemie. „Aber wir lassen uns auch nicht die Grenzen des Frohsinns von Menschen bestimmen, die Freiheit und Frieden mit Füßen treten. Deswegen lasst uns jetzt ein Alaaf ausrufen, das man wirklich überall hört.“

Wie also mit dieser Situation umgehen? Der Textilhersteller Trigema erntete nun Kritik für eine Feier, bei der sich die Belegschaft verkleidete*, wie bw24.de* berichtet. (nb mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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