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Warum es Kritik an Plänen für Karneval im Grüngürtel gibt

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Von: Johanna Werning

„Partys und Veranstaltung, das ist alles verboten“, so der BUND in Köln. Dennoch gibt es weiterhin die Pläne für eine Karnevalsfläche im Grüngürtel.

Köln – „In Köln läuft vieles nicht so, wie es laufen sollte“, sagt Dr. Helmut Röscheisen, Vorstand im BUND Köln. Vor allem, wenn es um das Thema Kölner Karneval geht. Denn vor allem nach den Bergen an Müll und Verschmutzung und den überfüllten Plätzen am 11.11. sucht man in Köln nach Alternativen für den Party-Hotspot auf der Zülpicher Straße im sogenannten Kwartier Latäng.

Menschenmassen im Grüngürtel beim Auftakt des Kölner Karnevals.
Partys und Veranstaltungen sind im Grüngürtel eigentlich verboten – doch die Stadt hält an den Plänen fest (Symbolbild) © Christoph Hardt/Imago

Grüngürtel-Pläne für Karneval: Dabei ist der Bereich ein Landschaftsschutzgebiet

„Ich bin selber Jeck, aber das ist kein Karneval“, so Röscheisen gegenüber 24RHEIN. Bereits zur Sessionseröffnung am 11.11. strömten Zehntausende in Richtung Zülpicher Straße. Als der Bereich geschlossen wurde, wurde die Feiermenge auf den Grüngürtel geleitet. Zwischen Luxemburger Straße und Aachener Weiher feierten vor allem junge Menschen – und hinterließen Tonnen an Müll. Auch Wochen später waren die Auswirkungen auf der Wiese und am Aachener Weiher noch zu sehen.

Viele Anwohner und auch BUND-Vorsitzender befürchten, dass sich die Bilder wiederholen können. Denn die Stadt sieht die Entlastungsfläche an der Uniwiese als alternativlos. Dabei ist das sogar nicht rechtens, wie Röscheisen erklärt. Denn der Innere Grüngürtel ist ein Landschaftsschutzgebiet – „wegen der Eigenart und Schönheit“, heißt es im Landschaftsplan der Stadt Köln.

Kölner Karneval 2023 auch im Grüngürtel? Laut BUND ist das gesetzlich verboten

Und darum gelten besondere Maßnahmen: „Rechtlich ist es eigentlich ganz einfach: Partys und Veranstaltung, das ist alles verboten“, so Röscheisen. Allerdings gibt eine Ausnahme: Die Untere Naturschutzbehörde bei der Stadt Köln kann eine Sondergenehmigung erteilen. Dafür müssen jedoch „überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit“ vorliegen. „Das muss eine absolute Ausnahme sein.“ Die Stadt sagt, dass die Grüngürtellösung mehr oder weniger alternativlos sei – als „Gefahrenabwehr“.

Diese Gründe sieht der BUND allerdings im Karnevalsfall als nicht gegeben. „Dass der Karneval im Grüngürtel gefeiert werden muss, ist nicht so“, sagt Röscheisen weiter.

Stattdessen könnten andere Bereiche dafür genutzt werden. Ähnlich sieht es auch Harald von der Stein, der Vorsitzende vom Naturschutzbeirat bei der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Köln. Er befürchtet, dass die Stadt besonderen Herangehensweisen nutzt, um auch ohne Sondergenehmigung den Grüngürtel als Entlastungsfläche zu nutzen. „Dann werden wir den Beschwerdeweg einschlagen und Rechtsmittel einlegen“, so von der Stein gegenüber Express. Somit sei sogar eine Klage gegen die Stadt Köln denkbar.

Kölner Karneval 2023 auch im Grüngürtel? BUND fordert Alternativen und Imagekampagne

Die Forderung von BUND und anderen Naturschützern: Es muss eine Alternative für die Zülpicher Straße her und die Entlastungsfläche soll nicht im Grüngürtel sein. Stattdessen soll es Party-Bereiche auf asphaltierten Straßen geben, denn dort sei eine Reinigung einfacher, so Röscheisen.

Und damit nicht genug: Das Sicherheitskonzept müsse grundsätzlich deutlich ausgebaut werden. „Das Ordnungsamt muss qualifizierter und umfangreicher aufgestellt werden.“ Und auch eine Imagekampagne müsse dringend her, so der BUND-Vorsitzende. „Dieses ‚immer mehr und immer mehr‘ braucht Köln nicht.“ Röscheisen appelliert darum an Henriette Reker: „Die OB sollte sich klar äußern. Wir können nicht alle Verrückten dieser Welt aufnehmen.“ Ansonsten drohe erneut aufgrund des Saufexzess von Zehntausenden enorme Verschmutzung – zulasten der Umwelt, so Röscheisen.

Eine erste Entscheidung, wie es an Weiberfastnacht 2023 aussehen könnte, könnte es nach dem Hauptausschuss Mitte Januar geben. Viel Zeit für die Umsetzung der Konzepte gibt es dann aber nicht mehr. Denn der Straßenkarneval beginnt in diesem Jahr schon am 16. Februar. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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