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„Einer der krassesten Dienste“: Sanitäter erzählt, wie er den 11.11. in Köln erlebt hat

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Von: Mick Oberbusch

Karneval: Luis Teichmann ist Rettungssanitäter und war zum 11.11. in Köln im Einsatz. Wie er den Tag erlebt hat, hat er in seinem Podcast erzählt.

Köln – Sanitäter, Krankenschwester oder Chefarzt gehören seit jeher zu den beliebteren Verkleidungen im Kölner Karneval – und auch Luis Teichmann (26) war in diesem Jahr am 11.11. in Köln in Rettungs-Uniform unterwegs. Für ihn handelte es sich dabei jedoch nicht um ein Kostüm, sondern um Arbeitskleidung – Teichmann ist Rettungssanitäter, auf Instagram aktiv, nebenbei auch noch Autor und Podcaster. In seinem Format „Retterview“ hat er nun über seine Erfahrungen zum Sessionsauftakt in Köln gesprochen – und gibt so wieder, welcher Stress an diesem Tag auf ihn und seine Kolleginnen sowie Kollegen zukommt. „Der Einsatz am 11.11. ist einer der krassesten Dienste“, sagt er zudem auf Instagram.

Rettungssanitäter am 11.11. in Köln im Einsatz – „Karneval ist ein Phänomen“

Feiernde Karnevalisten in Köln, eingeklinkt Rettungssanitäter Luis Teichmann (Montage).
Rettungssanitäter Luis Teichmann (im Kreis) war am 11.11.2022 in Köln unterwegs – und hat einiges erlebt (IDZRW-Montage). © Screenshot Instagram @5_sprechwunsch & Thomas Banneyer/dpa

Überfüllte Straßen, Müll und Chaos: Am 11.11. in Köln gab es einige Kritik – vor allem für die Stadt Köln. „Karneval ist ein Phänomen“, so Teichmann in seinem Podcast, welches auf allen gängigen Streaming-Portalen abrufbar ist. Teichmann sagt: „Aus ganz Deutschland kommen Menschen nach Köln, um zu feiern – was das Potenzial für Verletzungen an diesem Tag deutlich erhöht“. Jecke würden sich an oder durch Bierflaschen verletzen, es gebe extrem viele Treppenstürze und kleinere Unfälle. „Und dann gibt es natürlich noch diejenigen, die einfach sehr alkoholisiert sind und nicht mehr klarkommen“, so Teichmann. Gerade von letzteren hat er auch in diesem Jahr wieder einige gesehen.

26 zusätzliche Rettungswagen für 11.11. in Köln eingesetzt – „reicht für eine kleine Großstadt“

Um das feierwütige Volk im Verletzungsfall zu versorgen, würden im ganzen Stadtgebiet zusätzlich 26 Rettungswagen (RTW) eingesetzt. „Damit kann man normalerweise schon eine kleine Großstadt versorgen“, so Teichmann. Zudem gebe es mobile Sanitätsdienste, die mitlaufen würden, kleinere Krankentransportwagen (KTW) sowie Unfallhilfsstellen, wo sich ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Erstversorgung verletzter Jecken kümmern. Von dort aus werden die Patientinnen und Patienten bei Notwendigkeit von einem Krankenwagen abgeholt und ins Krankenhaus gebracht.

11.11. in Köln: Rettungssanitäter im Einsatz – Bei zu viel Alkohol geht‘s in die Notaufnahme

Das funktioniert an einem Tag, wo das Verkehrsnetz in Köln wie in diesem Jahr zusammenbricht, natürlich nur mit erheblicher Verzögerung: Volle oder gesperrte Straßen, Stau. „Oftmals kommt es auch vor, dass RTWs zu einer Unfallstelle gerufen werden, wo dann nach eintreffen niemand mehr anzutreffen ist“, so der Rettungssanitäter. Man müsse regelrecht „ständig Slalom fahren“, schildert er in einem Reel, das er auf Instagram veröffentlicht hat.

Dies sei ärgerlich, jedoch nicht dramatisch – im Gegensatz zur Lage in den Krankenhäusern und Notaufnahmen, wie Teichmann berichtet. Denn: Dort werden nicht nur Menschen mit Verletzungen untergebracht, sondern auch solche, die „einfach nur ihren Rausch ausschlafen“ müssen.

Sanitäter Luis Teichmann berichtet vom 11.11. in Köln – „Bin ich hier im Krankenhaus oder im Lazarett?“

„Wenn man an Karneval in die Notaufnahme kommt, fragt man sich wirklich: Bin ich hier im Krankenhaus oder im Lazarett?“, so der 26-Jährige. Überall seien provisorisch Feldbetten aufgestellt, die den enormen Ansturm an betrunkenen Patienten auffangen sollen. Und dabei sind diejenigen, die bei von Teichmann ebenfalls beobachteten Schlägereien verletzt wurden, nicht einmal mit eingerechnet. „Die Krankenhäuser in Köln bereiten sich an einem solchen Tag natürlich darauf vor. Dennoch ist es schon ein Wahnsinn, was da alles an Logistik erforderlich ist“, so der Sanitäter weiter. Zudem gebe es noch ein anderes Problem: Die Ausbreitung der Karnevals-Feierlichkeiten auf große Teile des Stadtgebiets.

Einsätze des Ordnungsdiensts

► Präventivgespräche Jugendschutz: 151 (davon 144 im Zülpicher Viertel)
► Jugendschutz-Maßnahmen: 60 (davon 57 wegen Alkohol)
Ansprachen wegen Glasverbots: 43
► Wildpinkler: 144 (89 davon im Zülpicher Viertel)

Einsätze des Rettungsdiensts

► Zülpicher Viertel: 146 Behandlungen, 37 Transporte in Kliniken
► Altstadt: 54 Behandlungen, 7 Transporte in Kliniken

Einsätze des Verkehrsdiensts

► Im Kwartier Latäng und im Severinsviertel wurden acht Abschleppvorgänge eingeleitet und 16 Autos verwarnt.
► In der Innenstadt waren es ebenfalls acht Abschleppvorgänge und 16 Verwarnungen.
► Im Bereich Altstadt Nord mussten zwei Autos abgeschleppt werden. Fünf wurden verwarnt.

Rettungssanitäter stehen am 11.11. in Köln vor großen Problemen – Zehntausende feiern Karneval

„Bei einem Marathon, einer Pride Parade oder selbst dem Rosenmontagszug kennt man das Einsatzgebiet sehr gut, hat eine Strecke, auf die man sich einstellen und vorbereiten kann.“ Wenn jedoch wie jüngst am 11.11. Zehntausende Menschen in der gesamten Stadt feiern, sei es extrem schwierig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Zumal, wie eingangs erwähnt, es für einen Krankenwagen-Fahrer kein Zuckerschlecken ist, sich durch die enormen Menschenmassen, über die sich auch der Bezirksbürgermeister der Innenstadt in Köln beschwerte, einen Weg zu bahnen.

Rettungssanitäter Luis Teichmann: „Warum macht man aus dem 11.11. nicht einfach einen Feiertag?“

So schließt Teichmann seine „Karnevals-Berichterstattung“ mit zwei Forderungen. Erstens: „Wer an Karneval von Sanitätern an Hilfsstellen behandelt wird: Seid nett zu den Kolleginnen und Kollegen, die machen das allesamt ehrenamtlich.“ Und zweitens: „Es wird an diesem Tag so exzessiv gefeiert, der Verkehr kommt zum Erliegen, Berufstätige haben Probleme, durchzukommen. Da es eine Brauchtumsveranstaltung ist, daher meine Frage: Warum macht man aus dem 11.11. nicht einfach einen Feiertag?“ Für die Zukunft vielleicht eine Idee. Denn der nächste 11.11. kommt bestimmt. (mo) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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