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Chaos am 11.11. in Köln: „Versagen auf ganzer Linie“ – Gastro kritisiert Stadt

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Von: Mick Oberbusch

Karneval Köln: Die IG Kölner Gastro wettert nach dem 11.11. und dem Chaos gegen die Stadt – und erhebt schwere Vorwürfe.

Köln – Die Aufarbeitung der Geschehnisse vom 11.11. in Köln, als es auf der Zülpicher Straße zu chaotischen Szenen kam, läuft weiterhin. Nachdem die Polizei ihre Kriminalitätsbilanz rund eine Woche nach den Feierlichkeiten nach oben korrigierte, hat sich die Interessengemeinschaft Kölner Gastronomen, kurz IG Kölner Gastro, bislang zurückgehalten – bis jetzt. „Es war ein Versagen auf ganzer Linie. Mit Ansage“, schreibt die IG aus Köln auf Facebook.

IG (Interessengemeinschaft) Kölner Gastro
AdresseAlteburger Straße 47, 50678 Köln
Mitgliederca. rund 500 Kneipen, Bars, Restaurants etc.
GründungAnfang 2020
VereinsvorsitzendeTill Riekenbrauk, Maike Block

IG Kölner Gastro kritisiert Stadt nach Eskalation an Karneval – „es kam zu lebensbedrohlichen Szenen“

Der IG stößt beim Umgang der Stadt mit dem Thema Kölner Karneval gleich eine Reihe von Dingen auf. Demnach sei man beim Runden Tisch, bei dem das laut FK-Chef Kuckelkorn im Nachhinein „nicht ausreichende“ Sicherheitskonzept für den 11.11. vorgestellt wurde, mit mehreren Vertretern anwesend gewesen – und habe den Planungen der Stadt für den Sessionsauftakt nach Vorstellung vehement widersprochen. Man hätte bereits absehen können, dass die Idee, die Jecken im „Kwartier Latäng“ durch einen Eingang auf die Party-Meile zu schicken, eine schlechte sei. „Darauf aber wurde nicht gehört und es kam wie es kommen musste, zu lebensbedrohlichen und sehr unschönen Szenen“, heißt es weiter. Aufgrund der Zustände am 11.11. hatte die Gaststätte „Bei Oma Kleinmann“ erklärt, künftig keinen Karneval mehr feiern zu wollen.

IG Kölner Gastro zieht nach 11.11. Bilanz – „Die Stadt Köln hat alles in Kauf genommen“

Menschenmassen im Quartier Latäng beim Auftakt des Kölner Karnevals auf der Zülpicher Straße
Die überfüllte Zülpicher Straße – ein Bild, das auch bei der IG Kölner Gastro für Wut sorgt. © Christoph Hardt/Imago

„Videos auf Twitter lassen jeden Veranstalter und jede Veranstalterin erzittern, es hätten in einigen Situationen Menschen nur stolpern müssen und Hunderte wären drüber gerannt“, so die Gastronomen. „Die Folgen wären nicht nur für die betroffenen jungen Menschen fatal gewesen, auch diese Stadt hätte sich nicht davon erholt, es hätte Nachwehen gegeben wie die Silvesternacht und auf viele Jahre wäre das unbeschwerte Lebensgefühl der Jecken Tage verloren gegangen“, so die IG, um ein vernichtendes Urteil auszusprechen: „Die Stadt Köln hat das alles in Kauf genommen, gepokert, mit Verletzungen und Menschenleben gespielt.“

IG Kölner Gastro wettert nach Chaos zum Karnevals-Start – und äußert Vorschläge sowie Forderungen

Ihr Schreiben beschließt die IG mit einigen Forderungen – und Verbesserungsvorschlägen. Dagegen, dass vor allem junge Menschen an Karneval auch künftig Richtung „Zülpi“ pilgern, könne man nichts machen – machtlos sei man trotzdem nicht. „Die Innenstadt wird diese jungen Menschen aushalten müssen, aber mit klareren Regeln. Glas muss verboten werden, es gibt Straßen wo Menschen ihre Kinder und Hunde eine Woche nach dem „Ereignis“ noch immer tragen müssen aus Angst vor Verletzungen.“ Zudem müsse es klar abgegrenzte Zonen geben, ob Festivalflächen oder in der Natur rund um die betroffene Gegend.

IG Kölner Gastro zu Zuständen an Karneval: „Glück gehabt, dass es noch keine Katastrophe gab“

Denn: „Menschenmassen lassen sich leiten, auch wenn sie jung und betrunken sind.“ Für die Zukunft wünscht man sich, wieder mehr ins Boot geholt zu werden. „Nehmt die seit Jahren warnenden Worte der Wirtinnen endlich ernst, nehmt unsere Worte endlich ernst, hört auf diejenigen, die sich auskennen.“ Und weiter: „Köln hat Glück gehabt, dass es noch keine Katastrophe gab. Ausschließlich Glück.“ (mo) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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