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„Alaaf auf Abstand“ – besondere Einblicke zu Karneval während Corona

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Von: Johanna Werning

Ein Jeck mit einem Regenschirm und einer Maske.
Mit einer Online-Austellung blickt das Kölnische Stadtmuseum auf eine besondere Karnevalssession zurück (Symbolbild) © Gladys Chai von der Laage/Imago

Das Kölnische Stadtmuseum blickt auf eine besondere Karnevalssession zurück. Eine Fotoausstellung zeigt nun Highlights und „verwaiste Hotspots“ aus Köln.

Köln – Der Kölner Karneval steht für viele für großartige Partys – inklusive lauter Karnevalsmusik von den Räubern, Brings oder den Höhnern. 2021 musste der Kölner Karneval beweisen, dass er auch anders kann: Aufgrund des Coronavirus wurde der Fastelovend zwar leise – aber nicht weniger emotional verbracht. Statt riesiger Bühne auf dem Heumarkt und Kilometer langem Rosenmontagsumzug gab es Autokino-Sitzungen und Mini-Umzüge im Puppentheater. Die Karnevalssession 2021 war ganz besonders. Das verdeutlicht jetzt auch das Kölnische Stadtmuseum.

Mit der Online-Ausstellung „Alaaf auf Abstand. Bilder einer anderen Session“ werden Fotografien, „die die Schattenseiten des Pandemiekarnevals dokumentieren“ gezeigt. Denn „ein Fest, das sonst durch Nähe, Gesang und Schunkeln bestimmt war, musste coronakonform werden“, so das Kölnische Stadtmuseum. Die drei Fotografen Costa Belibasakis, Constantin Ehrchen und Joachim Rieger aus Köln zeigen dabei einerseits die „die verwaisten Hotspots des Karnevals“ und andererseits die Entschlossenheit der Kölnerinnen und Kölner, sich „Fastelovend nicht nehmen zu lassen“.

Online-Ausstellung „Alaaf auf Abstand. Bilder einer anderen Session“

Die Ausstellung kann bis zum 3. Oktober online und an öffentlichen Orten besucht werden. Auf der Webseite www.alaaf-auf-abstand.de werden knapp 40 Bilder, eingebaut in 360-Grad--Aufnahmen der Entstehungsorte, präsentiert. Dabei handelt es sich sozusagen um eine digitale Schnitzeljagd. Zusätzlich gibt es einen Bildband zum Projekt.

Kölner Karneval: Alaaf auf Abstand – die Besonderheit hinterm Kölner Dreigestirn

Die Startseite der Ausstellung „Alaaf auf Abstand: Bilder einer anderen Session“
„Alaaf auf Abstand“: Auch für das Kölner Dreigestirn gab es viele Änderungen. ©  Startseite Webseite Alaaf auf Abstand/ Kölnisches Stadtmuseum

Das Karnevalsmotto der Session 2021 war „Nur zesamme sin mer Fastelovend“. Ein besseres Motto hätte es wohl kaum für diese besondere Session geben können. Doch nicht nur das närrische Volksfest ist außergewöhnlich gewesen: Auch das Kölner Dreigestirn machte die Session ziemlich besonders. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kölner Karnevals regieren Prinz Sven I., Bauer Gereon und Jungfrau Gerdemie für zwei Amtszeiten.

Gestellt wird das Kölner Dreigestirn in der Session 2021 und 2022 von den Altstädtern e.V. Dabei haben die drei Karnevalsregenten es geschafft, trotz Pandemie ihre Jecken coronakonform zusammenzubringen. Zum Beispiel mit dem Film „PriPro op Jück“ oder einer Spendenaktion für die Gastwirte in Köln.

Kölner Karneval: Alaaf auf Abstand – besonderer Rosenmontagsumzug

Ein Wagen des Rosenmontagszugs
„Alaaf auf Abstand“ über den Rosenmontagszug. © Joachim Rieger/Kölnisches Stadtmuseum

Besonders der Rosenmontagszug in Köln gilt als echtes Highlight in der Domstadt. Doch auch hier war in diesem Jahr alles anders. Statt schunkelnd und singend den Umzug in der Kölner Stadt zu verfolgen, sehen die Jecken ihren Umzug im heimischen Wohnzimmer: Als Mini-Zoch mit Hänneschen-Puppen.

Kölner Karneval: Alaaf auf Abstand – Zeppelin als Mutmacher

Der Zepelin von den Roten Funken.
„Alaaf auf Abstand“: Der Zeppelin zog über die gesamte Stadt. © Constantin Ehrchen/Kölnisches Stadtmuseum

Besonders hart war der Verzicht auf den 11.11. Statt den Sessionsauftakt des Kölner Karnevals 2021 zu feiern, blieb es in der Domstadt ruhig. Oberbürgermeisterin Henriette Reker appellierte an die Kölner zu Hause zu bleiben – auch der Karnevalsverein „Kölsche Funke rut-wieß“ startete den Aufruf und dachte sich dafür eine besondere Aktion aus. Stundenlang kreiste ein Zeppelin mit der Aufschrift „bliev zohuss“ (Bleib zu Hause) über das Stadtgebiet. In diesem Jahr soll der 11.11 wieder ganz traditionell stattfinden. Das haben bereits die ersten Vereine angekündigt.

Kölner Karneval: Alaaf auf Abstand – Foto-Ausstellung der besonderen Art

Prinz Sven I. vor der Proklamation
„Alaaf auf Abstand“ hieß es auch bei der Prinzenproklamation. © Costa Belibasakis/Kölnisches Stadtmuseum

Symbolisch für die Karnevalssession 2021 ist sicherlich die Prinzenproklamation gewesen. Denn eine glamouröse Gala gab es für Prinz, Bauer und Jungfrau nicht. „Das stand schon lange vor dem Lockdown fest, denn Gesundheitsprävention steht an oberster Stelle“, so der Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn damals. Dennoch war die Ernennung des Kölner Dreigestirns legendär.

Der Einzug in den fast menschenleeren Kölner Dom war für Jungfrau Gerdemie ein echtes Highlight. „Am Ende erwiesen uns sechs Altstädter in Uniform die Ehre und das war für mich sehr emotional, da wir in dieser Session unsere Kameraden in Uniform in dieser Anzahl wohl nicht mehr sehen werden und die ganzen schönen Momente einer Session gerne mit ihnen geteilt hätten“, so die Jungfrau damals.

Kölner Karneval: Alaaf auf Abstand – leises Fastelovend

Die Internetseite der Ausstellung.
Die Aktion „Alaaf auf Abstand“ ist eine virtuelle Foto-Aktion im gesamten Stadtgebiet. © Webseite Alaaf auf Abstand/Kölnisches Stadtmuseum

Auch Karnevalshochburgen wie der Tanzbrunnen in Köln-Deutz blieben in der 5. Jahreszeit menschenleer. Wo sonst gefeiert wird, blieben Tische leer und Kölsch-Zapfhähne trocken. Erst seit wenigen Wochen finden am Tanzbrunnen, in der Nähe des RTL-Gebäudes, wieder Veranstaltungen statt.

Kölner Karneval: Alaaf auf Abstand – „Bilder einer anderen Session“

Die Internetseite mit mehreren Karnevalsfotos.
40 Bilder werden bei „Alaaf auf Abstand“ gezeigt. © Webseite Alaaf auf Abstand/Kölnisches Stadtmuseum

Insgesamt zeigt die Ausstellung „Alaaf auf Abstand. Bilder einer anderen Session“ 40 Eindrücke der Corona-Session. Aufgebaut sind die Fotografien in einem virtuellen Stadtplan. Neben der Fotografie sieht man auch immer den eigentlichen Schauplatz des bunten Treibens. Bis zum 3. Oktober ist das neue Ausstellungsformat über den Kölner Karneval vom Kölnischen Stadtmuseum noch zu erleben. Die nächste große Session dürfte 2023 folgen. Dann feiert das Festkomitee Kölner Karneval und mehrere Gesellschaften das 200. Jubiläum. (jw)

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