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11.11. in Köln: „Haarscharf an Katastrophe vorbei“: Chaos, Müll und KVB-Zusammenbruch

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Von: Johanna Werning

Am 11.11. wurde in ganz Köln Karneval gefeiert. Doch im Vordergrund stehen vor allem Chaos, Müll und der KVB-Zusammenbruch. Für viele ein „Desaster mit Ansage“.

Köln – Eigentlich steht der Kölner Karneval für friedliches Feiern, Schunkeln und fürs gemeinsame Singen verschiedener Karnevalshits. Doch der Sessionsstart am 11.11. lief in vielen Teilen von Köln ganz anders ab: Schon um kurz nach 11 Uhr war die Zülpicher Straße überfüllt. Die Uniwiese ertrank in Müll. Nur eine Stunde später wurde die KVB in der kompletten Kölner Innenstadt eingestellt – wegen Überfüllung. „Die Menschen kamen nicht mehr zur Arbeit. Die komplette Innenstadt war lahmgelegt – lahmgelegt durch die Massen, die von der Stadt herbeigerufen worden sind“, kritisiert Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) im Gespräch mit 24RHEIN.

An der Zülpicher Strasse feiern zahlreiche Karnevalisten ausgelassen den Beginn der Karnevalssaison.
Wie chaotisch war der 11.11. wirklich? © Thomas Banneyer/dpa

Chaos, Müll und KVB-Zusammenbruch – so lief der 11.11. in Köln

► Am 11.11. wurde der Sessionsauftakt im Kölner Karneval gefeiert.

► Innerhalb weniger Stunden war die Zülpicher Straße überfüllt. Dennoch strömten unzählige weitere Menschen in die Kölner Innenstadt. Die Folge: Chaos, Müll und Verschmutzung.

► „Wenn es sich so wiederholt, wird das nicht gut gehen. Das Glück darf man nicht noch einmal herausfordern. Die Security war völlig überfordert“, klagt Bezirksbürgermeister Andreas Hupke.

► „Ich bin wirklich fassungslos. Das ist ein Desaster mit Ansage gewesen. Das war haarscharf an einer Katastrophe vorbei“, so FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite

► Anders sieht es Oberbürgermeisterin Henriette Reker: „Das Konzept der Stadt hatte zum Ziel, die Anwohnenden, die einer besonderen Belastung ausgesetzt, bestmöglich zu schützen und für die Sicherheit der Feiernden zu sorgen. Das ist uns überwiegend gelungen“

Karneval: Bilanz zum 11.11. in Köln – „Wenn es sich so wiederholt, wird das nicht gut gehen“

Dass die Zülpicher Straße gerade an den Karnevalstagen zur XXL-Partyzone wird, ist nicht neu. Doch das Ausmaß in diesem Jahr war besonders alarmierend. „30 Jahre haben die Menschen im Kwartier Latäng die Verwaltung darauf hingewiesen, doch die hat es ignoriert. Das ist jetzt das schockierende Ergebnis“, so Hupke. „Für die Anwohner der Zülpicher Straße und für den Inneren Grüngürtel war der Tag leider wieder einmal ein Desaster“, sagt auch Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn gegenüber 24RHEIN.

Dabei gab es in diesem Jahr zum 11.11. sogar ein neues, aufwendiges und teures Sicherheitskonzept. Unzählige Straßen wurden gesperrt, Kontrollen aufgebaut und die Besucheranströme umgeleitet. Doch erfolgreich waren die Maßnahmen nicht, kritisiert der Bezirksbürgermeister. Es muss dringend nachgebessert werden. „Wenn es sich so wiederholt, wird das nicht gut gehen. Das Glück darf man nicht noch einmal herausfordern. Die Security war völlig überfordert. Zum Glück gab es Polizei und Ordnungsamt. Die haben tolle Arbeit geleistet. Wenn die nicht da gewesen wären, wäre wirklich Schlimmes passiert“, sagt Hupke weiter.

Karneval in Köln: 11.11. – Zusammenbruch bei der KVB

Der Kölner FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite sieht es ähnlich wie Hupke. „Ich bin wirklich fassungslos. Das ist ein Desaster mit Ansage gewesen. Das war haarscharf an einer Katastrophe vorbei.“ Dabei habe es im Vorfeld unzählige Warnungen gegeben – gerade im Hinblick auf die neue Eingangssituation an der Zülpicher Straße. Erstmalig wurde der Eingang vom Barbarossaplatz zur Uniwiese verlegt. Das Problem dabei sahen viele darin, dass sich direkt hinter dem Eingang eine Unterführung des Bahnhofs Süd befindet. Und tatsächlich: Bereits am Mittag war der Bereich völlig überfüllt. Kurzerhand musste der Eingang verschoben werden, damit es zu keiner Katastrophe kommt.

„Wenn so viele Menschen kommen, kann man doch kein Nadelöhr zum Eingang machen“, sagt Breite. „Hätten wir die Ringe genutzt, wäre es nicht zu solchen Bildern gekommen.“ Doch nicht nur an der Zülpicher Straße habe die Stadt sich falsch vorbereitet. „Die Stadt hat auf ganzer Linie versagt“, lautet Breites deutliches Fazit.

Der Grund: Bereits am Mittag brach die KVB in der Kölner Innenstadt zusammen. „Das geht gar nicht, das ist ein absolutes No-Go. In der viertgrößten Stadt fährt keine KVB mehr. Das geht nicht.“ So etwas dürfe sich nicht wiederholen, betont Breite.

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Kölner Karneval 2023: Bilanz zum 11.11. – Politik sieht dringenden Handlungsbedarf

Dass dringend Handlungsbedarf besteht, findet auch Bezirksbürgermeister Hupke. „Der Wahnsinn, der da stattgefunden hat, darf sich nicht wiederholen. Der Rat und die Stadt können nicht mehr weggucken.“ Nur mit einer Imagekampagne könne man dagegen vorgehen. „Zuletzt wurde darauf gesetzt ‚Masse statt Klasse‘. Ganz nach dem Motto, die ganze Welt kann nach Köln kommen. Das kann die Stadt aber nicht leisten.“

FDP-Politiker Breite ist ebenfalls sicher: So kann es nicht weitergehen. Das Sicherheitskonzept müsse ausgebaut werden und auch eine neue Veranstaltungsfläche müsse dringend her. „Wir fordern, dass man auf die Ringe ausweicht und mit privaten Veranstaltern spricht“, denn das Zülpicher Viertel sei für so einen Ansturm einfach nicht ausgelastet, erklärt Breite.

Kölner Karneval 2023: Bilanz zum 11.11. – das sagt Oberbürgermeisterin Reker zur Kritik

Aber was sagt die Stadt Köln zu der Kritik? „Das Konzept der Stadt hatte zum Ziel, die Anwohnenden, die einer besonderen Belastung ausgesetzt, bestmöglich zu schützen und für die Sicherheit der Feiernden zu sorgen. Das ist uns überwiegend gelungen“, erklärt Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf Nachfrage von 24RHEIN. „Wir werden jetzt auswerten, was hat gut funktioniert und was hat weniger gut funktioniert. Diese Ergebnisse werden wir zeitnah dem Runden Tisch Karneval vorstellen.“

Außerdem: „Als Stadt würden wir es nach wie vor begrüßen, wenn sich professionelle Veranstalter finden würden, die bereit wären, eine Veranstaltung zu organisieren, die zu einer Verteilung der Feiernden und zu einer verbesserten Situation rund um die Zülpicher Straße beiträgt.“ Inwieweit die Stadt mit dem tatsächlichen Ansturm auf den 11.11. und die Auswirkungen auf die KVB gerechnet hat, beantwortet Reker hingegen nicht. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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