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Karneval-Festival auf den Ringen „hätte gleich mehrere Vorteile“

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Von: Johanna Werning

Das Karneval-Chaos auf der Zülpicher Straße soll enden. Der Vorschlag der Gastro: Die Kölner Innenstadt wird zur zweiten Party-Zone – samt Tradition.

Köln – Seit Jahren steht der Kölner Karneval auf der Zülpicher Straße in der Kritik: Obwohl sich Anwohner, Jecke und viele Gastronomen einig sind, dass der Party-Hotspot nur wenig mit dem Brauchtum Karneval zu tun hat, zieht es jedes Mal Zehntausende zum Feiern ins Kwartier Latäng. Die Folgen sind Chaos, Überfüllung und Verschmutzung im gesamten Viertel. Auch am 11.11. vor wenigen Wochen kam es wieder zu unschönen Szenen in Köln.

„Schlimmer geht immer“: Chaos am 11.11. in Köln trotz Sicherheitskonzept

Bereits um kurz nach 11 Uhr morgens wurde die Zülpicher Straße wegen Überfüllung geschlossen. „Schlimmer geht immer. Das hat sich auch in diesem Jahr wieder gezeigt“, sagt Markus Vogt, Vorstandsmitglied des Vereins „Gastro Kwatier Latäng“. „Wir hatten einen signifikanten Zuwachs“, erzählt er im Gespräch mit 24RHEIN. Der Gastronom geht davon aus, dass allein zur Spitze 90.000 Menschen im und um das Kwartier Latäng unterwegs waren. Viel zu viele für den Bereich.

Dabei hat die Stadt Köln gemeinsam mit einer privaten Sicherheitsfirma extra ein teures und aufwendiges Sicherheitskonzept aufgestellt. Ausgereicht hat das allerdings nicht, sagen Vogt und viele weitere Gastro-Inhaber, Anwohner sowie Kölner Politiker. „Wir haben die Stadt vorher gewarnt – mehrmals. Die Stadt wollte das aber nicht hören.“ Die Folge: „Ein Desaster mit Ansage. Das war haarscharf an einer Katastrophe vorbei“, sagte auch schon FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite.

Links: Karnevalisten feiern auf dem Heumarkt in Köln. Rechts: Der Hohenzollernring in Köln.
Statt Chaos-Karneval auf der Zülpicher Straße fordert die Gastronomie ein Karneval-Festival auf den Ringen (IDZRW-Montage). © Horst Galuschka/Imago & Beautiful Sports/Imago

Karneval-Chaos in Köln verhindern: Gastro für Alternativfläche auf den Ringen

Damit sich das nicht wiederholt, muss dringend etwas getan werden, sagt Vogt. „Die Bespielung der Entlastungsfläche sorgt dafür, dass noch mehr Leute kommen, weil eine Art Festival kreiert wird – samt Getränken und Musik, allerdings ohne Kontrollen. Wir rechnen nächstes Jahr sogar mit noch mehr Leuten – wahrscheinlich 250.000 Menschen. Dafür ist der Bereich viel zu klein. Es braucht eine Lösung.“

Der Vorschlag der „Gastro Kwartier Latäng“. Statt einer Entlastungsfläche auf der Uniwiese oder einem Festival im Grüngürtel sollte es Parallelveranstaltungen in der Kölner Innenstadt geben. Einen Namen hat er auch schon: Jeckenville. Denkbar wäre der Bereich der sogenannten „Ringe“ zwischen Friesenplatz, Rudolfplatz und Hahnenstraße am Neumarkt. „Der Bereich hätte gleich mehrere Vorteile“, erklärt Vogt.

Karnevals-Hotspot Innenstadt: Diese Vorteile hat Jeckenville laut „Gastro Kwartier Latäng“

► Die Fläche liegt zentral in Köln und ist mit der KVB gut für Leute aus Köln und von außerhalb erreichbar

► Der Bereich ist nah genug am Kwartier Latäng, aber weit genug entfernt, um die Massen zu entzerren

► In der Zone leben anteilsmäßig weniger Anwohner als im Wohngebiet rund um die Zülpicher Straße

► Die Fläche ist groß genug, um die Feiermassen aufnehmen zu können

► Es handelt sich um eine asphaltierte Fläche, die nach dem 11.11. oder den anderen Karnevalstagen besser gereinigt werden kann, als eine Grünfläche.

► Es können mehrere Bühnen aufgestellt werden, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen.

► Bei Jeckenville könnte es auch Programm zum traditionellen Karneval geben.

Karneval-Chaos in Köln verhindern: Tradition statt Sauftourismus in Köln

„Der größte Vorteil dabei ist, dass mehrere Bühnen aufgestellt werden könnten“, so der Gastronom und Vereinsvorstand. „Wir könnten zum Beispiel auch mal einen Büttenredner auftreten lassen, um den Karneval als Tradition näherzubringen. Das kommt an der Zülpicher Straße nämlich zu kurz“, findet Vogt. „Auf diese Weise könnte man den Jugendlichen eine Art des Karnevals näherbringen, die sie sonst nicht kennenlernen würden.“

Ideal wäre es dabei, wenn die Stadt das Festkomitee Kölner Karneval und Gaspronomen mit ins Boot holt, sagt Vogt weiter. „Die haben ja einen engen Kontakt zu Bands und Rednern.“ Kneipen und Bars könnten hingegen bei Getränkeständen und Ähnlichem helfen, so der Kölner weiter.

„Dies ist als Chance zu verstehen, eben nicht nur für die räumliche Verlagerung, sondern vor allem für einen Wandel der inhaltlichen Bespielung und der vollständig anderen Außenwirkung. Hier besteht die Chance, den Imageschaden für den Kölner Karneval nachhaltig abzuwenden und in etwas Positives zu wandeln“, so der Gastronom. Auch Bezirksbürgermeister Hupke forderte bereits eine Imagekampagne, um den „Saufexzess“ an der Zülpicher Straße zu beenden.

Und genau das verspricht sich auch Vogt vom Konzept Jeckenville. „Ein solches Areal wäre nicht mehr das Komasaufen mit den Kollateralschäden im Grüngürtel und den alljährlich wiederkehrenden negativen Bildern in der nationalen und internationalen Presse, dieses Areal hätte das Potenzial im positiven Sinne Jeckenville zu werden, ein echter Beitrag zu einem Straßenkarneval, wie ihn die Stadt viel eher braucht als den Ballermann.“

Nach Chaos am 11.11.: Karnevals-Alternative auf den Ringen? Stadt Köln ist dagegen

Zuspruch bekommt die Gastro für ihren Vorschlag unter anderem von mehreren Parteien in Köln. Die Stadtverwaltung ist jedoch anderer Meinung: „Gerade aus Sicht der Sicherheitsbehörden bestehen enorme Bedenken, auf den Ringen einen weiteren Hotspot zu schaffen“, heißt es als Erklärung.

Für Vogt ist das unverständlich. „Die Begründung der Stadt ist mehr als dürftig, wenig stichhaltig und wird von vielen Experten nicht geteilt. Die Meinung der Stadt ist sehr fragwürdig.“ Immerhin machten Veranstaltungen wie der CSD, die Gamescom oder Digital X vor, dass die Ringe eine ideale Eventfläche bilden, erklärt der Gastronom. Außerdem: „Ich habe im Vorfeld Gespräche sowohl mit Polizei als auch mit Vertretern des Sicherheitsdienstleisters geführt. Keiner hat hier grundsätzliche Bedenken der Undurchführbarkeit angemeldet.“

Ob die Kölner Innenstadt künftig auch an Karneval zum Party-Bereich wird, ist noch unklar. Fest steht allerdings: Viel Zeit zur Planung und Konzepterstellung bleibt nicht mehr. Immerhin zieht es spätestens an Weiberfastnacht (16. Februar 2023) wieder unzählige Karnevalsfans nach Köln. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Dieser Text wurde zuletzt am 6. Dezember inhaltlich ergänzt. Neuerung: Weitere Details zu Jeckenville.

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