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Kein Karneval mehr bei Oma Kleinmann: „Aufhören, wenn es am schrecklichsten ist“

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Von: Mick Oberbusch

In der beliebten Gaststätte „Bei Oma Kleinmann“ im „Kwartier Latäng“ wird künftig kein Karneval mehr gefeiert. Eine Reaktion auf den 11.11.

Köln – Außerhalb der „Fünften Jahreszeit“ dort ein Riesenschnitzel genießen, während der Jecken Tage dort auf den Bänken stehen, singen und schunkeln – die Gaststätte „Bei Oma Kleinmann“ ist für viele Kölnerinnen und Kölner zu einer Art zweiten Heimat geworden. Besonders während der Karnevalstage ist die Lokalität auf der Zülpicher Straße in Köln sehr beliebt – oder war es, wenn man sich den neuesten Post des Restaurants auf Facebook anschaut. Doch jetzt ist Schluss mit Karnevalsfeiern.

Schild „Gaststätte Bei Oma Kleinmann“, Feiernde auf der Zülpicher Straße in Köln (Montage).
Die Gaststätte „Bei Oma Kleinmann“ verzichtet künftig auf Karnevals-Feierlichkeiten – Grund dafür sind vor allem die Zustände auf der Zülpicher Straße während der Jecken Tage (IDZRW-Montage). © Thomas Banneyer/Imago & Rolf Vennenbernd/dpa

Denn darin erklären die „Omas“, dass der Kölner Karneval in ihrer Gaststätte künftig nicht mehr stattfindet. Und nennen dafür eine Reihe von Gründen, die vor allem mit den schlimmen Zuständen am 11.11.2022 zu tun haben. Das Zülpicher Viertel, die Heimat der „Oma“, war am 11.11. bereits am Mittag komplett überfüllt, Anwohnerinnen und Anwohner mussten mit Müll, Dreck, Fäkalien, Glasscherben und vielem mehr vor der eigenen Haustür zurechtkommen. Für die Gaststätte mitten im Herzen des „Kwartier Latäng“ ist das Maß nun voll.

Gaststätte Bei Oma Kleinmann
AdresseZülpicher Straße 9, 50674 Köln
Telefon0221/232346

Nach 11.11.: Oma Kleinmann macht Schluss mit Karnevalsfeiern

„Liebe Jecken, soll man aufhören, wenn es am schrecklichsten ist?“ – mit dieser Frage beginnt ein langer und vor allem emotionaler Post, in dem die Gründe für den Rückzug aus dem Karnevalsgeschäft aufgezählt werden. Man habe in den vergangenen 20 Jahren bei der „Oma“ rauschende Partys gefeiert, sich die Seele aus dem Leib getanzt und sich mit Tränen in den Augen beim Schunkeln im Arm gehalten. Doch dies sei anno 2022 nicht mehr möglich – vor allem aufgrund der Zustände, die sich am 11.11. dieses Jahres im Zülpicher Viertel abspielten. Und auch Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, fand deutliche Worte zur Situation. „Für diese hohe Anzahl an Feiernden hat das Sicherheitskonzept sichtbar nicht ausgereicht“, sagte er.

Keine Karnevalsfeiern mehr bei Oma Kleinmann – die Gründe für den Fastelovends-Rückzug

Kein Karneval mehr bei Oma Kleinmann – Gaststätte erklärt die Gründe

„Trotz massiver Unterstützung von vielen Seiten [...] ist es uns einfach nicht mehr möglich, Euch, unsere Gäste, vernünftig in die Kneipe zu bekommen und auch nicht zurück. Eingekesselt von Menschenmassen, Absperrungen, Polizei, Ordnungsamt, Dosenbier und Wahnsinn müssen wir unsere kleine Oase des Frohsinns geschlossen halten, denn es ist einfach nicht mehr machbar.“

„Unsere Nachbarn kommen mit ihren Familien nicht mehr in ihre Wohnungen- oder nicht mehr hinaus. Kinder und ältere Anwohner in heller Panik oder in Tränen aufgelöst. Gäste, die uns dem Nervenzusammenbruch nahe, bei Ankunft zitternd in die Arme fallen.“

„Die Versprechungen vorher über Arbeitsgruppen und runde Tische. Die Ernüchterung nicht gehört zu werden. Die Enttäuschung, weil man es vorher doch schon so oft vorhergesagt hat.“

„Auch der Umsatzverlust, wenn man versucht, es richtig zu machen, tut weh und auch die Erkenntnis, dass der ganze Aufwand, der Preis einfach zu hoch geworden ist.“

► Verbesserungsvorschläge: „Die Masse muss gelenkt und reguliert werden. Von Profis! Es muss Eintritt genommen werden und organisiert und vorgedacht werden, Eventualitäten bedacht werden. Areas nach Altersklassen eingerichtet werden. Mehr Karnevalsmusik gespielt werden und ja, auch ein Programm.“

Man könne, eingekesselt von Menschenmassen und Ordnungskräften, die sichere An- und Abreise zur Gaststätte nicht mehr gewährleisten. Nachbarn kämen nicht mehr aus ihren Wohnungen heraus. Man müsse aus dem Fenster „Feiernden“ beim „urinieren, kopulieren und kotieren“ zusehen. Und könne Mitarbeitende nicht nach Hause schicken, weil man schlichtweg Angst um ihr Wohlbefinden habe. Es herrsche eine Atmosphäre wie am Ballermann – ein Eindruck, den auch Innenstadt-Bezirksbürgermeister Andreas Hupke zum Sessionsauftakt gegenüber 24RHEIN teilte.

„Bei Oma Kleinmann“ mit klarer Ansage an die Stadt Köln – „Ruft von uns aus in Rio an“

Doch die „Omas“ haben auch Verbesserungsvorschläge. Es müsse der Stadt endlich gelingen, die Gastronominnen und Gastronomen im betroffenen „Kwartier Latäng“ für die Karnevalstage ins Boot zu holen – „Ihr müsst etwas tun. Mehr tun. Größer denken. Alle anhören. Bündeln, sieben. Profis engagieren. Ruft von uns aus in Rio de Janeiro an. Aber nehmt Hilfe und Unterstützung an“, so die Lokalität weiter. Man sei bei dieser Mithilfe auch gerne dabei – allerdings sei es „lange nach 12“, die Stadt zum Handeln gezwungen.

Nach Karnevals-Rückzug von Oma Kleinmann – IG Kölner Gastro bedauert Entscheidung

Nach dem dramatischen Schreiben der Gaststätte meldete sich am 18. November auch die IG Kölner Gastro zu Wort und bedauerte das Ausscheiden aus dem Karnevalsgeschäft. „Traurig, dass diejenigen aufgeben, die es seit Jahrzehnten vernünftig gemacht haben. Das wird das Viertel noch mehr in die Scheisse reiten. Hört endlich auf die absolute Mehrheit der Gastronomien und nicht auf Einzelmeinungen. Hört auf diejenigen, die sich dezidiert Gedanken machen“, so die Vereinigung. (mo) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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