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Karneval feiern trotz Ukraine-Krieg: „Junge Menschen brauchen ein Ventil“

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Von: Mick Oberbusch

Junge Menschen stehen an Weiberfastnacht verkleidet vor einer Kneipe, rechts Flammen und Rauch aus Trümmern eines Hauses in Kiew.
Karneval feiern, obwohl in der Ukraine Krieg herrscht? Eine Frage, die sich an Weiberfastnacht 2022 in Köln unweigerlich gestellt hat. (Montage) © C. Hardt/Future Image/Imago & Efrem Lukatsky/dpa/AP

Die Ukraine-Krise auf der einen, feiernde Jecke in Köln auf der anderen Seite: Der Start in den Kölner Karneval 2022 an Weiberfastnacht war ein extrem merkwürdiger.

Köln – Eigentlich hatten sich Kölnerinnen und Kölner unisono auf die diesjährige Session des Kölner Karneval gefreut. Wenn auch weiterhin unter strengen Corona-Regeln, sollte 2022 im Vergleich zu den vergangenen Jahren endlich wieder vergleichsweise ausgelassen geschunkelt, gefeiert und angestoßen werden. Doch als am Morgen von Weiberfastnacht (24. Februar) die Bilder des Ukraine-Konflikts auch die Domstadt erreichten, war vielen nicht mehr wirklich zum Feiern zu Mute. Das sah auch Jungfrau Gerdemie (Dr. Björn Braun) aus dem Kölner Dreigestirn so: „Die Ereignisse der vergangenen Nacht sind natürlich auch an uns nicht spurlos vorbei gegangen“, erklärt er – und ist damit nicht alleine.

Karneval in Köln 2022: Weiberfastnacht trotz Krieg in der Ukraine – Zülpicher Straße brechend voll

Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte sämtliche Auftritte ab; zudem müsse „jeder selbst entscheiden, ob er feiern möchte“. Stadtdirektorin Andrea Blome sprach von einem „sehr seltsamen Tag, der sich nicht richtig anfühlt.“ Und auch die Jecken waren sich teils uneinig, ob in der aktuellen Situation eine ausgelassene Feierei die richtige Entscheidung sei. Keine Frage: Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat bereits an Tag eins einen riesigen Schatten auf die Karnevalssession 2022 in Köln geworfen.

Dazu scheint die Situation, die sich am Vormittag auf der Zülpicher Straße ereignete, nicht so richtig zu passen. Eng an eng feierten im Zülpicher Viertel laut Stadt 25.000 Menschen, 24RHEIN-Reporter berichteten live vor Ort davon, wie Feierwütige Absperrungen überrannten und Menschenmassen bildeten. Bereits gegen 13 Uhr war das beliebte Feier-Areal dicht, Jecke wurden gebeten, auf die Uniwiesen auszuweichen. In der Alt- und Südstadt sowie am Heumarkt hingegen sei es „extrem ruhig“ zugegangen.

Karneval in Köln trotz Krieg: Festkomitee sagt Rosenmontagszug ab – „Gedanken sind in der Ukraine“

Stellt sich die Frage: Wie passen zehntausende, feiernde Menschen und die Bilder aus der Kriegsregion zusammen? Sie müssen es irgendwie, denn eine kurzfristige Absage von Weiberfastnacht hielt Ordnungsamt-Chef Wolfgang Büscher für ausgeschlossen. „Trotz allem gibt es viele, die feiern wollen. Die jungen Menschen brauchen einfach ein Ventil“, erklärte er auf einer Pressekonferenz am Nachmittag.

Dass es die richtige Entscheidung war, trotz aller Umstände zu feiern und dies auch weiterhin zu tun, sehen in Köln aber bei Weitem nicht alle so. Die Veranstalter des Rosenmontagszuges im RheinEnergie-Stadion entschieden sich, die Veranstaltung am 28. Februar abzusagen. „Die Situation in der Ukraine entwickelt sich schnell und dramatisch – das hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf den Karneval. Ein unbeschwertes Feiern ist derzeit nur schwer denkbar, denn unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine“, erklärte das Festkomitee Kölner Karneval in einer Mitteilung.

Karneval Köln 2022: WDR schmeißt TV-Programm wegen Ukraine-Konflikt um – Demo auf dem Neumarkt

Stattdessen wolle man zum eigentlichen Sessions-Höhepunkt am kommenden Montag (28. Februar) ein Zeichen setzen und eine Friedensdemonstration veranstalten. Eine solche gab es an Weiberfastnacht auch bereits auf dem Kölner Neumarkt; mitten in der Stadt traf sich eine größere Menschenmenge, um Solidarität mit der Ukraine zu bekunden. Auch diejenigen, die nicht unmittelbar in der Stadt unterwegs waren und den „Fastelovend“ vor dem Fernseher verfolgen wollten, mussten sich ab 14 Uhr eine andere Beschäftigung suchen: Der WDR schmiss sein Programm kurzfristig um und strich sämtliche Karnevals-Übertragungen.

Das Thema dürfte auch die kommenden Karnevalstage noch deutlich überschatten. Ordnungsamt-Chef Büscher ist sich sicher: „Der Kölner an sich hat ein großartiges Gespür, auch für politische Lagen, da wurde heute Zurückhaltung an den Tag gelegt. Wir können darauf zählen, dass auch in den nächsten Tagen eine Zurückhaltung stattfindet.“ Das scheint angesichts der aktuellen Ereignisse nicht nur eine richtige, sondern auch eine alternativlose Entscheidung. (mo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Dieser Text wird laufend aktualisiert.

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