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„Ist zum Heulen und Kotzen“: Wirte nach Weiberfastnacht stinksauer auf Stadt

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Von: Tanja Kipke

Karneval in Köln: Ein Tag nach der Weiberfastnacht sind einige Personen richtig sauer. Das neue Sicherheitskonzept der Stadt samt Entlastungsflächen ist der Grund.

Köln – „Kölle Alaaf!“ hieß es am Donnerstag in Köln zu Weiberfastnacht wieder. Mehrere Zehntausend Jecken trieb es in die Innenstadt, um den Kölner Karneval zu feiern. Wie jedes Jahr stürmten die jungen Menschen das Kwartier Latäng, die Zülpicher Straße war schon um 11 Uhr dicht. Ein neues Sicherheitskonzept der Stadt lenkte das Menschengetümmel auf die Entlastungsfläche auf der Uniwiese. So wollte man das Karnevals-Chaos vom 11.11. verhindern, was zum Großteil auch gelang. Einige Personen sind jedoch alles andere als begeistert über den Verlauf von Weiberfastnacht: Die Wirte der IG Gastro Kwartier Latäng sind stinksauer auf die Stadt.

Karneval in Köln: Gastro im Kwartier Latäng stinksauer nach Weiberfastnacht

In einem ausführlichen Facebook-Beitrag beklagt Vorstandsvorsitzender Markus Vogt. Das „irrwitzige Sperrkonzept“ der Stadt hätte das Viertel vom Laufpublikum regelrecht abgeschnitten, die Kyffhäuser Straße und andere Nebenlagen seien fast vollständig verwaist gewesen. Auch die Zülpicher Straße sei laut Vogt gegen Nachmittag bereits leer gewesen. Der Grund, so der Gastronom weiter: Das „Grüngürtelfestival“ auf der Uniwiese. „The place to be ist das Festival. Die Kneipen und die Zülpicher Straße interessieren niemand mehr“, schimpft er in dem Beitrag weiter.

Die Zülpicher Straße wurde an Weiberfastnacht bereits um 11 Uhr gesperrt – so wie weitere Teile des Kwartier Latäng.
Die Zülpicher Straße wurde an Weiberfastnacht bereits um 11 Uhr gesperrt – so wie weitere Teile des Kwartier Latäng. © Thomas Banneyer/dpa

Die Stadt habe mit der Bespielung der Entlastungsfläche dafür gesorgt, dass jedes Jahr mehr Menschen anreisen, ins Viertel lasse man durch die Absperrungen aber immer weniger. „Also Belastung für das Veedel und die Wiese deutlich erhöht, Kosten explodieren lassen, aber für uns Wirte weitgehend das Geschäft versaut“, resümiert der Wirt. Er bezeichnet die Party auf der Uniwiese als „Europas größtes Umsonst-und-Draußen Event“. Die Wirte hätten die Stadt davor gewarnt, „aber ein Sesselfurzender Experte aus dem O-Amt weiß das ganz sicher besser!“.

Karneval in Köln: Wirte wollen am 11.11.2023 ihre Kneipen zu lassen

Die Wirte werfen auch einen Ausblick auf die nächste Karnevalssession in Köln. Da der 11.11. im Jahr 2023 auf einen Samstag fällt und viele junge Leute die Party im Grüngürtel gut fanden und daher wiederkommen werden, rechnet der Gastroverein mit noch mehr Menschen. „Dann werden es keine 70.000 sein. Dann werden es 150.000 sein. Mindestens“, so die Prognose. Dann seien die Möglichkeiten für einen „Super-GAU“ einfach zu übel. „Der Auftrag der Stadt war ja eigentlich mal, dafür zu sorgen, dass es nicht weiter ausartet. Das bedeutet nach meinem Verständnis eigentlich nicht, dafür zu sorgen, dass es immer mehr und mehr werden.“

„Die Zeche dieses Irrsinns zahlen nicht nur wir Wirte, auch die Anwohner und alle Kölner, die Ihren Grüngürtel opfern und dieses Gebilde mit Millionen von Steuergeldern finanzieren sollen.“ Als Zeichen des Protests und vor allem, weil es zu gefährlich sein wird, wollen die Wirte am 11.11.2023 sehr viele Kneipen im Party-Viertel zu lassen. „Es ist zum Heulen oder zum Kotzen oder beides“, beendet Vogt den Beitrag.

Gastro Kwartier Lataeng e.V

► Der Verein Gastro Kwartier Lataeng e.V. ist der Verein der Gastronomen im Kwartier Latäng.

► 32 Gastro-Betriebe sind Mitglied im Verein.

► Markus Vogt ist Vorstandsmitglied im Gastro Kwartier Lataeng e.V

Nach Weiberfastnacht: Wirte fordern Lösung für Gastro im Kwartier Latäng

Nicht alle Wirte sehen das so. Andere honorieren das Sicherheitskonzept der Stadt und danken der AWB. Zum Beispiel der Inhaber der Bagatelle Restaurants. Die Stadt habe „vorbildlich und richtig agiert“, schreibt er auf Facebook. Allerdings gibt auch er zu Bedenken, dass dringend eine Lösung für die Gastronomie in der Kyffhäuser Straße hermuss. Hätte er einen Betrieb auf der besagten Straße, würde er „vollends eskalieren“. So wie Vogt und der Gastroverein im Kwartier Latäng es tun. Für die nächste Session steht also noch einiges an Austausch mit der Stadt auf der Agenda. (tkip) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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