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Köln: Festkomitee schießt gegen Lauterbach – „Schade, wie wenig Sie über Karneval wissen“

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Von: Johanna Werning

Auftakt zum Karneval in Köln am 11.11.: junge Frauenen feiern und winkem vor dem Kölner Dom
Nach Lauterbachs Aussage schießt das Festkomitee zurück (Symbolbild) © Ralph Peters/dpa

Das Festkomitee Kölner Karneval schießt in einem offenen Brief gegen Karl Lauterbach und die Pläne zum Sommer-Karneval. Nun reagiert der Gesundheitsminister zur Kritik.

Köln – Der Ton beim Festkomitee Kölner Karneval wird rauer. Das Coronavirus, abgesagte Karnevalssitzungen und der Ausblick auf die Session 2022 hinterlassen Spuren. Nach Kritik gegenüber dem Comitee Düsseldorfer Carneval, trifft es nun Gesundheitsminister Karl Lauterbach – und zwar an Heiligabend. Der Grund? Auch der SPD-Politiker spricht sich für eine Verschiebung des Karneval in den Sommer aus. Für Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn unverständlich. Am 24. Dezember veröffentlicht das Festkomitee Kölner Karneval einen offenen Brief an Lauterbach: Und der hat es in sich.

Kölner Karneval 2022: Festkomitee mit Kritik an Lauterbach – „Schade, wie wenig Sie über Karneval wissen“

Der Vorwurf des Festkomitees: Lauterbach wirft die „Bilder von einer Partymeile am 11.11., die mit Karneval nichts zu tun hat, mit hervorragend ehrenamtlich organisierten Veranstaltungen in der Innenstadt in einen Topf.“

„Es ist schade, wie wenig Sie als Rheinländer über den Karneval wissen“, beginnt der Brief von Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn. „Sonst würden Sie sich nicht öffentlich eine Verlegung der Karnevalsaktivitäten in den Sommer wünschen. Der Karneval ist ein Fest im Jahreskreislauf wie Weihnachten oder Ostern. Niemand würde ernsthaft fordern, alle weihnachtlichen Feiern vom Weihnachtsmarkt über die Christmette bis zu den Treffen im Familienkreis auf den Sommer zu verlegen – selbst in Pandemiezeiten nicht.“

Karneval 2022: Düsseldorf offen für Session-Verschiebung

Während Köln an dem traditionellen Ablauf der Session festhält, sieht es in Düsseldorf anders aus. Bereits im November kündigte das Comitee Düsseldorfer Carneval an, den Rosenmontagszug 2022 in den Mai zu verlegen. Für Köln, Aachen und Bonn ein absolutes No-Go. Und auch der Bund Deutscher Karneval sieht eine Verlegung mehr als kritisch.

Alle Infos zur Session und ob der Kölner Karneval 2022 trotz Corona gefeiert werden kann, im Überblick.

Kölner Karneval: „Brauchtum besteht aus viel mehr als wilden Partys und zügellosem Alkoholkonsum“

Im Verlauf des Briefs geht die Kritik an den Kölner Politiker dann weiter: „Als Abgeordneter aus dem Wahlkreis in Köln und Leverkusen sollte man übrigens auch wissen, dass der rheinische Karneval als immaterielles Kulturgut der Bundesrepublik Deutschland anerkannt ist. Und zwar zu Recht, denn unser Brauchtum besteht eben aus viel mehr als wilden Partys und zügellosem Alkoholkonsum“, so Kuckelkorn weiter. „Ja, beides gibt es auch und beides passt nicht zur Pandemiesituation – das ist völlig unstrittig.“

Mit den Partys am Zülpicher Platz oder auf den Kölner Ringen hat der traditionelle Karneval wenig zu tun, so der Festkomitee-Präsident weiter. Dabei findet Kuckelkorn harte Worte: „Unzählige ehrenamtlich geführte Vereine übernehmen Verantwortung und sagen freiwillig ihre Karnevalssitzungen ab. Wir versuchen dort Orientierung zu geben, wo die Politik es leider versäumt, klare Regeln zu formulieren.“

Zusätzlich gibt der traditionelle Karneval den Menschen Hoffnung und Zuversicht, so der Präsident des Festkomitees. „Schauen Sie mal in die Schulen, die Kitas, die Krankenhäuser, die Altenheime! Dort erleben Sie, wie Menschen den Karneval im Herzen tragen – und gleichzeitig überaus verantwortungsvoll mit der pandemischen Lage umgehen.“

Kölner Karneval 2022: Festkomitee kann Lauterbach-Kritik nicht verstehen

Immerhin hat sich der Karneval in der Session 2021 und in der Session 2022 eigene Impfangebote gestellt, Veranstaltungen eigenständig abgesagt oder Corona-konforme Alternativen geplant, die die Menschen dennoch zusammenbrachten, führt Kuckelkorn weiter. Häufig sei das passiert, „lange BEVOR staatliche Stellen dies vorgeschrieben haben“, betont Kuckelkorn weiter. Darum ist der Ärger über Lauterbachs Aussage nun umso größer:

Der Vorwurf: Lauterbach „ignoriert das Bemühen vieler ehrenamtlich geführter Vereine, auf eigenes Risiko Veranstaltungen in der kommenden Session abzusagen – als seien alle Kölner Karnevalisten unbelehrbare Corona-Leugner“, so Kuckelkorn weiter „Nein, Herr Lauterbach, das sind wir nicht. Wir erwarten lediglich einen respektvollen Umgang mit dem immateriellen Kulturerbe rheinischer Karneval.“

Festkomitee Kölner Karneval: 130 Mitglieder

Dem Festkomitee Kölner Karneval sind etwa 130 Mitgliedsgesellschaften und die Karnevalsveranstalter angeschlossen. So ist eine der wichtigsten Aufgaben die Vertretung der Interessen der Mitglieder.

Kölner Karneval: Offener Brief an Lauterbach – „klare Haltung und Unterstützung statt moralische Appelle“

„Was wir brauchen, sind keine weiteren moralischen Appelle, sondern eine klare Haltung und Unterstützung für die Vereine, Künstler, Saalbetreiber und andere Dienstleister, denen andernfalls durch freiwillige Absagen die Pleite droht.“ Immerhin steht aufgrund der finanziellen Lage nicht nur der „Fortbestand der Vereine“ und das „Kulturgut Karneval“ auf der Kippe, wie Kuckelkorn in seinem offenen Brief erklärt.

„Laut einer Studie der Boston Consulting Group liegt die Wertschöpfung des Karnevals alleine in Köln bei 600 Millionen Euro pro Jahr. Davon erhalten die Karnevalsgesellschaften den kleinsten Anteil, aber ohne die von ihnen veranstalteten Sitzungen, Bälle und Karnevalsumzüge haben auch Hotels und Kneipen, Taxifahrer und Kellner, Friseure und Kostümfachgeschäfte keinen Umsatz im Karneval“, führt der Festkomitee-Präsident weiter.

Karneval 2022: Lauterbach äußert sich zu Vorwürfen vom Festkomitee

Nachdem das Festkomitee an Heiligabend mit dem öffentlichen Brief gegen Karl Lauterbach schießt, reagiert der Gesundheitsminister am ersten Weihnachtsfeiertag (25. Dezember). So erwidert Karl Lauterbach: „Auch mir ist der Karneval in Köln sehr wichtig. Besonders das Leben der Feiernden.“ Im Tweet heißt es weiter: „Die Vereine müssen planen können. Wir erwarten eine so massive Omicron Welle, dass der Karneval unter den geplanten 2G Bedingungen wahrscheinlich nicht sicher genug ist“, so Lauterbach.

Karneval 2022 trotz Corona: Festkomitee fordert gemeinsames Gespräch mit Lauterbach

Bei der Kritik soll es jedoch nicht bleiben. Mit einem kleinen Seitenhieb wünscht sich das Festkomitee künftig eine bessere Zusammenarbeit und lädt zum gemeinsamen Gespräch ins Kölner Karnevalsmuseum ein: „Kommen Sie aus dem Talkshow-Modus heraus und agieren Sie wie ein Minister! Der Karneval ist bereit, Verantwortung zu tragen. Helfen Sie uns dabei!“ Immerhin ist das Thema Karneval im zweiten Jahr der Pandemie „für viele Menschen sprichwörtlich zu einer ernsten Sache geworden“, so Kuckelkorn abschließend. (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln und NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 25. Dezember um 14:24 Uhr inhaltlich ergänzt und aktualisiert. Neuerung: Reaktion von Karl Lauterbach über Twitter.

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