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Weiberfastnacht 2023: Neues Sicherheitskonzept „zieht Leute noch mehr an“

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Von: Johanna Werning

Das Sicherheitskonzept für Weiberfastnacht soll den Karneval sicherer machen. Doch Gastronomen aus Köln befürchten das Gegenteil – vor allem langfristig.

Köln – Weiberfastnacht steht vor der Tür, in fünf Wochen ist es so weit. Doch nicht überall freut man sich auf den Kölner Karneval. Rund um die Zülpicher Straße im sogenannten Kwartier Latäng schaut man mit Sorge auf den Kölner Karneval 2023 – vor allem seitdem die ersten Details zum überarbeiteten Sicherheitskonzept der Stadt durchgesickert sind.

Menschenmassen im Quartier Latäng beim Auftakt des Kölner Karnevals auf der Zülpicher Straße.
Aufgrund des neuen Sicherheitskonzeptes der Stadt drohen noch mehr Feierwütige in Köln, so ein Kölner Gastronom (Archivbild) © Christoph Hardt/Imago

Kölner Karneval 2023: Sicherheitskonzept an Weiberfastnacht „ist ein Skandal“

„Das ist ein Skandal“, sagt Markus Vogt, Gastronom und Vorstand beim Gastro Kwartier Latäng e.V.. Obwohl die Mehrheit der Anwohner und Gastronomen im Veedel sowie Bezirksbürgermeister und BUND gegen eine Nutzung des Inneren Grüngürtels sind, wird wohl dennoch der Bereich zwischen Bachemer Straße und Luxemburger Straße genutzt. Und damit nicht genug: Der Bereich soll an Weiberfastnacht sogar mit Musik bespielt und Getränkeständen ausgestattet werden – allerdings nicht als Veranstaltung, sondern als Ausweichfläche.

Der Bereich kommt somit zum Einsatz, wenn die Zülpicher Straße und das Kwartier Latäng zu voll sind. Außerdem betonte die Stadt auch in der Vergangenheit immer wieder, dass es somit keine Veranstaltung sei, sondern eine Maßnahme, um für „Sicherheit und Ordnung zu sorgen“.

Gastro Kwartier Lataeng e.V

► Der Verein Gastro Kwartier Lataeng e.V. ist der Verein der Gastronomen im Kwartier Latäng.

► 32 Gastro-Betriebe sind Mitglied im Verein.

► Markus Vogt ist Vorstandsmitglied im Gastro Kwartier Lataeng e.V

Weiberfastnacht 2023: Neues Sicherheitskonzept „zieht Leute noch mehr an“

35.000 Quadratmeter zwischen Bachemer Straße und Luxemburger Straße sollen wohl mit Schutzmatten abgedeckt werden, damit das Landschaftsschutzgebiet Grüngürtel nicht wieder zugemüllt und zerstört wird. Das entspricht einer Fläche von fünf Fußballfeldern. Der Rest soll abgesperrt werden. Rund 60.000 Jecken könnten hier an Weiberfastnacht Platz finden. „Das wird für Weiberfastnacht wahrscheinlich reichen“, doch dadurch entsteht laut Vogt ein viel größeres Problem.

„Dieses Sicherheitskonzept wird dafür sorgen, dass der Zustrom multipliziert wird. Das nimmt die Stadt einfach in Kauf“, ist sich der Kölner sicher. „Gerade, wenn sich rumspricht, dass es in Köln ein großes Festival veranstaltet wird, zieht das die Leute noch mehr an.“ Seine Befürchtung: „Spätestens am 11.11. reicht es nicht mehr, dann sind wieder doppelt so viele Leute da. Da werden wir überrannt. Das nimmt die Stadt einfach in Kauf.“

Vogt gehe davon aus, dass allein am 11.11. Hunderttausende zum Feiern kommen, in den Folgejahren könnten die Besucherströme noch weiter zunehmen. „Wenn die Stadt das nicht realisiert, dann wird das zur Katastrophe. Das ist spätestens der Punkt, wo ich meine Läden schließe und meine Familie für zwei Tage in Sicherheit bringe.“

Weiberfastnacht in Köln: „Saufmeile statt Karneval“ – gibt es eine Lösung?

Besonders frustrierend für den Vorsitzenden beim Verein Gastro Kwartier Latäng: Immer wieder wurden Ideen und Konzepte vorgeschlagen. „Die werden aber von der Verwaltung alle ausgeschlagen.“ Begründungen dafür gäbe es aber nicht immer, so der Gastronom weiter.

Und auch für Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) ist klar, dass Köln nur noch mit einer Imagekampagne die „Ballermannisierung des Grüngürtels und des Kwartier Latängs“ aufhalten. „Das ist eine Saufmeile, das hat ja nichts mehr mit Karneval zu tun.“ (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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