Kölle Alaaf

Kölner Karneval: Ein großes rheinisches Volksfest mit langer Tradition

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Jubelnde Jecke am 11.11. auf dem Heumarkt in Köln: Das Foto entstand beim Karnevalsauftakt 2018.

Der Kölner Karneval ist eine feste Institution im Rheinland. Der Rosenmontagszug ist dabei der unumstrittene Höhepunkt des Straßenkarnevals

  • Der Kölner Karneval ist ein mehrtägiges Volksfest – es beginnt am Donnerstag („Weiberfastnacht“) und endet am Aschermittwoch
  • Der Rosenmontagszug ist die größte und wichtigste Veranstaltung des Kölner Karnevals
  • Das Kölsche Dreigestirn spielt eine wichtige Rolle im Kölner Karneval

Köln – Am 24. Februar 2020 nahmen mehrere Hunderttausend Narren am Kölner Rosenmontagszug teil. Trotz widriger Witterungsverhältnisse war die Stimmung, wie immer beim Kölner Karneval, hervorragend. Gemeinsam mit dem Zugleiter Alexander Dieper bejubelten Karnevalsfans das Kölner Dreigestirn und 78 närrische Gruppen und 87 Wagen. Insgesamt präsentierten sich neben Prinz, Bauer und Jungfrau weitere 12.000 Teilnehmer.

Kölner Karneval: Die Anfänge der beeindruckenden Geschichte

Der Kölner Karneval hat, wie andere Volksfeste, sowohl einen christlichen als auch einen heidnischen Ursprung: An den Vortagen der österlichen Fastenzeit feierten die Menschen im Mittelalter ein ausschweifendes Fest, aus diesem Brauch leitet sich die Bezeichnung „Fastnacht“ ab. Noch älter ist die Tradition, im Vorfrühling mit Umzügen und Ähnlichem den Winter beziehungsweise dessen böse Geister auszutreiben. Zu beiden Anlässen kostümierten sich Männer und Frauen, indem sie Masken, ausgefallene Kleidung oder Tierfelle trugen. Selbstverständlich wurden von Anfang an Späße aller Art betrieben, viel Alkohol konsumiert, getanzt und geflirtet. Die ältesten erhaltenen schriftlichen Dokumente aus dem Jahre 1220 belegen die Geschichte des Kölner Karnevals und zeigen, wie fröhlich es damals zuging. Exzesse gehörten von Beginn an zu diesem Fest und führten im späten Mittelalter zu verschiedenen Bemühungen der Obrigkeit, das tolle Treiben zu begrenzen. Überliefert ist in diesem Zusammenhang beispielsweise die 1441 vorgenommene Bestrafung eines Gastwirtes für die Aufführung einer karnevalistischen Kirchenkomödie in seinem Lokal.

Kölner Karneval: Alle Jahre wieder – mit Ausnahmen

Unter französischer Besatzung, die von 1794 bis 1814 dauerte, wurden die karnevalistischen Aktivitäten stark beschränkt: Der Straßenkarneval fand nicht mehr statt, das Bürgertum feierte jedoch Maskenbälle in der Vor-Fastenzeit. 1823 erfolgte die Gründung des Festordnenden Comites und damit des ersten Kölner Festkomitees. Dessen Hauptaufgaben besteht bis heute in der Organisation des Rosenmontagszugs. Darüber hinaus veranstaltet das Komitee während der närrischen Zeit zahlreiche Maskenbälle und Sessions-Sitzungen.

Wie andere Volksfeste fiel auch der Kölner Karneval in schweren Krisenzeiten aus. Unter anderem mussten die Narren in diesen Jahren auf Dreigestirn, Rosenmontagsumzug und andere karnevalistische Vergnügungen verzichten:

  • 1871 wegen des Deutsch-französischen Krieges
  • von 1915 bis 1926 aufgrund des Ersten Weltkrieges und der darauffolgenden Besetzung des Rheinlands durch Frankreich
  • 1931 und 1932 als Folge der Weltwirtschaftskrise
  • 1940 bis 1948 wegen des Zweiten Weltkrieges und des Karnevalverbots durch die alliierte Militärregierung in der Nachkriegszeit

Auch in jüngerer Vergangenheit wurde der Rosenmontagszug abgesagt, beispielsweise 1991 wegen des Golfkriegs.

Kölner Karneval: Ablauf und Programm

Der Kölner Karneval ist ein aufwendig organisiertes Volksfest, das Jahr für Jahr einer im Wesentlich stets gleichbleibenden Choreografie folgt. Der 11. November des Vorjahres, der Martinstag, stellt den offiziellen Beginn der närrischen Saison beziehungsweise der „fünften Jahreszeit“ dar. Traditionell findet die Sessions-Eröffnung auf dem Heumarkt mitten in der Kölner Altstadt statt. Hier spielen bekannte Kölner Bands, verkleidete Narren begrüßen singend, tanzend, jubelnd und schunkelnd den Karneval. Auch das designierte Dreigestirn präsentiert sich dem begeisterten Volk.

In der Zeit zwischen der Sessions-Eröffnung und dem Straßenkarneval laufen die Vorbereitungen für den Rosenmontagszug und die anderen Karnevalsveranstaltungen auf Hochtouren. Am Donnerstag vor Rosenmontag, der Weiberfastnacht, beginnt dann die Hochphase des Kölner Straßenkarnevals. Dieser Tag beginnt mit dem Bellejeck, der mit seinem Gefolge am Morgen das Kölner Dreigestirn mit viel Geklingel weckt. Auch bei diesem Ereignis erfolgt der offizielle Startschuss um 11.11 Uhr. Die große Eröffnungsveranstaltung wird seit vielen Jahren auf dem Alter Markt durchgeführt. Darüber hinaus feiern viele Vereine und Orden den Beginn des Straßenkarnevals in ausgelassenen Veranstaltungen. Auch im privaten Rahmen finden zahlreiche Partys statt. Am nächsten Tag, dem Karnevalsfreitag, marschieren die Kölner Veedelsvereine (Stadtbezirke) in der Kölner Innenstadt auf. Außerdem finden viele Sitzungen statt.

Kölner Karneval: Höhepunkte und Ende - Weiberfastnacht, Rosenmontagszug, Aschermittwoch

Am Karnevalssamstag und -sonntag ziehen mehrere Züge durch die Innenstadt, Faschingspartys und Sessions-Sitzungen bieten unzählige Gelegenheiten zum Feiern. Am Rosenmontag schließen im Rahmen des Kölner Karnevals alle Geschäfte spätestens zur Mittagszeit. Regelmäßig versammeln sich mehrere Hunderttausend Menschen in der Kölner Innenstadt, um den riesigen Rosenmontagszug zu sehen. Er ist der größte Karnevalsumzug Deutschlands und wurde im Jahre 1823 zum ersten Mal durchgeführt. Der Zug führt über eine Strecke von knapp acht Kilometern vom Chlodwigplatz durch die Kölner Innenstadt am Kölner Dom vorbei und endet in der Mohrenstraße. Am Karnevalsdienstag klingt die närrische Zeit mit kleineren Umzügen in verschiedenen Kölner Stadtteilen („Veedelszüge“) aus. Genau um Mitternacht verbrennen Narren vor den Kneipen den Nubbel, eine Strohpuppe, und mit ihr alle Sünden, die die Jecken während der Faschingszeit begangen haben. Schließlich beendet der Aschermittwoch endgültig die Faschingszeit. Die Mitglieder vieler Orden und Vereine treffen sich ein letztes Mal, um sich beim Fischessen auszutauschen.

Kölner Karneval: Lokale Besonderheiten

Der Kölner Karneval weist spezielle Ausdrücke, Gebräuche und andere Gepflogenheiten auf, die dieses Volksfest von den Faschingsveranstaltungen in den konkurrierenden Karnevalshochburgen, insbesondere Düsseldorf und Mainz, unterscheiden. So heißt der Karneval in Kölner Mundart „Fastelovend“ oder „Fasteleer“. Als Festruf und Gruß während der närrischen Zeit verwenden die Bürger und Gäste der Dom-Metropole das international bekannte „Kölle Alaaf“. Der auf einen alten Trinkspruch zurückgehende Ausdruck ist bereits seit 1823 üblich. Sowohl beim Rosenmontagszug als auch bei anderen vom Festkomitee oder Vereinen beziehungsweise Orden organisierten Karnevalsveranstaltungen verteilen Einheimische und Besucher gerne „Bützchen“: Küsschen mit gespitzten Lippen, die sympathische Menschen bekommen. Ob originell verkleidete Jecken, Amtsinhaber wie Polizisten oder Feuerwehrleute, während des Kölner Karnevals dürfen alle geküsst werden. Auch die zahlreichen, sehr beliebten Kölner Karnevalsbands tragen zur ausgezeichneten Stimmung bei. Zu den bekanntesten Musikgruppen gehören unter anderem:

  • Bläck Fööss („Drink doch eine met“)
  • Brings („Superjeile Zick“)
  • Cat Ballou („Et jitt kein Wood“)
  • de Höhner um die Kölner Musik-Legende Henning Krautmacher („Viva Colonia“)
  • Kasalla („Stadt met K“)
  • Die Paveier („Leev Marie“)
  • Querbeat („Nie mehr Fastelovend“)

Kölner Karneval: Das Dreigestirn als Urgestein des Volksfests

Heute ist der Kölner Karneval ohne Dreigestirn, auch Trifolium genannt, nicht vorstellbar. Es bildet seit 1870 einen festen Bestandteil des Volksfestes, die Bezeichnung als „Dreigestirn“ ist jedoch erst seit 1938 üblich. Das Dreigestirn besteht aus diesen drei Personen:

  • Prinz Karneval (Anrede „Seine Tollheit“)
  • Kölner Bauer (Anrede „Seine Deftigkeit“)
  • Kölner Jungfrau (Anrede „Ihre Lieblichkeit“)


Bei diesen Protagonisten handelt es sich ausschließlich um Männer. Die obersten Repräsentanten des Kölner Karnevals werden jedes Jahr neu gewählt. Dabei wird das Trifolium von den Karnevalsgesellschaften ausgewählt, die im Festkomitee Kölner Karneval organisiert sind. Die entsprechende Proklamation erfolgt stets Anfang Januar durch den amtierenden Kölner Bürgermeister. Selbstverständlich nimmt das Dreigestirn an allen wichtigen Veranstaltungen des Kölner Karnevals teil. Insgesamt absolvieren Prinz Karneval, Bauer und Jungfrau rund 400 Auftritte während der närrischen Zeit.

Kölner Karneval: Die Funktion der Festkomitees Kölner Karneval von 1823

Dieses Komitee führt wichtige Veranstaltungen des Kölner Karnevals durch. Dazu gehören:

  • der Rosenmontagszug
  • die Auswahl des Dreigestirns
  • verschiedene Fernsehsendungen


Im Festkomitee sind als Dachverband über einhundert Vereine und Orden organisiert. Es arbeitet gemeinsam mit öffentlichen Institutionen wie Polizei, Feuerwehr, Stadtverwaltung ein Konzept für die Durchführung des Straßenkarnevals aus. Darüber hinaus pflegt das Komitee das Brauchtum des Kölner Karnevals und fördert den Nachwuchs. Das Festkomitee Kölner Karnevals hat sich elf Leitsätze gegeben, an denen seine Mitglieder sich bei ihren Aktivitäten orientieren. Unter anderem postulieren diese Grundsätze einen toleranten, integrativen und sozial verantwortlichen Umgang und finanzielle Solidität. Außerdem ist in den Leitsätzen festgelegt, dass der Kölner Karneval von seinen Mitgliedern ehrenamtlich betrieben werden soll.

Kölner Karneval: Die Corona-Auswirkungen

Nur wenige Tage nach Aschermittwoch 2020 machte die einsetzende Corona-Pandemie dem närrischen Treiben fürs restliche Jahr und darüber hinaus den Garaus. Alle großen Veranstaltungen des Kölner Karnevals, vom Sessions-Auftakt am 11.11.2020 bis hin zum Rosenmontagsumzugn 2021, sind abgesagt, um die Infektionsgefahr zu begrenzen. Die Amtszeit des Dreigestirns für die Session 2021, Prinz Sven I. (Sven Oleff), Bauer Gereon (Gereon Glasmacher) und Jungfrau Gerdemie (Dr. Björn Braun) vom Traditionskorps Altstädter Köln wurde auf 2022 ausgeweitet. Noch hoffen viele Kölner Jecken, dass die künftige Infektionslage wenigstens kleine Feiern im privaten Rahmen zulassen wird.

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