1. 24RHEIN
  2. Köln
  3. Karneval

Keine Rettung für marodes Denkmal in Köln?: Karnevalsgesellschaft zieht sich zurück – und kritisiert Stadt

Erstellt:

Von: Johanna Werning

Ein Screenshot vom Fort X bei Google Maps und ein Foto der Nippeser Bürgerwehr.
Das Fort X in Köln wird nun doch nicht von der Nippeser Bürgerwehr gerettet (IDZRW-Montage) ©  Screenshot Google Maps & Manngold/Imago

Die Kölner Karnevalsgesellschaft Nippeser Bürgerwehr legt ihre Pläne für die Rettung des denkmalgeschützten Gebäudes Fort X in Köln zu den Akten. 

Köln – Die Pläne waren groß: Die Nippeser Bürgerwehr wollte das Fort X in der Neustadt-Nord sanieren und dann als eigenen Karnevalshochburg und kulturellen Treffpunkt für die Menschen im Veedel etablieren. Immerhin machen es die Kölner Gesellschaften wie die Prinzen-Garde, die Ehren-Garde oder die Roten Funken bereits vor. Die Traditionskorps haben seit geraumer Zeit ihre Heimat in einem denkmalgeschützten Gebäude in Köln. Doch mit dem Plan der Appelsine-Funken ist es jetzt vorbei. „Für uns als ehrenamtlich tätige Karnevalisten ist das inzwischen jahrelange Hin und Her rund um das FORT X nicht länger leistbar“, erklärt Michael Gerhold, Präsident der Nippeser Bürgerwehr, Ende Mai.

Fort X: Die militärische Befestigungsanlage in der Kölner Neustadt Nord

Das Fort X (Neusser Wall 33, 50670 Köln) ist eine militärische Befestigungsanlage in der Kölner Neustadt Nord. Die Anlage wurde zwischen 1819 und 1825 gebaut – als eine von ursprünglich elf auf dem inneren Gürtel angelegten Forts. Allerdings wurden nur fünf Forts tatsächlich gebaut.

Doch keine Rettung für marodes Denkmal in Köln: Fort X-Aus für Nippeser Bürgerwehr

Das Vorhaben zur Sanierung wurde nun zu den Akten gelegt, sagt das Traditionskorps des Kölner Karnevals. „Wir hatten ein tragfähiges Konzept zur aufwendigen Sanierung und späteren Nutzung des historischen Gebäudes. Die meisten Beteiligten finden das auch gut, gerade weil wir ein umfassendes Ideenpapier, das die Interessen von Anwohnern und Bestandsmietern berücksichtigt, vorgelegt haben“, sagt Gerhold. 

Aber warum wurde das Projekt dann beendet, bevor es überhaupt losging? Es seien immer wieder Steine in den Weg gelegt worden, betont die Nippeser Bürgerwehr. Dadurch sei die Planung ins Stocken geraten und der Gebäudekomplex im Bezirk Köln-Innenstadt weiter zerfallen.

„Schon 2020 wurde eine akute Gefährdung der Verkehrssicherheit behördlich festgestellt“, erklärt der Präsident der Nippeser Bürgerwehr. „Seitdem ist nichts passiert, um den Verfall auch nur aufzuhalten. So wird eine Sanierung – egal für welchen Nutzer – immer kostspieliger.“

Kölner Karneval: Fort X-Aus für Nippeser Bürgerwehr – Stadt-Entscheidung ist „doppelt unverständlich“

Kritik gibt es dabei vor allem für die Stadt Köln, wie der Appelsine Funken-Präsident erklärt: „Die Stadt Köln hat öffentlich deutlich gemacht, dass sie sich außer Stande sieht, die Kosten für die Sanierung und dauerhafte Erhaltung zu stemmen. Da ist es doppelt unverständlich, dass ein fertiges tragfähiges Konzept für eine kulturelle Nutzung nicht deutlicher unterstützt wird.“

„Ein Blick auf andere Gebäude, die Kölner Karnevalsvereine in Erbpacht übernommen haben, zeigt, wie pfleglich und Denkmalschutz-orientiert eine solche Nutzung in der Praxis aussehen könnte“, betont Gerhold. Erst vor wenigen Wochen wurde zum Beispiel der Sachsenturm-Ausbau der Blauen Funken im Stadtrat beschlossen.

Umso trauriger sei es, dass das Fort X von dem Traditionskorps nicht gerettet werden könne. „Wir sind ja kein Wirtschaftsunternehmen, sondern Kölner Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren.“ Die Stadt müsse sich darum nun eine andere Lösung für das baufällige Gebäude suchen. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant