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Einreise-Verbot für Auswärts-Jecken? „Man muss die Stadt einfach abschließen“

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Von: Johanna Werning

Die Zülpicher wird an Karneval geradezu überrannt. „Die kommen aus ganz Deutschland – und die kriegt man nicht gehändelt.“ Ein Vorschlag: Eine abgetrennte Feiermeile.

Köln – Die Zülpicher Straße in Köln ist weit über die Stadtgrenzen als Party-Hotspot bekannt. Vor allem rund um den Kölner Karneval zieht das sogenannte Kwartier Latäng Zehntausende Feiernde an – mit schlimmen Folgen: Am 11.11. wurden Bauzäune überrannt, Wohnstraßen verschmutzt und die Uniwiese komplett zugemüllt. „Der Karneval in Köln ist ein Publikumsmagnet. Es kommen viele, viele Leute nach Köln. Das wird zunehmend zu einem Problem“, sagt Hans Kölschbach, Präsident bei den Altstädtern Köln beim letzten „Loss mer schwade“.

An der Zülpicher Strasse feiern zahlreiche Karnevalisten ausgelassen den Beginn der Karnevalssaison.
Die Zülpicher Straße wird an Karneval geradezu überrannt (Symbolbild) © Thomas Banneyer/dpa

Kölner Karneval 2023: „Massen aus ganz Deutschland – und die kriegt man nicht gehändelt“

Ähnlich sieht es auch Till Quitmann, Künstler und Moderator in Köln. „Wenn man die Leute aus München, aus Hamburg und aus Kiel hierhin holt, darf man sich dann auch nicht beschweren, wenn die Leute da sind.“ Das Problem dabei: „Ich glaube, dass der Karneval ein paar Jahre auf Mallorca gesetzt hat.“ Und genau das fällt der Stadt nun auf die Füße. Denn der Kölner Karneval als Brauchtum steht für die „Auswärts-Jecken“ längst im Hintergrund, so der „Klappstuhl“-Künstler weiter.

„Das sind Massen. Die kommen aus ganz Deutschland – und die kriegt man nicht gehändelt. Die hören auch gar keine Karnevalsmusik, die hören Techno. Das ist denen scheißegal, was da passiert“, so Quitmann weiter. Auch Erry Stoklosa, Ex-Musiker bei den Bläck Fööss, sagt: „Wir haben ein ernsthaftes Problem.“ Er sieht bei der Entwicklung rund um die Zülpicher Straße „ein insgesamt gesellschaftliches Problem. Das hat mit Köln und Fastelovend nichts mehr zu tun – null.“

Einreise-Verbot für Auswärts-Jecken? „Man muss die Stadt einfach abschließen“

Aber was kann man dagegen unternehmen? „Man kann die Stadt ja nicht abschließen und sagen, ihr kommt aus Bergheim oder aus Bonn nicht mehr nach Köln rein an dem Tag“, so Altstädter-Chef Kölschbach. Doch genau das fordert Künstler Quitmann – zumindest teilweise. „Man muss die Stadt einfach abschließen“, sagt er ganz klar. „Es ist ja nicht so, als wäre das Phänomen einfach da. Das gibt es in anderen Städten auch. In München gibt es ja auch Leute, die zum Saufen kommen und mit dem Oktoberfest nichts zu tun haben.“

Zwar könne man kein Einreise-Verbot für Köln umsetzen, allerdings müsse man die Feierwütigen besser unter Kontrolle haben, so Quitmann. Seine Idee: Ein bestimmter Bereich – wie zum Beispiel zwischen Zülpicher Platz und Chlodwigplatz – wird zur festen Feiermeile mit Ständen und Bühnen. So könne man die Partybesucher lenken und dafür sorgen, „dass sie an einem Ort bleiben und nicht von links nach rechts und von oben nach unten hüpfen.“

Chaos an Weiberfastnacht verhindern: Stadt überarbeitet Sicherheitskonzept

Ob das jedoch rechtlich und logistisch umsetzbar ist, ist fraglich. Klar ist, es muss eine Lösung her, damit sich das Karnevalschaos vom 11.11. nicht wiederholt. Die Stadt Köln hat dafür das Sicherheitskonzept rund um die Zülpicher Straße überarbeitet. Wie jedoch der Anreisestrom von außerhalb minimiert werden kann, ist nicht klar. (jw) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in Köln, NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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