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Kritik an Sicherheitskonzept für Karneval: „So enttäuscht war ich noch nie“

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Von: Johanna Werning

Also doch: Der Grüngürtel soll als Ausweichfläche im Kölner Karneval genutzt werden. Für Bezirksbürgermeister Hupke und den BUND unverständlich.

Köln – Das überarbeitete Sicherheitskonzept für den Karneval in Köln wurde noch nicht offiziell vorgestellt und schon jetzt gibt es enorme Kritik an den Maßnahmen der Stadt. „Ich bin so was von abgrundtief enttäuscht“, sagt Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) im Interview mit 24RHEIN. Für ihn sind die Überarbeitungen der Verwaltung „einfallslos und katastrophal“. Der Grund: Erste Details zum Sicherheitskonzept sind durchgesickert und in denen heißt es, dass der Grüngürtel als Ausweichfläche an Weiberfastnacht genutzt werden soll – samt Getränkeständen und DJ-Bespielung.

Erste Details zum Sicherheitskonzept durchgesickert: Die Änderungen

► Nutzung der Uniwiese: Der Bereich zwischen Bachemer Straße und Luxemburger Straße soll als Ausweichfläche genutzt werden. Allerdings soll der Grüngürtel mit Abdeckungen und Absperrungen geschützt werden. Für Weiberfastnacht soll es auch DJ-Pult und Getränkestände geben.

► Neue Eingangssituation: Neben dem Eingang an der Uniwiese soll es nun auch einen zweiten Eingang an der Roonstraße geben. Dadurch sollen die Besucher besser gelenkt werden können.

► Erweitertes Glasverbot: Das Glasverbot soll weiter ausgebaut werden. Wie genau, ist jedoch noch nicht klar. Denkbar: Ein freiwilliges Glasverbot in einem größeren Bereich rund um das sogenannte Kwartier Latäng. Rechtlich ist die Umsetzung eines kompletten Glasverbotes nämlich nicht möglich.

► Kontrollen der Sicherheitskräfte: Nach Bestechungs- und Betrugsvorwürfen einzelner Sicherheitskräfte will die Stadt außerdem an den Tollen Tagen mit eigenen Kräften die Sicherheitskräfte kontrollieren.

► Weitere Maßnahmen: Das KVB-Konzept, das Anwohnerschutzkonzept, die Respektkampagne und die Straßensperrungen sollen außerdem angepasst werden.

Hinweis: Es handelt sich noch nicht um das endgültige Schutzkonzept der Stadt. Anpassungen und Änderungen sind daher möglich.

Grüngürtel als Lösung für den Kölner Karneval 2023: „Das schockt mich“

Menschenmassen feiern im Kwartier Latäng nahe der Zülpicher Straße im Grüngürtel den Sessionsauftakt im Kölner Karneval 2023.
Trotz Protest soll der Grüngürtel auch beim Kölner Karneval als Ausweichfläche genutzt werden (Archivbild) © Christoph Hardt/Imago

Dabei protestieren Anwohner, Naturschützer und auch Bezirksbürgermeister seit Monaten, dass der beliebte Innenstadt-Park nicht für den Kölner Karneval gebraucht, zugemüllt und zerstört wird – vor allem, weil der Grüngürtel ein Landschaftsschutzgebiet ist. Partys und Veranstaltungen sind somit verboten und nur per Ausnahmegenehmigung erlaubt, sagt Dr. Helmut Röscheisen, Vorstand im BUND Köln, gegenüber 24RHEIN. „So, wie das Konzept jetzt vorliegt, ist es nicht tauglich.“ Darum spreche die Stadt immer nur von Ausweichfläche, obwohl es letztlich doch einfach eine Veranstaltung sei, so Röscheisen weiter.

Ähnlich sieht es auch Bezirksbürgermeister Hupke: „Das ist ein plumper Versuch, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Das ist ein plumper Trick.“ Er ist sich sicher: „Der Grüngürtel zählt bei der Verwaltung gar nicht mehr. Dabei müsste das bisschen Grün, was wir in der Innenstadt haben, eigentlich heilig sein.“ Sonst hätte man eine andere für das Karnevals-Chaos gefunden, so der Bezirksbürgermeister weiter. „Wie hier mit dem höchsten öffentlichen Gut umgegangen wird, das schockt mich.“

Grüngürtel als Ausweichfläche an Weiberfastnacht: Gibt es noch andere Vorschläge?

Immerhin wurde der letzte Karnevalsmüll erst in der ersten Januarwoche beseitigt. Damit in fünf Wochen nicht wieder Tonnen von Müll im Grüngürtel landen, plant die Stadt besondere Maßnahmen: Der komplette Bereich zwischen Bachemer Straße und Luxemburger Straße soll mit Schutzmatten abgedeckt und teilweise mit Zäunen abgesperrt werden. Wie genau das aussehen soll und wie teuer das ist, teilt die Stadt nicht mit. Auf Nachfrage von 24RHEIN heißt es lediglich: „Die Rückmeldungen des Runden Tisches Karneval fließen in die Finalisierung des Konzeptes ein. Dieses wird dem Hauptausschuss des Rates der Stadt Köln, Montag, 16. Januar 2023, zur Kenntnis vorgelegt.“

Dort soll dann entschieden werden, wie genau der Kölner Karneval 2023 ablaufen soll und ob das Sicherheitskonzept umgesetzt wird. Das Problem dabei: Viel Zeit für Alternativen bleibt nicht mehr. Immerhin findet Weiberfastnacht am 16. Februar statt und ist somit bereits in wenigen Wochen.

Grüngürtel als Lösung für den Kölner Karneval 2023: Hupke dagegen – „werde kämpfen“

Das Grüngürtel-Schicksal will Hupke so schnell dennoch nicht akzeptieren. „Ich bin erschüttert bis in die Knochen. So enttäuscht war ich noch nie, aber ich werde kämpfen und nicht aufhören. Mein Auftrag ist es, die Natur zu schützen – dafür wurde ich gewählt.“ Für ihn ist klar, nur mit einer Imagekampagne kann man die „Ballermannisierung des Grüngürtels und des Kwartier Latängs“ aufhalten. „Das ist eine Saufmeile, das hat ja nichts mehr mit Karneval zu tun.“

Und auch der BUND kündigt weitere Schritte an, falls die Stadtverwaltung tatsächlich den Grüngürtel als Ausweichfläche nutzen möchte. Der Plan: „Wir überlegen dann, die Bezirksregierung Köln als höhere Naturschutzbehörde einzuschalten“, erklärt Röscheisen. Diese könne dann als übergeordnete Behörde der Stadtverwaltung ein Veto für den Grüngürtel geben. (jw) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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