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Uniwiese soll nicht zur Karnevalsfläche werden – „Wir haben genug“

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Von: Johanna Werning

Wie soll der Kölner Karneval 2023 gefeiert werden, damit es sicher ist? Eine Lösung wurde noch nicht gefunden. Für das Ordnungsamt gibt es Kritik.

Köln – Die Gemüter sind erhitzt. In acht Wochen herrscht in Köln wieder der Ausnahmezustand. Dann wird in der gesamten Stadt der Kölner Karneval gefeiert. Doch nicht immer geht es gesittet zu, vor allem die Anwohner rund um die Zülpicher Straße – im sogenannten Kwartier Latäng – befürchten wieder unschöne Szenen wie am 11.11. Zehntausende strömten zur Sessionseröffnung in das Veedel. Die Folge: Überfüllung, Tonnen an Müll und eine extreme Verschmutzung des Grüngürtels.

Polizeibeamte haben den Zugang zur Zülpicher Straße wegen Überfüllung abgeriegelt.
In acht Wochen wird wieder groß der Kölner Karneval gefeiert. Doch neue Sicherheitslösungen gibt es noch nicht (Archivbild) © Thomas Banneyer/dpa

Nach Chaos am 11.11.: Anwohner sind sauer auf Ordnungsamt

Vor allem für das Ordnungsamt gibt es seitdem von den Anwohnern viel Kritik. Der Vorwurf: Das Sicherheitskonzept der Stadt Köln habe nicht funktioniert, das Ordnungsamt nicht gut genug gearbeitet. Eine Katastrophe am 11.11. konnte nur durch das Eingreifen der Polizei verhindert werden, sagen mehrere Anwohner unter anderem beim Veedelsbeirat.

Veedelsbeirat im Kwartier Latäng: Sitzung am 20. Dezember

► Der Veedelsbeirat „Kwartier Latäng“ trifft sich mehrmals im Jahr und diskutiert über aktuelle Themen, die den Stadtteil beschäftigen.

► Bezirksbürgermeister Andreas Hupke organisert die Veranstaltung und ist Sitzungsleiter.

►Bei dem Veedelsbeirat am 20. Dezember nahmen neben mehreren Anwohnern, auch Vertreterinnen und Vertreter des Ordnugnsamtes, der Politik, der AWB und verschiedener Bürgerbeteiligungen teil.

„Wir haben das Ordnungsamt vorab gewarnt – mehrfach. Reagiert wurde trotzdem nicht“, beschwert sich eine Anwohnerin. „Ich sehe das Ordnungsamt nicht, wenn was los ist und es eskaliert. Da ist das Ordnungsamt nicht da“, erzählt die Kölnerin in einem emotionalen Wortbeirat.

„Der Bereich Zülpicher Straße ist für so eine Masse einfach nicht ausgelegt“, sagt ein weiterer Anwohner. „Wenn wir mit dem Konzept die nächsten Jahre so weiter machen, werden wir uns irgendwann vor Gericht wiedersehen, weil jemand schwer verletzt worden ist oder sogar zu Tode gekommen ist. Wenn es keinen Veranstalter gibt, muss man halt einfach klar sagen, dass es dann auch keine Veranstaltung geben darf.“

Die Stadt will das Sicherheitskonzept ebenfalls überarbeiten. Daran wird aktuell gearbeitet. Und was wird zu den Vorwürfen gesagt? Wichtig zu betonen sei, dass man als Verwaltung keine XXL-Party veranstaltet, sondern lediglich für Sicherheit und Ordnung sorge, betont das Ordnungsamt immer wieder. „Wir reden von Gefahrenabwehr“. Und die sei nur möglich, wenn man die Uniwiese weiterhin als Entlastungsfläche nutze, so die Stadt. Zwar werden genaue Konzepte noch ausgearbeitet, ohne die Fläche werde es aber wohl nicht gehen, heißt es.

Uniwiese soll keine Karnevalsfläche werden: „Alle sind gegen die Uniwiese – außer der Verwaltung“

Für Grünen-Fraktionsvorsitzende Julie Cazier, viele Anwohner und dem BUND ist das allerdings keine Option. „Alle sind gegen die Uniwiese – außer der Verwaltung“, so Cazier gegenüber 24RHEIN. „Wir brauchen ein richtig gutes Konzept“ – und zwar ohne diesen Bereich. Immerhin wurde das sogar von den Bezirksvertretungen Köln-Innenstadt und Köln-Lindenthal vor Monaten festgelegt. Auch für Bezirksbürgermeister Hupke findet deutliche Worte zu den Plänen: „Wir haben genug. Wir wollen das nicht.“

„Die Aussage von der Stadt, dass die Bespielung der Uniwiese alternativlos sei, ist sehr bitter“, so die Grünen-Fraktionsvorsitzende Cazier. Vor allem für die Anwohner frustrierend: „Es gibt immer nur die Aussage, dass die anderen Vorschläge nicht gehen, aber warum es nicht geht, das wird nicht klar“, lautet Caziers Vorwurf.

Wie findet Kölner Karneval 2023 statt? „Es braucht kreative Lösungen“

Klar ist: Es müssen Lösungen her. „Eine kurzfristige für den bevorstehenden Karneval, aber auch eine langfristige, wie wir in Köln den Karneval feiern wollen. Für beides braucht es kreative Lösungen, die haben wir aber noch nicht gefunden“, so Cazier. Beim Veedelsbeirat wurden nun noch einmal verschiedene Ideen vorgeschlagen – auch von den Anwohnern selbst. „Zum Beispiel Parallelveranstaltungen in der Messe, im Jugendpark, in der Lanxess Arena oder im RheinEnergie-Stadion. Dass nicht alles sofort klappen wird, ist natürlich auch klar. Aber es muss doch einmal einen Anfang geben.“

Der erforderliche Schritt dafür ist, dass die Stadtverwaltung diese Ansätze prüft und Bezirksvertretung, Stadtrat und Ausschüsse die entsprechenden Beschlüsse festlegen. Das Problem dabei: Viele Ideen sind rechtlich nicht umsetzbar, wie zum Beispiel ein stadtweites Alkoholverkaufsverbot. Außerdem bleibt für neue Konzepte nicht mehr viel Zeit: Immerhin ist Weiberfastnacht 2023 bereits am 16. Februar – und somit nur noch wenige Wochen entfernt. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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