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„Hat immer gekämpft“: Kölner Karneval trauert um „dubbelte Doktor“ Rainer Broicher

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Von: Johanna Werning

verstorbener Dr. Dr. Rainer Broich, Ehrengarde (Montage)
Dr. Dr. Rainer Broich ist im Alter von 57 Jahren gestorben – nicht nur die Ehrengarde trauert. © Horst Galuschka/Imago & FutureImage/Imago

Dr. Dr. Rainer Broicher ist gestorben. Er war ein bekannter Mundmaler und ein aktives Mitglied bei der EhrenGarde und im Kölner Karneval.

Köln – Dr. Dr. Rainer Broicher galt in Köln und beim Kölner Karneval nicht nur als erfolgreicher HNO-Arzt, geschätztes Mitglied bei der EhrenGarde Köln und bekannter Mundmaler. Broicher war für viele auch ein echtes Vorbild. Nun ist er im Alter von 57 Jahren gestorben. Das bestätigt Hans-Georg Haumann, Präsident der EhrenGarde, gegenüber 24RHEIN.

„Dubbelte Doktor“: Alle Infos über Rainer Broicher

► Dr. Dr. Rainer Broicher ist an Rosenmontag 1965 (1. März 1965) in Köln geboren.

► Seit 1999 mit Ehefrau Claudia verheiratet. Aus der Ehe entstanden drei Töchter. Die Familie wohnt seit 2014 in Lindenthal.

►Broicher studierte Tier- und Humanmediziner und hatte als HNO-Facharzt bis zu einem Unfall in Köln-Mülheim eine eigene Praxis. Zudem war er im St. Remigius-Krankenhaus in Leverkusen-Opladen tätigt und betreute 12 Senioren- und Pflegeheime, in denen er unter anderem palliativ medizinisch tätig.

► Außerdem baute er als Aufsichtsratsmitglied das HNOnet NRW e.G. mit auf.  Im Landesgruppenvorstand Nordrhein sowie auch im Bundesvorstand des Virchowbund war er zusätzlich tätig.

► Im September 2013 kam es zu einem schweren Unfall: Bei Baumarbeiten stürzte Broicher und wurde querschnittsgelähmt.

► Danach etablierte er sich als Künstler und Mundmaler in Köln.

► Sein ganzes Leben war Broicher bekennender Karnevalist. Er engagierte sich als aktives Mitglied in der EhrenGarde. Dort baute er vor allem für die Kinder- und Jugendtanzgruppe aus. Auch nach seinem Unfall galt er als aktives und geschätztes Mitglied. Sein Spitzname dabei: der „dubbelte Doktor“.

„Er hat immer gekämpft“: Kölner Karneval trauert um „dubbelte Doktor“ Rainer Broicher

„Wir sind sehr, sehr traurig“, sagt Haumann am Dienstag. Dr. Dr. Rainer Broicher – der „dubbelte Doktor“, wie er bei der EhrenGarde Köln genannt wurde – ist nach langer Krankheit gestorben. Dennoch sei der Tod nun überraschend und trifft das gesamte Traditionskorps, so der Präsident weiter. „Das ist ein großer Verlust. Wir sind in Gedanken bei seiner Frau und seinen Töchtern.“ Zuerst berichtete der Express über den Tod von Rainer Broicher.

Jahrzehnte war der Kölner ein aktives Mitglied der Karnevalsgesellschaft. Er setzte sich vor allem für die Kinder- und Jugendtanzgruppe der Gesellschaft ein. Dabei hat er dem Korps viel ermöglicht und neue Weichen gestellt. „Er hat den Bereich nachhaltig vorangebracht“, so Haumann.

Kölner Karneval trauert um „dubbelte Doktor“: Rainer Broicher zehn Jahre nach schwerem Unfall gestorben

Eigentlich war der Karnevalist als HNO-Arzt in Mülheim tätigt. Doch die letzten Jahre konnte der gebürtige Kölner den Beruf in seiner eigenen Praxis nicht mehr ausüben. Denn im September 2013 erlebte er einen echten Schicksalsschlag: Bei Baumarbeiten stürzte er aus zehn Metern ab und wurde querschnittsgelähmt. Somit konnte er seitdem weder Arme noch Beine bewegen.

Aufgeben kam für den HNO-Arzt dennoch nie infrage. „Er war immer lebensfroh und hat immer gekämpft. Auch bei der EhrenGarde war er weiterhin aktiv dabei“, erinnert sich Präsident Haumann. „Umso trauriger ist jetzt die Meldung von seinem Tod.“ Erst in der Nacht zu Sonntag starb Hans Süper. Er galt als echte Karnevalslegende.

Rainer Broicher (✝): Als Mundmaler trat er sogar in der Lanxess-Arena auf

In Köln galt Broicher für viele Menschen nach seinem Unfall als echtes Vorbild. Denn statt aufzugeben, hat sich der Karnevalist als erfolgreicher Mundkünstler etabliert. „Das hat er sich eigenständig beigebracht“, so Haumann. Besonders beeindruckend: Er perfektionierte die „Einpinsel-Technik“. Das bedeutet, dass er ein gesamtes Bild ohne Wechsel des Pinsels malte. Die verschiedenen Farbtöne mischt er sich dabei selbst mit seinem Mundstabpinsel aus den Grundfarbtönen. Dabei war Broicher so erfolgreich, dass er 2019 im Rahmen von „Kölle singt“ live vor 20.000 Zuschauern in der Lanxess Arena malte. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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