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Jeckes Theken-Leitsystem in Köln: Skurriler Vorschlag für Karneval

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Von: Johanna Werning

Wie kann der Karneval in Köln sicherer und die Zülpicher entlastet werden? Die Fraktion hat nun ein Konzept ausgearbeitet. Der Plan: Ein Theken-Leitsystem.

Köln – Mittlerweile ist klar, wie das Konzept für den Kölner Karneval rund um die Zülpicher Straße aussehen soll. Statt großen Änderungen gibt es wohl nur kleinere Anpassungen am Sicherheitskonzept in Köln. Gerade vielen Anwohnern und Gastronomen im sogenannten Kwartier Latäng gehen die Maßnahmen nicht weit genug. Die Fraktion (Die Partei) im Kölner Stadtrat hat darum ein neues Konzept ausgearbeitet. „Das Grundproblem ist einfach, es ist zu sehr überfüllt – mit all den unschönen Nebeneffekten“, sagt Janja Mihaljevic, stellvertretende Karnevalsbeauftrage von Die Fraktion. „Die Zülpicher braucht eine Pause.“

Das Parkleitsystem am Kölner Ring. Im Kreis ein Köbes, ein Kölner Kellner, serviert in einem Kölner Brauhaus auf der Domplatte Kölsch in den typischen Kölschgläsern.
Die Fraktion macht jetzt ungewöhnliche Vorschläge, wie die Zülpicher Straße an Karneval entlastet werden kann (IDZRNRW) © Liedle/Imago & Winfried Rothermel/Imago

Konzept für Karneval: Skurrile Idee – Zülpicher Straße wird geschlossene Gesellschaft

Und genau das setzt das Konzept der Partei an. Das Motto? „Tank auf einer anderen Zülpi“. Der Plan? Das Kwartier Latäng entlasten und die Menschenströme an Karneval besser steuern, indem es mehrere Karneval-Alternativen in ganz Köln gibt. „Wir möchten den ‚Weg aus der Zülpi‘ aufzeigen“, so Mihaljevic im Gespräch mit 24RHEIN.

Die Straße selbst soll zur geschlossenen Gesellschaft werden. Anwohner und Geschäftsleute des Kwartier Latängs entscheiden dann, mit wem sie den Kölner Karneval feiern wollen, heißt es im Konzeptvorschlag. Dabei sollen verschiedene „bereits erprobter Großevent-Elemente“ greifen. „Die Bausteine lassen sich untereinander flexibel kombinieren. Die Stadt Köln ist Schirmherrin.“

Theken-Leitsystem an Karneval: Tafeln soll Kölsch statt Parkplatz anzeigen

Damit das Alternativprogramm in den verschiedenen Bereichen genutzt wird, hat die Fraktion eine skurrile und gleichzeitig einleuchtende Idee: das Kölner Theken-Leitsystem. Neu ist so ein Leitsystem in Köln nicht – zumindest in anderen Kontexten: Ob am Neumarkt, am Friesenplatz, in Deutz oder in Kalk. Überall gibt es bereits die digitalen Anzeigetafeln, die den Weg zum nächsten freien Parkplatz anzeigen. An Karneval soll das System dann jeck werden und die nächste freie Theke anzeigen – also Kölsch statt Parkplatz. Das soll die Feiernden aus der Zülpicher Straße in die anderen Stadtteile oder zu anderen Großveranstaltungen bringen.

In einem ersten Schritt könne das System online stattfinden. „Das ist auf jeden Fall realistischer“, erklärt die stellvertretende Karnevalsbeauftrage der Fraktion. „Ein entsprechender Hashtag kann bereits ein gutes Leitsystem sein.“ Denkbar zum Beispiel „#FreierPlatzAnDerTheke“ auf Instagram oder anderen sozialen Netzwerken. „Das heißt, die Nutzer können sich untereinander selbst informieren, wo es noch freie Plätze gibt.“ In einem weiteren Schritt könne dann tatsächlich das Kölner Parkleitsystem oder eigene Anzeigen während Karneval zum Einsatz kommen, so Mihaljevic weiter.

„Tank auf einer anderen Zülpi“: So soll der Karneval in Köln künftig ablaufen

Neben dem Theken-Leitsystem gibt es weitere Maßnahmen, die den Karneval in Köln sicherer machen und die Zülpicher Straße entlasten sollen. Das Konzept „Tank auf einer anderen Zülpi“ im Überblick:

Konzept für den Karneval in Köln: „Muss im Februar oder im März auf den Tisch kommen“

Aber wie wahrscheinlich ist die Umsetzung? Die Fraktion will ihr Konzept noch in den nächsten Monaten dem Rat vorstellen. Dort soll es diskutiert, weiterentwickelt und im besten Fall abgestimmt werden – auch in Bezug auf die rechtliche Grundlage. Und ab wann könnten dann die ersten Maßnahmen greifen? „Für Weiberfastnacht 2023 wird es schwierig, weil dafür die Zeit zu kurz ist. Aber für den 11.11. könnten wesentliche Punkte umgesetzt werden.“ Doch auch dafür gibt es schon jetzt einen gewissen Zeitdruck: „Das muss im Februar oder im März auf den Tisch kommen, damit man dann genug Zeit hat“, sagt Mihaljevic.

Das erste Feedback von Anwohnern und Gastronomen im Kwartier Latäng sei „überraschend positiv“, so die stellvertretende Karnevalsbeauftragte weiter. Auch, weil „es den wahren Kern des Problems berührt: Die Zülpicher Straße ist einfach zu voll“, sagt Mihaljevic. Ähnlich sieht es auch Andreas Hupke, Bezirksbürgermeister der Kölner Innenstadt. Für ihn ist klar, nur mit einer Imagekampagne kann man die „Ballermannisierung des Grüngürtels und des Kwartier Latängs“ aufhalten. „Das ist eine Saufmeile, das hat ja nichts mehr mit Karneval zu tun.“ (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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