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Karneval feiern und Krieg: Wie es in Köln weitergeht – Überblick

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Von: Johanna Werning

Karnevalisten feiern beim Rosenmontagszug in Köln.
Findet der Kölner Karneval trotz Ukraine-Krieg statt? (Symbolbild) © Federico Gambarini/dpa

Erst Pandemie, jetzt Krieg in der Ukraine. In Köln wird die Frage laut, ob der Karneval weiterhin gefeiert werden soll. Der Überblick.

Köln – Monatelang wurde hin und her überlegt, ob der Kölner Karneval trotz Coronavirus stattfinden kann. Erst vor wenigen Wochen dann die Entscheidung: Der Kölner Karneval 2022 soll stattfinden. Als es aber so weit war, kam alles anders: Der Ukraine-Konflikt eskalierte und überschattete das jecke Treiben an Weiberfastnacht. „Während der Straßen- und Kneipenkarneval an Weiberfastnacht nicht mehr abzusagen war, stellt sich die Situation für die anderen Karnevalstage anders dar“, so das Festkomitee Kölner Karneval. Die Frage: Wie geht der Karneval in Köln weiter? Was sagen die einzelnen Akteure? Der Überblick:

Kölner Karneval 2022 trotz Ukraine-Konflikt? So geht es in Köln weiter

Karneval 2022: „Veranstaltungen mit karnevalistischem Partycharakter verbieten sich von selbst“

Während, die einen noch überlegen, ist das Festkomitee schon einen Schritt weiter: „Das Festkomitee wird das geplante Rosenmontagsfest im Stadion (...) nicht durchführen, und stattdessen in der Innenstadt eine Friedensdemonstration durchführen“, heißt es überraschend am Donnerstag.

Ähnlich sieht es auch der Bund Deutscher Karneval: „Veranstaltungen mit karnevalistischem Partycharakter verbieten sich von selbst zu einer Zeit, da europäische Nachbarn in Angst und Schrecken versetzt werden, sogar um ihr Leben bangen müssen“, heißt es unter anderem. „Während Friedensdemonstrationen, Mahnwachen und Solidaritätskundgebungen in Deutschland abgehalten werden, können auch die Karnevalisten und Fastnachter nicht zur üblichen Tagesordnung der närrischen Tage übergehen.“

Der Appell stattdessen: „Wir empfehlen unseren Mitgliedsvereinen, Mitgliedsgesellschaften und Zünften, ihre Solidarität mit der Ukraine durch Unterlassung aller in der momentanen Situation unangemessenen Veranstaltungen zum Ausdruck zu bringen und stattdessen sich den friedlichen Kundgebungen im lokalen und regionalen Umfeld anzuschließen.“

Kölner Fastelovend trotz Ukraine-Konflikt: Reker sagt Termine ab

Und auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker setzt ein klares Statement: Sie sagte ihre Karnevalstermine an Weiberfastnacht ab. Und auch an Karnevalsfreitag werden Termine abgesagt. „Mir ist wirklich nicht zum Feiern zumute, aber weder ich noch das Festkomitee können und wollen den Karneval absagen“, sagte Reker am Donnerstag. „Die Kneipen schließen und eine Ausgangssperre verhängen können wir ohnehin nicht, das müsste der Landesgesetzgeber tun. Jeder und jede muss für sich selbst entscheiden, ob er oder sie angesichts dieser Situation feiern möchte.“

Außerdem hat Reker zu Beginn des Straßenkarnevals mit einer Schweigeminute der Leidtragenden des russischen Angriffs auf die Ukraine gedacht. Auf Twitter schrieb sie: „Der russische Angriffskrieg gegen sein Nachbarland ist unentschuldbar.“

Kölner Karneval trotz Ukraine-Konflikt? „Wird schwer, etwas Stimmung zu erzeugen“

Und was sagen die Kölner Karnevalsgesellschaften? Immer wieder ist der Hashtag „#makefasteLOVEndnotwar“ zu lesen. Auch Karnevalsgesellschaften wie „Die Grosse von 1823“ schließen sich an und wollen gleichzeitig an ihren Veranstaltungen festhalten. Das Karnevalsformat „Die Grosse SchälZick“ soll darum wie geplant am Sonntag im Tanzbrunnen in Köln-Deutz stattfinden.

„Die Entscheidung, die Veranstaltung nicht abzusagen, haben wir uns sehr schwer gemacht. Wir sind aber der Meinung, dass ein paar unbeschwerte Stunden – trotz all des Unglücks – nach zwei Jahren mit vielen Entbehrungen sehr wichtig sind, insbesondere für die vielen Kinder“, so Sören Riebenstahl, Schriftführer und Pressesprecher der „Grossen von 1823“. Rund ein Viertel der Gäste seien Kinder, erklärt Riebenstahl auf Nachfrage von 24RHEIN weiter. „Sie alle benötigen dringend ein bisschen Abwechslung!“

Man sei sich jedoch auch bewusst, dass nicht alle in diesen Tagen in Karnevalsstimmung sein werden. „Den ‚richtigen‘ Weg gibt es in solch einer Situation nicht. Was in der Ukraine geschieht, ist wirklich furchtbar und wir sind alle in Gedanken bei den Betroffenen. Es wird schwer, etwas Stimmung zu erzeugen. Wir wollen es aber für unsere Gäste, die Familien und Kinder, dennoch versuchen.“

Kölner Karneval trotz Ukraine-Konflikt? „Wollen Zeichen gegen den Krieg setzen“

Ähnlich sieht es auch für andere Karnevalsveranstaltungen in Köln aus. Auch „Kölle Alaaf!“, Veranstaltungen in der Wolkenburg und die Karnevalskonzerte „BonnLive“ sollen wie geplant stattfinden. „Wir können alle Menschen verstehen, die in der aktuellen Situation nicht feiern wollen. Es ist eine Gewissensentscheidung, die jede und jeder für sich selbst treffen muss“, so Sebastian Derix von der Eventagentur fünfdrei, die „BonnLive“ organisiert.

„Natürlich haben auch uns die Nachrichten des russischen Angriffs auf die Ukraine erschüttert. Nach sorgfältigen Überlegungen über mögliche Konsequenzen haben wir uns entschieden, dass die Karnevalskonzerte weiter stattfinden“, so Derix weiter. „Für uns ist aber klar: Der rheinische Karneval steht seit jeher für Zusammenhalt und Freude. Politisch hat er sich oft gegen Unrecht aufgelehnt und den Mächtigen in der Welt symbolisch ihre Fehler aufgezeigt. Wir fühlen mit den Menschen in der Ukraine und wollen zusammen mit den „BonnLive“-Zuschauerinnen und -Zuschauern ein Zeichen gegen den Krieg setzen“, fasst Derix zusammen.

Karneval Köln: Funken-Biwak bekommt neues Motto – „Für den Frieden“

Das haben auch die Rote Funken vor. Der traditionelle Funken-Biwak am Karnevalssamstag bekommt darum ein besonders Motto: „Jeck noh Fridde – Biwak für den Frieden“. „Wir feiern im Karneval die Liebe, das Leben und das friedliche Miteinander. Solidarität und Toleranz stehen an oberster Stelle“, so das Traditionskorps.

Kölner Karneval 2022: Prinzen-Garde nutzt alternative Garde-Tanz für Ukraine-Statement

Ähnlich möchte es die Prinzen-Garde Köln angehen. Der Karnevalsverein zeigt sich „bestürzt und verurteilt die Invasion des russischen Militärs in der Ukraine“, heißt es in einer Mitteilung. Dennoch möchte man an dem alternativen Garde-Tanz festhalten und dabei Solidarität mit den Menschen in der Ukraine zeigen.

„Gerade in dieser schweren Zeit ist es umso wichtiger, der Hauptaufgabe des Karnevals zu leben und aufrecht zu erhalten: Der Politik den Spiegel vorhalten, Offenheit zeigen, Vielfalt leben, den Menschen Halt, Zuversicht und Gemeinschaft geben“, erklärte Präsident Dino Massi. Nur gemeinsam und zuversichtlich könne man „Energie gegen Aggression und für Freiheit aufbauen und laut machen“.

Karneval trotz Ukraine-Konflikt: Was wird aus dem Kneipenkarneval?

Auch hier gilt: Jeder Wirt muss selbst entscheiden, ob weiter gefeiert wird oder nicht. Die „Bagatelle“ in der Südstadt hat sich diesbezüglich bereits entschieden – und zwar dafür. „Wir haben gestern kurz überlegt, ob wir weiter feiern oder nicht. Sehr schnell aber war uns klar, dass wir das ohne Wenn und Aber weiter tun“, erklärt die Südstadt-Kneipe am Freitag via Facebook.

„Der Karneval ist eine bunte und friedliche Veranstaltung mit reichhaltigem Liedgut voller Frieden, Freiheit, Toleranz und Freundschaft. Es ist die Liebe zu einer offenen Stadt und einer pluralistischen Gesellschaft. Der Karneval ist der Inbegriff von Frieden“, heißt es weiter. (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln und NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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