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Jetzt ist klar, wie Weiberfastnacht gefeiert wird – doch das gefällt nicht allen

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Von: Johanna Werning

Es ist offiziell: Die Uniwiese wird Ausweichfläche für den Karneval 2023 in Köln, obwohl der Grüngürtel eigentlich Landschaftsschutzgebiet ist.

Köln – Monatelang wurde überlegt, diskutiert und vor allem gestritten. Nun gibt es eine Entscheidung für den Kölner Karneval. Der sogenannte Straßenkarneval rund um Weiberfastnacht (16. Februar) und Rosenmontag (20. Februar) soll ähnlich ablaufen wie die Sessionseröffnung.

Zumindest, wenn es um den Bereich rund um die Zülpicher Straße geht. Allerdings mit einer Änderung: Trotz Landschaftsschutzgebiet und Protest von Naturschützern und Anwohnern soll die Uniwiese als Ausweichfläche genutzt werden. Damit soll eine Wiederholung des Karnevalschaos am 11.11. verhindert werden.

Party auf der Uniwiese, wenn die Zülpicher zu voll ist: „Nur so Schutz der körperlichen Unversehrtheit“

Unzählige junge Menschen feiern den 11.11. auf der Zülpicher Straße. Der Karnevalsauftakt zum 11.11. hat in Köln wie erwartet zu einem Massenandrang geführt.
An Weiberfastnacht soll die Uniwiese im Zülpicher Viertel als Auswiechfläche genutzt werden (Symbolbild) © Thomas Banneyer/dpa

Das wurde in dem Hauptausschuss am 16. Januar vom Stadtrat bestätigt. Die Verwaltung hat das Konzept vorgeschlagen, das die Uniwiese in die Karnevalsplanung mit einbezieht. „Die Entscheidung, Teile des Inneren Grüngürtels im Rahmen der Gefahrenabwehr zu nutzen, erfolgt unter Abwägung aller Argumente und Alternativen“, erklärte Stadtdirektorin Andrea Blome. Denn „letztendlich hält die Stadt Köln die Nutzung für zwingend erforderlich, weil bei Überlastung des Zülpicher Viertels nur so der Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Anwohnenden und Feiernden gewährleistet werden kann.“ Zudem wird der Grüngürtel im Bereich der Uniwiese mit Schutzmatten ausgestattet. Wo das nicht möglich ist, soll abgesperrt werden, heißt es.

Auch der Rat kam nun zu dem Schluss, dass das Konzept für den Kölner Karneval 2023 so umgesetzt werden soll. Das liege aber auch daran, weil die Stadtverwaltung zu wenig Alternativen und konkrete Konzepte ausgearbeitet habe, so Ulrich Breite, Geschäftsführer der FDP. Doch während sich SPD, FDP und CDU mit dem Vorhaben der Stadt arrangieren, kochen die Grünen.

Kölner Karneval: Uniwiese als Entlastungsfläche an Weiberfastnacht – das gefällt nicht allen

Der Vorwurf der Grünen und vieler Anwohner: Der Begriff „Ausweichfläche“ sei falsch und von der Verwaltung lediglich vorgeschoben, um rechtlich nicht haftbar zu sein. Statt lediglich „Notfallrückhalteräume“ einzuplanen, gibt es Angebote wie einen DJ, Alkoholausschank und Speisen.

„Es ist klar, dass es Ausweichflächen braucht, um die Sicherheit der Feiernden und Anwohnenden zu gewährleisten. Dass der Plan aber nun solche Angebote für Feiernde mitten in unserem schützenswerten Grüngürtel vorsieht, ist für uns nicht nachvollziehbar“, erklärt Christiane Martin, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kölner Rat.

„Durch DJ und Alkoholausschank wird aus der Überlauffläche eine neue Partyzone, und das in einem Landschaftsschutzgebiet. Es ist ein merkwürdiges Signal, dass die Verwaltung nach Prüfung von 14 Alternativflächen zu dem Schluss kommt, nur die Uniwiesen kämen infrage“, so Martin. „Unter anderem wurde eine mögliche Ausweichfläche auf dem Hohenzollernring ausgeschlossen, um den Verkehr nicht zu behindern. Aus unserer Sicht eine falsche Prioritätensetzung. DJ und Getränkeausschank auf den Uniwiesen müssen für den anstehenden Straßenkarneval gestrichen werden.“ Darum lehne man das vorgelegte Konzept der Stadt klar ab.

Das Sicherheitskonzept an Weiberfastnacht 2023

► Absperrungen: Das Zülpicher Viertel rund um die Zülpicher Straße wird wieder komplett abgesperrt.

► Eingangssituation: Die Eingangssituation wird noch einmal angepasst. Neben dem Eingang an der Unimensa ist ein weiterer Eingang über die Roonstraße geplant.

► Uniwiese: Die Wiese soll als Ausweichfläche dienen. Allerdings soll die Fläche mit Abdeckungen geschützt und teilweise abgesperrt werden.

► Glasverbot: Im Kwartier Latäng gilt ein Glasverbot. Es gibt mehrere Kontrollpunkte. 

► Sondereingänge: Anwohner, Arbeitnehmer und Gäste mit Eintrittskarten für Veranstaltungen sollen wieder Sondereingänge nutzen können. Details sind noch nicht bekannt.

► Respektkampagne: Auf verschiedenen Informationskanälen informiert die Stadt Köln über die Historie des Karnevals und Veranstaltungen, die im Jahr 2023 stattfinden.

► Anpassung der KVB: Stadt und KVB haben bereits verbesserte Sicherungsmaßnahmen von einzelnen Linien besprochen. In den weiteren, anstehenden Gesprächen werden diese ein Schwerpunkt bleiben, heißt.

► Müllentsorgung: Hinsichtlich der Optimierung der Müllentsorgung und Reinigung befindet sich die Verwaltung in Planungen mit der AWB GmbH und dem städtischen Dienstleister für das Sicherheitskonzept. 

Redaktionshinweis: Aktuell handelt es sich beim Sicherheitskonzept lediglich um einen Entwurf. Anpassungen sind noch möglich.

Sicherheitskonzept an Weiberfastnacht 2023 ist „einfallslos und katastrophal“

Auch für einige Gastronome im sogenannten Kwartier Latäng sendet das Sicherheitskonzept der Stadt völlig falsche Zeichen. „Dieses Sicherheitskonzept wird dafür sorgen, dass der Zustrom multipliziert wird. Das nimmt die Stadt einfach in Kauf“, ist sich Markus Vogt, Gastronom und Vorstand beim Gastro Kwartier Latäng e.V. sicher. „Gerade, wenn sich rumspricht, dass es in Köln ein großes Festival veranstaltet wird, zieht das die Leute noch mehr an.“ 

Für Bezirksbürgermeister Andreas Hupke ist bereits klar, dass die Überarbeitungen der Verwaltung „einfallslos und katastrophal“ ist. „Der Grüngürtel zählt bei der Verwaltung gar nicht mehr. Dabei müsste das bisschen Grün, was wir in der Innenstadt haben, eigentlich heilig sein.“ 

Uniwiese an Weiberfastnacht 2023: Danach erneute Prüfung

Aber wie geht es jetzt weiter? Wie die kölnische Rundschau berichtet, wollen die Grünen die Stadt für die kommende Session erneut prüfen lassen, „welche dezentralen Veranstaltungsformate künftig an verschiedenen Orten in Köln möglich wären, um das Karnevalstreiben am Elften im Elften und an Weiberfastnacht zu entzerren.“ (jw) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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