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Bürgermeister über Party-Zone am 11.11.: „Ballermann der übelsten Sorte“

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Von: Johanna Werning

Andreas Hupke bei einer Pressekonferenz. Im Hintergrund: die Zülpicher Straße voll mit Feiernden an Karneval.
Trotz Sicherheitskonzept für den 11.11. befürchtet Andreas Huppe eine „Exzessiv-Veranstaltung“ auf der Zülpicher Straße (IDZRW-Montage) © Future Image/Imago & Eduard Bopp/Imago

Mit dem Sicherheitskonzept für die Zülpicher Straße am 11.11. ist es für Andreas Hupke nicht getan. Der Bezirksbürgermeister fordert ein anderes Publikum.

Köln – Während die einen bereits Pläne für ihren Party-Besuch auf der Zülpicher Straße am 11.11. planen, wächst bei den anderen die Sorge vor Chaos, Müll und aggressive Besuchermassen in dem Viertel in Köln. Trotz Sicherheitskonzept für die Zülpicher Straße. „Kein Sicherheitskonzept der Welt kann dafür sorgen, dass wir uns sicher fühlen“, sagt Anwohner und Bezirksbürgermeister der Kölner Innenstadt, Andreas Hupke (Grüne), im Gespräch mit 24RHEIN.

Zülpicher Straße am 11.11.: „Das hat nichts mit dem Karneval zu tun“

Rund zwei Wochen vor dem 11.11. veröffentlicht die Stadt ein komplett neues Sicherheitskonzept für die Party-Zone an der Zülpicher Straße. „Ziel ist es, ein relativ sicheres Feiern sicherzustellen“, sagt Stadtdirektorin Andrea Blome. „Dass es dort nicht zu voll wird, haben wir im Blick“, so die Stadtdirektorin weiter.

Denn auch beim 11.11. in diesem Jahr wird mit einem hohen Andrang gerechnet. „Das ist irre. Einfach nur irre“, findet Bezirksbürgermeister Hupke, der selbst in dem sogenannten Kwatier Latäng wohnt. Bereits seit Jahrzehnten verfolgt er das Party-Treiben am 11.11. kritisch. „Das hat nichts mit dem Karneval zu tun. Der Karneval an sich ist schön. Mit der Party-Zone an der Zülpicher Straße hat das aber nichts zu tun. Das ist Ballermann der übelsten Sorte.“

Das Problem mit dem Kölner Karneval in der Zülpicher Straße

► Seit Jahren gilt der Bereich rund um die Zülpicher Straße als riesige und vor allem günstige Partyszone. Vor allem an Karneval strömen Zehntausende in das sogenannte Kwartier Latäng.

► Dabei kommt es immer wieder zu unschönen Szenen: Seit Jahren beschweren sich Anwohner über Chaos, aggressive Stimmung der Besucher, Müll und Verschmutzung.

► Viele kritisieren, dass die Stadt die Lage an der Zülpicher Straße trotz Sicherheitskonzept nicht mehr im Griff hat.

► Bezirksbürgermeister Andreas Hupke findet, dass es mit einem Sicherheitskonzept nicht getan ist. Viel eher müsse die Stadt dafür sorgen, dass ein anderes Publikum angesprochen wird – zum Beispiel mit einer Imagekampagne.

11.11. auf der Zülpicher Straße: „Größeres Sicherheitskonzept nötig als beim härtesten Fußballspiel“

Aufgrund des Ansturms zum Sessionsstart sind enorme Sicherheitsmaßnahmen nötig. In der Vergangenheit kam immer wieder zu Ausschreitungen. Nun wurde das Sicherheitskonzept nochmals verschärft. 150 Ordnungskräfte, 520 private Sicherheitsleute und bis zu 1150 Polizisten sind für die Sicherheit beim Kölner Karneval zuständig. Ein Großteil davon ist rund um die Zülpicher Straße im Einsatz. „Es stimmt etwas nicht, wenn hier ein größeres Sicherheitskonzept nötig ist als beim härtesten Fußballspiel zwischen zwei Bundesligavereinen, die sich bis aufs Blut hassen“, sagt Hupke.

Immerhin wird das komplette Viertel rund um die Partyzone abgeriegelt – auch für die Anwohner. Damit die Anwohner an diesem Tag in ihr Zuhause kommen, müssen sie Sondereingänge nutzen und ihre Ausweise vorzeigen. „Warum müssen die Menschen hier das überhaupt erdulden? Dass die Anwohner eigentlich eingesperrt werden, steht in keiner Relation“, so der Bezirksbürgermeister der Kölner Innenstadt.

Zülpicher Straße am 11.11.: Party-Zone an Karneval „steht in keiner Relation“

Besonders schwer zu ertragen für Bezirksbürgermeister Hupke: „Es kommen Menschen aus ganz Deutschland mit der Einstellung, dass man machen kann, was man will.“ Und auch in diesem Jahr befürchtet er, dass nicht nur gefeiert, sondern, dass auch randaliert und zerstört wird.

Die Zülpicher Straße sei während des 11.11. ein gesetzloser Ort. Und das hat Folgen für das Viertel: „Das sieht aus, als ob da ein Bagger mit einer Abrissbirne drüber gefahren sind“, so das Fazit des Kölners. „Das steht in keiner Relation“. Für Hupke ist klar, mit einem Sicherheitskonzept allein ist es nicht getan.

Denn auch das beste Sicherheitskonzept der Welt löst nicht die eigentlichen Probleme der Party-Zone Zülpicher Straße. „Es muss eine Imagekampagne her – deutschlandweit.“ Das Ziel dabei: Ein neues Publikum, dass wirklich den Karneval feiert und nicht nur den Sessionsstart als Anlass für eine XXL-Party nimmt. Nur so könne die „Exzessiv-Veranstaltung“ am 11.11. an der Zülpicher Straße beendet werden. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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