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10 Kölner Kult-Kinos, die es heute nicht mehr gibt

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Von: Nils Bothmann

Kinoreklame für „Die Hard with a Vengeance“ am Capitol Kino in Köln im Jahr 1995
Das Capitol Kino in Köln im Jahr 1995, kurz vor seiner Schließung © teutopress/imago

Zeitreise durch Köln: Diese zehn Kinos in Köln waren unglaublich populär, doch existieren heute nicht mehr. Warum sie schließen mussten und was danach mit ihnen passierte.

Köln – Als Deutschland vom Kino-Boom in den 1950ern erfasst wird, gibt es in Köln 84 Kinos, allein elf davon im Stadtbezirk Köln- Ehrenfeld. Mehr als ein Drittel der 170.000 Einwohner geht täglich ins Kino, womit Köln deutschlandweit die zweitbeste Besucherrate nach Berlin hat.

Kino-Krise beutelt Köln seit 1975: Konkurrenz, Leerstand und neue Konzepte

Zum Vergleich: 1953 erreicht die Zahl der deutschlandweit registrierten Fernsehteilnehmer gerade einmal die Marke von 10.000 Menschen. Doch erschwinglichere TV-Geräte lassen die Konkurrenz im Wohnzimmer stärker werden, weitere Freizeitaktivitäten kommen im Zuge der Wirtschaftswunderjahre hinzu, welche die Besucher aus den Kinos fernhalten. Zu Beginn der 1960er zeigt sich ein Nachlassen des Kino-Booms, das langsam, aber stetig zur Kinokrise wird, die ihren Höhepunkt 1975 findet.

Trotz der erfolgreichen US-Blockbuster-Industrie, die Ende der 1970er aufkommt und in den 1980ern Fahrt aufnimmt, bleibt es bei einem Auf und Ab für die deutschen Lichtspielbetreiber. Neue Freizeitangebote wie Videospiele und soziale Medien buhlen um das Publikum, die Konkurrenz durch Streaming und Downloads macht sich bemerkbar, obwohl diese in erster Linie den Videotheken den Garaus macht. Auch in Köln müssen viele Kult-Kinos in Laufe der Jahre schließen. Manche werden heute anderweitig genutzt, andere fanden nach Phasen des Leerstands neue Betreiber mit neuem Namen. Wir stellen euch 10 besondere Kölner Kult-Kinos vor, die es nicht mehr gibt.

1. Roxy: Bläck-Föss-Inspiration am Chlodwigplatz in der Kölner Südstadt

Über diese Location haben schon die Bläck Fööss einen Song geschrieben: „Wenn et Leech usjing im Roxy“ von 1996. In dem Song heißt es: „Denn wenn et Leech usjing em Roxy, hatte mer schnell e Kääzje ston. All die Mädche un die Junge soße, loge eng umschlunge, hingen en d‘r letzte Reih.“ Ein Ort zum Knutschen, Fummeln und natürlich Filmegucken, der am 27. September 1953 am Chlodwigsplatz seine Pforten öffnet. Eröffnungsfilm ist „Vom Winde verwehrt“, der stolze neun Monate im Programm bleibt. Mit seiner Breitbildleinwand, seiner Klimaanlage und beleuchteten Wasserspielen, welche die Gäste in den Pausen unterhalten, ist das Roxy ein Publikumsmagnet – zumindest bis zur Kino-Krise. 1975 gehen dort die Lichter aus, jedoch für immer.

Wenigstens der Schriftzug überlebt noch eine ganze Weile. 1974 eröffnet die Kneipe namens Roxy in der Maastrichter Straße; die Betreiber geben Handwerkern zwei Kästen Kölsch, damit diese den Schriftzug des Kinos nach dessen Schließung aus der Süd- in die Innenstadt transportieren und an dem Lokal anbringen. 1983 zieht die Kult-Location auf die Aachener Straße in der Nähe des Rudolfplatzes um, der Neon-Schriftzug bleibt auch – bis der Club im Zuge der Corona-Krise schließen muss. Die früheren Betreiber richten später noch „Roxy-Partys“ aus, aber nicht mehr an der Aachener Straße.

2. Capitol: Spätere Harald-Schmidt-Heimat auf den Ringen in Köln

Besucher strömen 1995 in das ehemalige Kino Capitol für eine Aufzeichnung der „Harald Schmidt Show“
Von 1995 bis 2001 wurde die „Harald Schmidt Show“ im ehemaligen Kino Capitol in Köln aufgezeichnet (Bild von 1995) © Frank Hempel/United Archives

Das Capitol auf den Ringen gehört zu den langlebigsten Kölner Kinos. Es eröffnet in den „Goldenen Zwanzigern“, genauer gesagt am 20. Februar 1929, und hat bis zum 25. September 1995 Bestand. Erster Besitzer ist die Phöbus-Emelka Gruppe, zehn Jahre wechselt es zur Ufa-Gruppe. Im Zweiten Weltkrieg wird das Kino zerstört, später wieder aufgebaut und 1954 neu eröffnet. Die Konkurrenz durch den Cinedom besiegelt das Schicksal des früheren populären Kinos auf dem Hohenzollernring. Nachdem das Multiplex im Dezember 1991 aufmacht, führt dies zu Besucherrückgängen. 1992 verkauft der damalige Besitzer, die Krüger-Gruppe, das Kino an die Ufa-Tochtergesellschaft Olympia-Filmtheater, drei Jahre später kommt das endgültige Aus.

Ab Dezember 1995 wird die „Harald Schmidt Show“ für mehrere Jahre im Capitol aufgezeichnet, ehe die Late-Night-Sendung in ein Studio in Köln-Mülheim umzieht. Heutzutage ist ein Möbelhaus in dem Gebäude auf den Ringen, doch der Capitol-Schriftzug befindet sich immer noch an der Fassade des Gebäudes.

3. Gloria: Vom Schmuddelkino zum Mehrzweck-Theater in der Nähe des Neumarkts

Das Kölner Gloria Theater am 1. September 2017 in Köln zur Jubiläumsfeier 60 Jahre Gloria Theater Köln
Am 1. September 2017 wurde das frühere Kino und heutige Mehrzweck-Theater Gloria 60 Jahre alt (Bild von 2017) © Horst Galuschka/imago

Am 30. November 1956 beginnt das Kino in der Apostelnstraße in der Nähe vom Neumarkt seinen Spielbetrieb. Eröffnet wird mit dem österreichischen Heimatfilm „Verlobung am Wolfgangsee“, dessen Premiere in Anwesenheit der Hauptdarsteller stattfindet. In den 1970ern wird es schmutzig im Gloria: Es wird zum Pornokino. Doch gegen die Macht der Videotheken kommt es nicht an und muss 1991 schließen. Es dient später noch als Drehort für den deutschen Besucherhit „Der bewegte Mann“ von 1994. In der besagten Szene wollen Axel (Til Schweiger), Walter (Rufus Beck) und Horst (Armin Rohde) „Tod in Venedig“ im Kino schauen, bekommen aber Ärger mit ein paar Rambo-Fans, die sich in den falschen Film verlaufen haben.

Seit 2000 ist das Gloria ein Mehrzweck-Veranstaltungsort, in dem Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen stattfinden. Das Gloria kann als Theater mit 400 Sitzplätzen, Saal für maximal 950 Personen bei Stehplatznutzung oder als Café mit 80 Plätzen genutzt werden. Von Popsängerin Stefanie Heinzmann bis zur Metalcore-Band Callejon, von Kriminalbiologe Mark Benecke bis Comedian Chris Tall performen und lesen hier Künstler und Schiftsteller aller Couleur.

4. Apollo: Schwesterkino des Capitol auf den Ringen in Köln

Obwohl das 1976 eröffnete Kino auf dem Hohenzollernring vor allem US-Mainstreamfilme zeigt, ist es mit 150 Sitzplätzen ein eher kleines Kino. Es liegt direkt neben dem Capitol und wird ebenfalls von Erich Hildner betrieben. Sein Schicksal ist eng mit dem des Schwester-Kinos verknüpft: 1985 werden beide an die Krüger-Gruppe verkauft, 1992 gehen sie in den Besitz der Ufa-Gruppe über. Als das Capitol am 25. September 1995 aufgeben muss, schließt auch das Apollo sein Pforten.

5. Residenz: Vorgänger der Astor Film Lounge auf den Ringen in Köln

Oliver Pocher vor dem früheren Residenz-Kino in Köln anlässlich der Premiere von "Die Oliver Pocher Show"
Nach Ende des Spielbetriebs diente das frühere Residenz-Kino in Köln als Aufzeichnungsort für Sendungen wie „Die Oliver Pocher Show“ (Bild von 2009) © Jörg Carstensen/dpa

Das Residenz ist ein Kind des Kino-Booms. Es wird am 2. September 1950 als großer Kinoneubau am Kaiser-Wilhelm-Ring eröffnet und umfasst anfangs 785 Sitzplätze, damals noch als einstöckiger Bau. Den filmischen Einstand markiert „Der Mann, der sich selber sucht“, der in Anwesenheit von Teilen der Besetzung dort gezeigt wird. Das Gebäude um das noch provisorisch wirkende Kino wird ab 1959 weiter hochgezogen, es kommt ein weiterer Saal namens Intimes Theater hinzu, später noch zwei kleinere Kinos im Hof. Aufgrund seiner Größe ist das Residenz gern gesehener Spielort für Festivals wie das Fantasy Filmfest und das Internationale Frauenfilmfestival „Feminale“. Das Residenz wechselt mehrmals den Besitzer: Eröffnet wird es unter Adolf Schoofs, 1983 wird es Teil der Ufa-Gruppe, 2003 übernimmt Cinestar.

Trotz der räumlichen Nähe zum Cinedom sind es Sicherheitsbestimmungen, die 2005 zur Schließung der Residenz führen. Nach vier Jahren Leerstand werden in dem ehemaligen Kino Fernsehsendungen wie die „Oliver Pocher Show“ und „Ingo Lücks Wochenschau“ aufgezeichnet. 2012 werden die Räumlichkeiten renoviert und wieder als Kino benutzt, nun als Astor Filmlounge, manchmal auch als Astor Film Lounge im Residenz Köln bezeichnet. Ein filmreifes Happy End für altehrwürdige Kino.

6. Alhambra-Theater/City/Broadway: drei Namen, drei Kinos, eine Location auf der Ehrenstraße

1919 wird das Alhambra-Theater vom Bankkaufmann Josef Rösener gebaut. Das 300-Sitze-Haus wechselt mehrfach den Besitzer, wird auf 400 Plätze erweist und schließt während des Zweiten Weltkriegs 1944. Am 8. April wird das Innenstadt-Kino als City neu eröffnet und zeigt vor allem Mainstreamfilme. 1971 schlägt der damalige Kulturdezernent Kurt Hackenberg das City als städtisch geförderten Veranstaltungsort für Screenings und Konzerte vor, scheitert jedoch am Protest anderer Kinobesitzer. Werner Hürfeld, der neben dem City noch weitere Kinos in Köln besitzt, verpachtet die Spielstätte 1972 an Albert Klein. Der besitzt den auf Genrefilme spezialisierten Verleih Splendid und zeigt vor allem Titel aus dessen Programm. Im Mai 1982 laufen im City vor allem Sex-und Karate-Filme, bald wechseln Betreiber und Programm.

Am 18. November 1982 steigt der Arthouse-Phoenix aus der Exploitation-Asche: Als Broadway setzt das Kino nun auf anspruchsvolles Kino, meist europäische Filme oder amerikanische Independent-Produktionen. Regisseur Claude Chabrol ist persönlich zu Gast, als sein „Die Fantome des Hutmachers“ den Spielbetrieb im Broadway eröffnet. Er hinterlässt seinen Handabdruck im Foyer, der zum Markenzeichen des Filmtheaters wird.

Als 1985 das Kino im Unicenter schließt, ist das Broadway kurzzeitig das einzige Filmkunst-Kino in Köln. Die Betreiber Heinz Holzapfel, Peter Liese und Albrecht Winterberg eröffnen zwei weitere Programmkinos: erst das OFF Broadway auf der Zülpicher Straße (1985), dann das Odeon in der Südstadt (1987). 1996 übernimmt die Kinowelt Medien AG alle drei Häuser. Während OFF Broadway und Odeon (unter neuen Besitzern) noch heute bestehen, muss das Broadway am 30. November 2001 schließen. Der alte Pachtvertrag läuft aus, den neuen mit erhöhter Miete kann sich die wirtschaftlich angeschlagene Betreibergesellschaft nicht mehr leisten.

Auch Proteste gegen die Schließungen und Bemühungen des Kulturamts führen zu keinem Ergebnis. Zum Abschiedsprogramm am letzten Novembertag des Jahres 2001 gehört auch „Die Fantome des Hutmachers“. Inzwischen ist eine Esprit-Filiale in den früheren Kinoräumen.

7. Scala: Vom Mainstream-Kino zur kölschen Theaterstätte auf den Ringen in Köln

Das Scala Theater verkündet die Wiederaufnahme nach der Zwangspause wegen des Corona-Virus
Als Theater existiert das frühere Kino Scala in Köln weiter © Oliver Berg/dpa

Ebenfalls auf den Ringen eröffnet am 19. September 1968 das Scala. Die Krüger-Gruppe betreibt das Filmtheater, das seinen Spielbetrieb mit dem Stanley-Kubrick-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“ aufnimmt. Wie viele andere Kinobetriebe geht das 380-Sitzplätze-Haus später in den Besitz der Ufa-Gruppe über. 2003 übernimmt der Theaterregisseur und -autor Walter Bockmayer die Location, um dort sein „kölsches Lustspielhaus“ zu etablieren.

Das Theater behält den Titel „Scala“ bei und zeigt Stücke mit kölschen Themen und kölscher Mundart. In der Spielzeit 2003/2004 feiert Bockmayers Publikumshit „Ich mööch zo Foß noh Kölle gonn“ dort seine Premiere. Bis zu seinem Tod im Oktober 2014 inszeniert „Wally“ nicht nur am Scala, sondern schreibt einen Großteil der aufgeführten Stücke. Im Sommer 2015 übernehmen die Schauspieler Ralf Borgartz und Arne Hoffmann die Leitung des Theaters.

8. Helios Lichtspiele: Der frühere Zeltbau in Köln-Ehrenfeld

Das Ehrenfelder Kino startet seinen Betrieb 1909 als Zeltbau, 1913 bezieht die Helios Lichtspiele die feste Abspielstätte auf der Venloer Straße. Gründer und Erstbetreiber ist das Showtalent Willy Böhme. Von 1930 bis 1937 firmiert das Filmtheater unter Paul Jockel als Kino für Jedermann, kehrt danach zu seinem alten Namen zurück. Werner Hürfeld, der auch das Scala in der Innenstadt und das Corso in Kalk betreibt, kauft das Haus und lässt es 1937 renovieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die Helios Lichtspiele am 28. Dezember 1950 neu eröffnet, 1952 übergibt Hürfeld den Betrieb des Kinos an Hermine Joisten, die vor allem auf Hollywoodfilme setzt und damit Erfolge feiert. In den 1970ern wird das Programm vor allem auf Karate- und Actionfilme umgestellt, doch 1982 muss das Ehrenfelder Kino den Betrieb einstellen.

9. Theater am Rudolfplatz – Stefan Raabs spätere „TV total“-Heimat in Köln

Eine Aufnahme des ehemaligen Theaters am Rudolfplatz.
Das ehemalige Kino Theater am Rudolfplatz diente für mehrere Jahre als Aufzeichnungsort für TV-Sendungen (Bild von 1998) © APress/Imago

Residenz-Besitzer Adolf Schoofs eröffnet am 7. Juli 1956 mit dem Theater am Rudolfplatz ein weiteres Kino in Köln. Das österreichische Mozart-Biopic „Reich mir die Hand, mein Leben“ eröffnet den Spielbetrieb des Filmtheaters, das erfolgreich der Kino-Krise in den 1970ern trotzt. 1983 geht auch das Theater am Rudolfplatz in den Besitz der Ufa-Gruppe über, am 17. Juli 1995 muss es schließen.

Im gleichen Jahr werden die Räumlichkeiten renoviert und als Aufzeichnungsort für Fernsehsendungen genutzt. Von 1999 an wird dort die Stefan-Raab-Show „TV total“ gedreht, ehe diese 2001 nach dem Weggang der „Harald Schmidt Show“ ins ehemalige Capitol weiterzieht. 2003 verlässt das Raab-Flagschiff die linke Rheinseite und zieht ins Brainpool-Studio in der Schanzenstraße im Stadtbezirk Köln-Mülheim. Nach dem Weggang der TV-Sendungen steht das Theater am Rudolfplatz leer, 2017 wird es mit weiteren Gebäuden abgerissen, um Platz für die Wallarkaden zu machen. Das neue Bauwerk eröffnet 2021 und beherbergt einen Mix aus Büros, Handels- und Gastrobetrieben.

10. Union-Lichtspiele: Das alte „Schäl Sick“-Kino in Köln-Kalk

Seit 2017 gibt es mit den Lichtspielen im Stadtbezirk Köln-Kalk erstmals seit Jahrzehnten wieder ein rechtsrheinisches Kino mit festen Sitzen in Köln – das Autokino im Stadtbezirk Köln-Porz war zuvor die einzige Alternative auf der „Schäl Sick“. Die Lichtspiele Kalk sind fast buchstäblich „auferstanden aus Ruinen“: Bei Renovierungsarbeiten stieß man auf den Kinosaal der früheren Union-Lichtspiele in der Kalk-Mülheimer Straße. Diese wurden am 8. Oktober 1948 eröffnet. Besitzer Josef Hütten betrieb in Kalk mit dem Corso ein weiteres Kino.

Der Saal der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten Union-Lichtspiele umfasst 200 Plätze (Balkon und Parkett), doch nach 25 Jahren muss das Kino aufgeben. Es wird erst als Diskothek und später als Freikirche genutzt, wodurch der Saal seinen Kinocharakter immer weiter verliert. Dementsprechend muss die Lokalität umgebaut werden, ehe die Lichtspiele Kalk im Dezember 2017 den Betrieb als neues Kino in alten Räumlichkeiten aufnehmen können. (nbo) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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