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Politikerin klebt sich an Pult fest: Trotz hoher Kosten – „das war es auf jeden Fall wert“

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Von: Johanna Werning

Ratsmitglied Nicolin Gabrysch hat sich während einer Sitzung ans Rednerpult festgeklebt. Jetzt muss die Politikerin für das beschädigte Pult zahlen.

Köln – Rund anderthalb Wochen sind seit dem Klebe-Vorfall während einer Kölner Ratssitzung vergangen. Die Aktion dauerte nur wenige Minuten, dennoch sorgte der Klima-Protest von Ratsträgerin Nicolin Gabrysch (Klima Freunde) für Aufsehen – und wird für die Politikerin wohl ziemlich teuer. Das teilt ein Stadtsprecher von Köln auf Nachfrage von 24RHEIN mit.

Klima-Protest in der Ratssitzung Köln: Rednerpult kaputt – Reparatur ist aufwendig

Donnerstag, 8. Dezember: Um kurz vor 19 Uhr – als die Ratssitzung bereits mehrere Stunden läuft – klebt sich Nicolin Gabrysch (Klima Freunde) während ihrer Rede an das Rednerpult fest. „Ich stehe hier als Politikerin, als Mutter und als Lebewesen – und ich bin sehr verzweifelt. Es kann und darf kein ‚Weiter so‘ geben, deswegen sorge ich jetzt dafür, dass es zumindest hier und jetzt nicht wie üblich weitergeht – sondern wenigstens ein kleines bisschen anders läuft als sonst“, erklärte die Politikerin und Klimaaktivistin währenddessen.

Nicolin Gabrysch ist am Rednerpult festgeklebt.
Ratsmitglied und Klimaaktivistin Nicolin Gabrysch hat sich während der Ratssitzung ans Rednerpult festgeklebt (Screenshot) © Stadt Köln/Facebook

Zwar wurde Gabrysch innerhalb weniger Minuten dank eigenen Nagellackentferner vom Pult gelöst, dennoch wurde das Rednerpult beschädigt. Die Reparatur ist dabei sehr aufwendig und kostenintensiv. Das bestätigt auch ein Stadtsprecher gegenüber 24RHEIN. „Seitens eines Sachverständigen gibt es eine erste Kostenschätzung, die sich auch circa 900 Euro beläuft.“

Das ist Nicolin Gabrysch

► Nicolin Gabrysch ist Diplom-Volkswirtin und Projektmanagerin in der Entwicklungsfinanzierung. 

► Bereits seit mehreren Jahren engagiert sich die Kölnerin für Klimagerechtigkeit, unter anderem bei Parents For Future.

► Von 2020 bis Dezember 2022 war sie Kölner Ratsmitglied für die Klima Freunde, dabei ist sie unter anderem in den Ausschüssen Ausschuss für Klima, Umwelt und Grün sowie dem Stadtentwicklungsausschuss Mitglied gewesen.

► Nach zwei Jahren im Rat wurde Gabrysch am 8. Dezember aus dem Rat freiwillig verabschiedet, weil sie ihr Mandat an Ngoc-Anh Gabriel abgibt. Sie wird jedoch weiterhin im Stadtrat-Team der Klima Freunde teilnehmen, heißt es.

Klima-Protest in der Ratssitzung Köln: Rednerpult kaputt – „das war es auf jeden Fall wert“

„Die Stadtverwaltung wird im Januar konkrete Angebote bei Fachfirmen einholen“, so der Pressesprecher weiter. Für die Reparatur will die Stadt jedoch nicht selbst aufkommen. „Die Kosten für die Reparatur werden dann Frau Gabrysch in Rechnung gestellt.“ Und die will auch bezahlen, wie sie gegenüber 24RHEIN erklärt.

„Selbstverständlich werde ich für die von mir verursachten Schäden aufkommen“, so Gabrysch. „Das ist beinahe so viel wie ich für zwei Monate als Stadträtin von der Stadt bekomme, und viel Geld für mich. Aber es ist nichts im Vergleich zu dem, worüber wir schon heute und erst recht in Zukunft an Klimafolgekosten reden.“ Dennoch würde die Kölnerin wieder so handeln, wie sie weiter sagt. „Wir haben keine Zeit mehr für ‚Weiter so‘. Darauf wollte ich mit meiner Aktion aufmerksam machen, und das war es auf jeden Fall wert.“

Klebe-Aktion im Kölner Rat: Kritik für Klima-Protest – „vollkommen unnötige Aktion“

Doch das sehen nicht alle so. Bereits nach der Klebe-Aktion gab es nicht nur Lob und Anerkennung. „Das war keine Sternstunde des Kölner Rats“, sagt FDP-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Breite im Gespräch mit 24RHEIN. „Wir waren entsetzt, dass man den Rat dafür missbraucht.“ Ähnlich sieht es auch CDU-Fraktionsvorsitzenden Bernd Petelkau: „Das war eine vollkommen unnötige Aktion.“ (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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