1. 24RHEIN
  2. Köln

Was die Stadt Köln 2022 erreichen möchte – Großprojekte, Wasserbus, 1000 Kita-Plätze

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martin Henning

Weihnachtseinkauf auf der Hohe Straße.
Die Stadt Köln will 2022 auch die Einkaufsstraßen beleben. © Rolf Vennenbernd/dpa

Die Stadt Köln hat ihr Arbeitsprogramm für das Jahr 2022 vorgestellt. Schwerpunktthemen sind der Klimaschutz, Kita-Plätze, große Bauprojekte und Verkehr.

Köln – Jede Stadt muss sich an dem messen lassen, was sie sich als Aufgabe setzt. Das gilt auch für Köln. Jetzt ist klar, welche Aufgaben das sind. Die Stadtverwaltung und Oberbürgermeisterin Henriette Reker haben ihr Arbeitsprogramm für das Jahr 2022 veröffentlicht.

Auch im neuen Jahr hält das Coronavirus die Stadt im Griff. Mitte Januar erreichten erste Stadtteile eine Inzidenz von über 1000. Vor diesem Hintergrund appelliert die Stadt erneut an ihre Bürger: „Die Impfung ist der Weg aus der Pandemie!“ Man tue alles, damit die Kölnerinnen und Kölner geschützt seien und weiterhin Freiheiten genießen könnten, so die Stadt. Darüber hinaus setzt sie für 2022 auf weitere Hauptthemen.

Köln: Was die Stadt 2022 schaffen möchte – Großprojekte, Wasserbus, 1000 Kita-Plätze

Köln 2022: Gesundheit – Corona-Impfung hat oberste Priorität

Die Stadt bezeichnet die Impfkampagne als „Mittelpunkt ihres Handelns“ und verweist auf ihre Erfolge. So seien im Dezember alleine am neuen Impfzentrum an der Lanxess-Arena täglich rund 1800 Menschen geimpft worden. Sonderaktionen wie die Corona-Impfung im Flugzeug sind auch 2022 im Bereich des Möglichen. Für mehr Sicherheit bietet die Stadt an den weiterführenden Schulen in Köln eine PCR-Lolli-Testung an. 60 der 133 weiterführenden Schulen nehmen das Angebot laut Stadt derzeit wahr.

Doch die Stadt denkt auch schon über die Pandemie hinaus. Mit dem Projekt „Gesundheitsamt der Zukunft“ möchte sie ein Konzept erarbeiten, wie der öffentliche Gesundheitsdienst in Köln sich nach dem Coronavirus verbessern kann – zum Beispiel durch mehr Bürgernähe und mehr qualifiziertes Personal.

Übrigens: Laut Stadt besteht das Team zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aus rund 1.100 Personen. Und: „Im Rahmen der Amtshilfe unterstützen derzeit 54 Soldat*innen der Bundeswehr das Index- und Kontaktmanagement“, sagt die Verwaltung.

Köln 2022: Mega-Bauprojekte – Kreuzfeld, Deutzer Hafen und Parkstadt Süd

Eine Luftaufnahme von Köln Raderberg. Zu sehen ist die Großmarkthalle und die Rodenkirchener Brücke.
Die Großmarkthalle in Köln wurde während des Zweiten Weltkriegs errichtet. Nun soll der Großmarkt umgesiedelt werden. (Archivbild) © APress/Imago

Bis 2040 soll Köln um 70.000 Einwohner wachsen. Die Stadt muss daher viel in den Bau neuer Viertel investieren. Mit Kreuzfeld entsteht sogar ein völlig neuer Stadtteil. Nachdem erste Entwürfe zur „Gartenstadt der Zukunft“ vorgestellt wurden, beginnt die Verwaltung im zweiten Quartal 2022 mit der Integrierten Planung. Dabei werden die Themen Städtebau, Freiraum, Umwelt und Verkehr verbunden und aufeinander abgestimmt. Ende 2022 soll die Planung abgeschlossen sein.

Am Deutzer Hafen finden bereits erste Bauarbeiten statt. 2022 sollen das Mobilitätskonzept und der Bebauungsplan fertig werden.

Beim Projekt Parkstadt Süd werden derzeit einige Bestandsgebäude zurückgebaut, um die Flächen für die zukünftigen Gebäude vorzubereiten. Der Pionierpark und der Pionierpfad sollen 2022 fertig werden. Die Stadt sucht in einem EU-weiten Ausschreibungsverfahren ein Planungsbüro für die Erarbeitung der Teilbebauungspläne. Außerdem kommt eine Arbeitsgruppe zusammen, um bei der Verlegung des Großmarktes nach Marsdorf die nächsten Schritte abzustimmen. Zuletzt gab es dort wegen einer Entscheidung der Kölner Grünen und CDU mächtig Zoff.

Ebenfalls auf dem Zettel stehen die Bauprojekte Max-Becker-Areal, Mülheim Süd und Rondorf Nord-West.

Köln 2022: Wohnen – mehr bezahlbarer Wohnraum

Wohnen wird auch in Köln immer teurer. Deshalb wird das Wohnungsunternehmen GAG, das mehrheitlich im Besitz der Stadt ist, in diesem Jahr 200 Millionen Euro in die Modernisierung und den Zubau von bezahlbarem Wohnraum investieren. Die Hälfte davon soll in öffentlich geförderten Wohnraum fließen, „mindestens 1.000 miet- und preisgebundene Wohneinheiten“ sollen daraus entstehen.

Um gezielt mehr Wohnungs- und Arbeitsraum zu schaffen, entwickelt die Stadt den sogenannten „Köln Katalog“, einen Leitfaden für das effiziente Erschließen von Wohnraum. Sie möchte außerdem eine Beratungsstelle für gemeinschaftliche Wohnbauprojekte einrichten.

Köln 2022: Klimaschutz – auf die Sonne setzen

Köln will bis 2035 klimaneutral werden – und damit fünf Jahre früher als NRW. Dafür investiert die Stadt in diesem Jahr 76 Millionen Euro. Im zweiten Halbjahr soll eine „gesamtstädtische Klimaneutralitätsstrategie“ vorgelegt werden, die die Richtung für zukünftige politische Entscheidungen definiert. Kölnerinnen und Kölner sollen ermutigt werden, in Solarpanels zu investieren und zu sanieren – mithilfe spezieller Förderungsprogramme.

Auch die Stadt selbst möchte die Nutzung von Solarenergie ausbauen. In einem ersten Schritt sollen 105 Dächer in Stadtbesitz mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Auch sogenannte Floating-Photovoltaik-Anlagen und Photovoltaik-Anlagen auf versiegelten Freiflächen sind im Gespräch. Noch im ersten Quartal 2022 werden „Leitlinien zum Klimaschutz in der Umsetzung nicht-städtischer Neubauvorhaben“ vorgelegt.

Bauunternehmen, die auf Gewerbegrundstücken bauen, sollen mit unbürokratischen und transparenten Vergabekriterien dazu ermutigt werden, klimafreundlich Arbeitsraum zu schaffen. Außerdem soll ab diesem Jahr systematisch erfasst werden, welche Flächen in Köln entsiegelt werden können.

Die Verwaltung hat bis zum Sommer Zeit, einen Strategieplan mit Sofortmaßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels zu entwickeln. Eine Stadtklimasimulation soll klären, wie sich bis zum Jahr 2100 Hitzeszenarien entwickeln können, in diesem Zusammenhang ist auch ein Hitzeaktionsplan für Menschen über 65 geplant. Außerdem soll die Artenvielfalt in Köln gestärkt und bei Neubau und Erweiterung von Gebäuden verstärkt auf Holz gesetzt werden.

Köln 2022: Sicherheit – Neumarkt, Zülpicher Platz und Wiener Platz im Blick

Eine Frau geht mit einem Kind an der Hand am Brunnen am Neumarkt in Köln vorbei.
Auch früher gab es in Köln am Neumarkt schon einen Brunnen. (Archivbild) © Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, Stadt Köln

Im letzten August wurde ein 18-Jähriger auf der Zülpicher Straße mit einem Messer getötet. Fälle wie dieser – dazu das zunehmende Aggressionspotenzial bei bestimmten Feiergruppen und die Drogenszene – verstärken bei vielen Kölnerinnen und Kölnern das Unsicherheitsgefühl. Die Stadt möchte deswegen die Aufenthaltsqualität an „Plätzen mit besonderem Handlungsbedarf“ erhöhen. Dazu gehören neben dem Zülpicher Platz der Neumarkt, die Ringe und der Wiener Platz.

Der Neumarkt gilt vor allem wegen der hohen Drogenproblematik als unsicher. Das soll sich ändern. 2022 sollen der Brunnen am Neumarkt wiedereröffnet, ein Drogenkonsumraum im Gesundheitsamt eingerichtet und mehr Sitzgelegenheiten installiert werden.

Der Ordnungsdienst sieht sich laut Stadt immer häufiger Attacken ausgesetzt. Hier möchte die Stadt ihr Personal verstärken und zieht daher in ein Gebäude auf der Aachener Straße um, das Platz für 36 Ausbildungsplätze hat. Den Schwerpunkt seiner Kontrollen soll der Ordnungsdienst 2022 verstärkt auf Wettbüros legen – um die Einhaltung des neuen Glückspielstaatsvertrags zu überprüfen.

Außerdem will die Stadtverwaltung durch ganzjährige Öffentlichkeitskampagnen und Fachtagungen auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.

Köln 2022: Verkehr – Modernere KVB und Wasserbusse auf dem Rhein

Die Skyline von Rotterdam mit einem Wasserbus, links das Unilever Bürogebäude De Bruk.
Ein Wasserbus in Rotterdam. Das Verkehrsmittel könnte bald auch in Köln eingesetzt werden. © Jochen Tack/Imago

Um Verkehrsprojekte schneller umzusetzen, hat die Stadt zwei neue Ämter geründet: Das Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung und das Amt für Straßen und Radwegebau. Alleine für die Sanierung von Radwegen investiert die Stadt 2022 nach eigenen Angaben 20 Millionen Euro.

Die Stadt gibt in diesem Jahr eine Machbarkeitsstudie für ein Express-Bus-Netz in Auftrag. Außerdem legt sie Mitte des Jahres ein Arbeitsprogramm für ein Wasserbussystem auf dem Rhein vor. Nicht nur die Haltestellen, sondern auch das Liniennetz der KVB wird verlängert – sowohl nach Rondorf und Meschenich als auch auf der Ost-West-Achse. Und auch beim Bau der Nord-Süd-Bahn geht es voran, 2022 hat die 3. Baustufe begonnen.

Weitere Ziele: Förderung von Lastenrädern, Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, sechs induktive Ladestationen für E-Taxis nahe des Kölner Hauptbahnhofs, 50 Standorte mit KVB-Leihrad-Stationen in den Kölner Außenbezirken.

Köln 2022: Gesundheit – auf dem Weg zur Metropole

„Gesundheitsmetropole Köln“ – unter diesem Motto investiert die Stadt in die Gesundheitsversorgung. „Zukunft der Pflege“ ist der Name eines Projekts, mit dessen Hilfe mehr Fachkräfte in der Altenpflege gewonnen werden sollen.

Außerdem plant die Verwaltung, einen Verbund der Kölner Kliniken („Universitäres Gesundheitscluster Köln“) zu gründen, um die Gesundheitsversorgung zu optimieren. Teil dieses Plans ist es auch, ein gemeinsames Aus-, Fort- und Weiterbildungszentrum für Pflegeberufe und 2.300 Personen zu schaffen.

Köln 2022: Sport – mehr als nur der FC

Die Stadt will 2022 zeigen: Es gibt mehr als nur den 1. FC Köln und die kleinen Schwestern Viktoria und Fortuna. Vom 1. bis zum 7. September finden insgesamt 15 Vorrundenspiele statt, darunter auch die mit deutscher Beteiligung. Zwischen dem 16. und 18. September 2022 werden erstmalig die Fußball-Inklusionstage auf dem Roncalliplatz veranstaltet, die auch das Finale der Blindenfußball-Bundesliga üebtragen.

Köln 2022: Bildung – 1000 neue Kita-Plätze sollen Lage entspannen

Auch das Thema Bildung ist ein Schwerpunkt der Stadt im Jahr 2022. Insgesamt 334 Millionen Euro stellt sie für Neubauprojekte im Schulbau bereit, 71 Millionen Euro für Sanierungen. Dazu startet sie ein zweites Sonderprogramm mit einem Investitionsvolumen von rund 1,7 Milliarden Euro, mit dem 49 Einzelprojekte realisiert werden sollen. Nach eigenen Angaben hat die Stadt mit ähnlichen Projekten bereits „22.000 Schulplätze gesichert oder neu geschaffen“.

Köln 2022: Digitale Transformation – bessere Ausstattung an Schulen

Wesentlicher Punkt ist auch die digitale Transformation. Dafür wird die Ausstattung an den Schulen wesentlich verbessert:

Erneut verfolgt die Stadt das Ziel, in einem Jahr 1000 neue Kita-Plätze zu schaffen. 2020 setzte man nur etwas mehr als die Hälfte um, 2021 kamen 970 neue Plätze hinzu. Für 2022 rechnet die Stadt mit 1080 neuen Plätzen. Außerdem sollen 18 neue Kitas gebaut werden.

Köln 2022: Denkmal soll entstehen – an der Keupstraße

Impression aus der Keupstraße in Köln Mülheim.
In der Keupstraße soll ein Denkmal zur Erinnerung an den NSU-Anschlag aufgestellt werden. © Christoph Hardt/Imago

Zudem soll der Startschuss für den Bau eines Denkmals an der Keupstraße fallen, das an den Anschlag des NSU erinnert.

Köln 2022: Einzelhandel – Einkaufsstraßen und Einkaufszentren soll wiederbelebt werden

Zwar war die Schildergasse im vergangenen Herbst die meistbesuchte Einkaufsstraße Europas. Trotzdem täuscht das nicht darüber hinweg, dass – vor allem während der Corona-Pandemie – immer mehr Menschen ihre Einkäufe online erledigen. Das trifft vor allem die Einzelhändler vor Ort. Die Stadt Köln will deswegen Maßnahmen ergreifen, um die Attraktivität der Zentren und Einkaufsstraßen wieder zu erhöhen.

2022 sollen zusammen mit den Interessensgemeinschaften mehrere Pilotprojekte in unterschiedlichen Veedeln umgesetzt werden. Mithilfe des Sofortprogramms des Landes NRW zur Stärkung der Innenstädte und Zentren werden konkret drei Zentren gefördert und entwickelt: Porz, Kalk und Ehrenfeld. (mah) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant