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Stadt richtet Online-Meldestelle für Antisemitismus in Köln ein

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Von: Nina Büchs

Ein Teilnehmer der Gedenkveranstaltung am Hannoverschen Bahnhof in Hamburg trägt eine Kippa mit dem Davidstern.

In Köln wurde nun eine Meldestelle eingerichtet, bei der Menschen antisemitische Vorfälle in Köln online melden können. © Christian Charisius /dpa

Wie äußert sich Antisemitismus in Köln? Das ist nur eine Frage, der Daniel Vymyslicky in der neuen Fachstelle für antisemitische Vorfälle nun nachgehen will.

Köln – Anfang Februar machte Samy Ahrens, Mitglied der jüdischen Gemeinde, auf Twitter auf einen antisemitischen Flyer aufmerksam, den ein Bekannter von ihm in einer KVB-Stadtbahnlinie gefunden haben soll. Der Flyer löste bei der Community große Bestürzung aus, sogar Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker teilte den Beitrag auf Twitter. Der Staatschutz hat die Ermittlungen übernommen, bislang ist jedoch unklar, wer den Hetz-Flyer ursprünglich verbreitet hat und wo genau er tatsächlich verteilt wurde. Klar ist aber: Vorfälle wie diese gibt es nicht nur in Köln. Tatsächlich ist Antisemitismus ein immer weiter wachsendes Problem. Köln hat nun reagiert und eine eigene Meldestelle eingerichtet, um antisemitische Vorfälle in Zukunft besser erfassen und dokumentieren zu können.

Meldestelle für Antisemitismus: Darauf zielt die Arbeit der neuen Fachabteilung ab

Daniel Vymyslicky ist einer von zwei Mitarbeitern, der in der neuen Fachstelle antisemitische Vorfälle in Köln dokumentieren wird. Die Fachstelle sitzt im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln und befindet sich in städtischer Trägerschaft. „Meine Arbeit beinhaltet, antisemitische Vorfällen in Köln zu recherchieren. Zudem werte ich die Vorfälle aus, die uns über die Meldestelle unter antisemitmus-melden.koeln erreichen. Damit wird es auch möglich sein, Berichte und Statistiken zu Antisemitismus in Köln zu erstellen“, erzählt Vymyslicky 24RHEIN. Erst dann könne wissenschaftlich gezeigt werden, wie sich Antisemitismus in Köln äußert, welche Erscheinungsformen in der Stadt besonders häufig auftreten und wie das Problem tatsächlich bekämpft werden kann.

Das passiert, wenn Sie einen Vorfall bei der Meldestelle gemeldet haben

Nach der Meldung auf der Homepage „antisemitismus-melden.koeln“ werden Sie von der Fachabteilung kontaktiert, um Verständnisfragen zu klären. Wenn die Person, die den Vorfall gemeldet hat, damit einverstanden ist, wird dieser zudem der Polizei gemeldet. Auch eine psychosoziale, juristische, Anti­diskriminierungs-, Opfer- oder Prozessberatung kann auf Wunsch vermittelt werden.

Bisher wurden antisemitische Vorfälle in Köln nur bei der Polizei gemeldet. Ermittelt wurde aber nur bei den Vorfällen, die auch einen Straftatbestand erfüllen. Doch im Alltag werden Juden und Jüdinnen auch häufig mit Antisemitismus konfrontiert, der keinen juristischen Straftatbestand erfüllt, so Vymyslicky. Diese Vorfälle werden dann weder von der Polizei, noch von einer anderen Stelle erfasst. Oft kommt es auch vor, dass antisemitische Straftaten aus verschiedenen Gründen von den Betroffenen gar nicht erst angezeigt werden.

Neben dem antisemitischen Flyer gab es in Köln kürzlich auch einen anderen, rassistisch motivierten Vorfall. Am 22. Februar hatten Unbekannte Plakate abgerissen, die an die Opfer von Hanau erinnern sollen. Auch hier hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Antisemitische Vorfälle sind in den letzten Jahren stark angestiegen

Tatsächlich ist Antisemitismus in den letzten Jahren stark angestiegen. Laut dem Bundesinnenministerium wurden in Deutschland 2020 zum Beispiel 2.275 antisemitische Straftaten gemeldet, 2015 waren es noch 1.366, also fast 1.000 Straftaten weniger. Ein Überblick:

Gemeldete Antisemitische Straftaten in Deutschland

JahrGemeldete Straftaten
20202.275
20192.032
20181.799
20171.504
20161.468
20151.366

Aufruhr erzeugte im Jahr 2019 auch der Rat des Antisemitismusbeauftragten Felix Klein der Bundesregierung. Er hatte Juden dazu geraten, ihre Kippa nicht überall in Deutschland öffentlich zu zeigen. (nb)

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