Michael Hallek kritisiert Politik

Kölner Arzt mit deutlichen Worten bei Anne Will: „Wir haben keine Zeit“

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Prof. Dr. Michael Hallek, von der Uniklinik Köln, forderte die Politiker zur schnellen Umsetzung einer einheitlichen Pandemiebekämpfung auf. (Archivbild)
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Der Mediziner Michael Hallek aus Köln kritisierte am Sonntag in der ARD-Sendung Anne Will, dass die Politik zu lange brauche, um einheitliche Corona-Maßnahmen umzusetzen.

Köln – Am Sonntag kamen in der ARD Sendung „Anne Will“ Politiker zusammen, um über die Pandemiebekämpfung und die bundesweite Notbremse zu diskutieren. Aus Köln war auch Prof. Dr. Michael Hallek, Direktor der Inneren Medizin an der Uniklinik Köln, zugeschaltet. Dabei schilderte er nicht nur die dramatische Lage auf den Intensivstationen, sondern stellte auch klare Forderungen an die Regierung.

Kölner Mediziner in der ARD: „Zwei Drittel der Krankenhäuser mit Intensivstationen nicht mehr aufnahmefähig“

„Ich habe heute wieder Visite gemacht, wie ich das jeden Sonntag tue. Dabei hab ich viele Patienten gesehen, die auf den Intensivstationen unseres Klinikums um ihr Leben kämpfen oder die Angst haben, dass sie nicht mehr genug Luft kriegen“, schilderte Hallek die Situation zu Beginn der Sendung. Schon in den ARD-„Tagesthemen“ warnte er vor einer Woche vor einer „Triage“, die bald einsetzen würde, wenn die Infektionszahlen nicht sinken. „Wir haben in Deutschland etwa 5.000 Menschen auf den Intensivstationen, etwa zwei Drittel sämtlicher Krankenhäuser mit Intensivstationen sind nicht aufnahmefähig“, sagte der Mediziner Michael Hallek am Sonntag.

Arzt Michael Hallek aus Köln: „Die beste Medizin ist die Prävention, nicht das Reparieren, wenn es zu spät ist“

„Was uns Mediziner bedrückt und auch erzürnt, ist, dass wir seit Anfang Januar vor der jetzigen Entwicklung warnen. Wir sind besorgt, dass die Situation abermals zu langsam bekämpft wird und deswegen viele Menschen leiden und sterben müssen“, so Hallek in der Sendung von Anne Will. Die Aufgabe der Ärzte sei es, so der Mediziner, die Gesundheit der Menschen zu erhalten. „Und die beste Medizin ist immer die Prävention, nicht das Reparieren, wenn es zu spät ist“, brachte es der Arzt aus Köln auf den Punkt.

Arzt aus Köln bei Anne Will: „Demokratie ist nicht mehr in der Lage, mit der Pandemie zurechtzukommen“

Während sich die Gäste Christian Lindner (FDP), Peter Altmaier (CDU), Karin Göring-Eckert (Bündnis 90/Die Grünen), Michael Müller (SPD) und Melanie Amann, Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, in der Sendung mit Anne Will eine hitzige Diskussion nach der anderen lieferten, hat der Kölner Mediziner die Nase gestrichen voll. „Wir haben keine Zeit für ein Gesetzgebungsverfahren, das dann in drei Wochen noch nicht entschieden ist“, prangerte der Arzt an, der sich auch in einer „No-Covid-Gruppe“ engagiert.

Mit einem Satz traf er die Politiker dabei hart: „Wir haben in den Krankenhäusern das Gefühl bekommen, dass unsere Demokratie nicht mehr in der Lage ist, mit der Pandemie so zurechtzukommen, dass sich Menschen sicher fühlen“, so Hallek. Es sei deshalb dringend notwendig, dass die Politiker das Vertrauen in die Demokratie wieder herstellen. Dies könne nur erreicht werden, wenn man das Gefühlt hat, dass die demokratischen Parteien in einer Krise wie dieser gemeinsam an einem Strang ziehen und sich nicht gegeneinander arbeiten, weil die Kanzlerwahl bevorsteht, sagte Hallek.

Michael Hallek bei Anne Will in der ARD: Politiker sollen sich nicht mit Kleinigkeiten aufhalten

Michael Hallek fordert nun, dass sich die Politik im Hinblick auf die einheitlichen Regeln zur Notbremse schnell entscheidet. Es komme nicht immer auf jede Kleinigkeit an. Damit meint er unter anderem die Debatte zum Thema Ausgangssperre. Es wäre nicht entscheidend, dass eine Sache gemacht wird und die andere nicht, sondern das man viele Dinge umsetzt, so Hallek.

Als Beispiel für gute Pandemiebekämpfung führte der Mediziner dabei den britischen Premierminister Boris Johnson an. Mit seiner Strategie, bei der unter anderem auch eine Ausgangssperre eingeführt wurde, habe er die Inzidenz nun auf unter 30 senken können und damit die Mutation B.1.1.7 in die Knie gezwungen, so Hallek.

Diese Gäste diskutierten in der Sendung von Anne Will am 18. April:

  • Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)
  • FDP-Chef Christian Lindner
  • Michael Müller, amtierender Bürgermeister von Berlin (SPD)
  • Grünen-Fraktionschefin Karin Göring-Eckardt
  • Melanie Amann, Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros
  • Michael Hallek, Leiter für Innere Medizin an der Uniklinik Köln

(nb)

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