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Ausgangssperre auch in Köln in Sichtweite – doch Aerosolforscher üben Kritik

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Von: Nina Büchs

Mitarbeiter des Ordnungsamts kontrollieren in einem Park in Köln die Einhaltung der Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus.

Schon bald könnte es auch in Köln zu einer Ausgangssperre kommen (Symbolbild). © Marius Becker/dpa

Schon bald könnte auch in Köln eine Ausgangssperre kommen. Der Krisenstab will am Freitag darüber beraten. Doch wie wirksam ist die Maßnahme wirklich?

Köln – Die Bundesregierung will einheitlichere Regeln im Kampf gegen das Coronavirus durchsetzten. Der neue Gesetzesentwurf sieht dabei vor, dass in Regionen, in denen die Inzidenz drei Tage in Folge über 100 liegt, ohne Ausnahme die Notbremse gelten soll. Auch Ausgangssperren von 21 bis 5 Uhr morgens müssen damit dann verbindlich durchgesetzt werden.

Damit ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Gesetz, dem der Bundestag noch zustimmen muss, auch in Köln greift. Eine Stadt-Sprecherin sagte dazu gegenüber 24RHEIN: „Die Stadt Köln ist derzeit im Austausch mit dem Land und der Polizei, um abzustimmen, wie wir eine Ausgangssperre, wenn sie kommt, in Köln wirksam durchsetzen. Der Krisenstab wird sich am Freitag damit befassen.“ Die Meinungen, ob diese Maßnahme tatsächlich sinnvoll ist, gehen jedoch auseinander – so übten nun zum Beispiel auch Aerosolforscher an der Ausgangssperre Kritik.

Köln: Krisenstab berät über Ausgangssperre – Aerosolforscher sehen die Maßnahme kritisch

In Köln spitzt sich die Corona-Lage unterdessen weiter zu. So ist dort die Inzidenz erneut angestiegen – sie liegt nun sogar bei knapp 157. Auch lokale Kliniken und Krankenhäuser schlugen in dieser Woche Alarm, denn sollte die Situation nicht besser werden, drohe schon bald eine Unterversorgung, hieß es. Ob die Ausgangssperre nun dazu beitragen könnte, die Corona-Zahlen in der Domstadt am Rhein zu senken? Das und das weitere Vorgehen will der Krisenstab der Stadt Köln besprechen. Bislang gilt die Ausgangssperre schon in einigen NRW-Regionen, darunter in Remscheid und in Hagen.

Spätestens dann, wenn das neue Gesetz der Bundesregierung verabschiedet wird, müssen sich die Kölnerinnen und Kölner aber auf nächtliche Ausgangssperren einstellen. Doch ist die Maßnahme tatsächlich zielführend? Aerosolforscher sind diesbezüglich anderer Meinung. In einem offenen Brief teilten Sie mit: „Die Übertragung der SARS-CoV-2 Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt. Übertragungen im Freien sind äußerst selten und führen nie zu ‚Clusterinfektionen‘, wie das in Innenräumen zu beobachten ist.“

Sie prangern an, dass entgegen der wissenschaftlichen Erkenntnis noch immer die Meinung gelte, dass es „draußen gefährlich“ sei. Kritik übten die Forscher deshalb an den Maßnahmen, Treffen in Parks zu verbieten, das Main- oder Rheinufer zu sperren und Innenstädte und Ausflugsziele für den Publikumsverkehr abzuriegeln. „Wir teilen das Ziel einer Reduzierung problematischer Kontakte in Innenräumen, aber die Ausgangssperren versprechen mehr als sie halten können. Die heimlichen Treffen in Innenräumen werden damit nicht verhindert, sondern lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehrzu entziehen“, so die klare Meinung der Wissenschaftler.

Kölner Politiker Karl Lauterbach: „Ausgangssperre vermeidet wahrscheinlich abendliche Treffen drinnen“

Der Kölner Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) sieht das anders. Auf Twitter teilte er mit: „Studien zeigen, ob man das will oder nicht, dass Ausgangsbeschränkungen wirken. Sie vermeiden wahrscheinlich abendliche Treffen drinnen.“ Er teilte außerdem einen Beitrag des Spiegel zu dem Thema. Dort ist unter anderem zu lesen, dass Forscher der University of Oxford zu dem Ergebnis kamen, dass mit nächtlichen Sperrstunden der R-Wert um 10 bis 20 Prozent gesenkt werden kann. Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Forschung die Wirksamkeit von 17 verschiedenen Maßnahmen in sieben europäischen Ländern während der zweiten Welle der Pandemie.

Was bedeutet der „R-Wert“?

Die Reproduktionszahl (R-Wert) gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt. (Quelle: RKI)

(nb)

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