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Außengastro in Köln: „Bei dieser Schikane fällt einem nur noch die Kinnlade runter“

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Von: Johanna Werning

Ein Tisch einer Außengastronomie am Rheinufer in Köln. In einem kleinen Kreis: Ein Foto von Bezirksbürgermeister Andreas Hupke.
Das städtische Verhalten in Bezug auf die Außengastronomie in Köln bezeichnet Hupke als Schikane. (IDZRW-Montage) © Eibner/Imago & Future Image/Imago

Der Ärger rund um die Außengastro in Köln geht weiter: „Man muss jetzt wirklich etwas machen“, sagt Bezirksbürgermeister Hupe. Er spricht von Schikane.

Köln – Eigentlich gibt sich Köln gerne als bunte Stadt. Erst kürzlich wurde Köln mit dem goldenen Preis als „Europäische Hauptstadt für Vielfalt und Integration“ ausgezeichnet. Doch der Slogan „Wir ♥ Vielfalt“ gilt wohl nicht für Tische, Stühle oder Schirme der Kölner Außengastro. Denn hier gibt es teilweise besonders strenge Regeln. Festgelegt sind die Vorgaben im sogenannten Gestaltungshandbuch der Stadt. Und das sorgt immer wieder für Ärger zwischen den Gastrobetreibern und dem Ordnungsamt, das die Einhaltung der Vorgaben kontrolliert.

Köln: Ärger um Außengastro geht weiter – Hupke spricht von Schikane der Stadt

Und auch Andreas Hupke, Bezirksbürgermeister der Kölner Innenstadt, kann das Verhalten der Stadt nicht verstehen. „So viel Leid durch die Verwaltung, weil sie nicht das Primat der Politik akzeptiert“, sagt der Grünen-Politiker im Gespräch mit 24RHEIN. Seit 2004 ist er Bezirksbürgermeister, „aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Das ist das härteste preußische Amtsschimmeltum – da hat nicht einmal Bismarck von geträumt.“

Ärger zwischen Restaurant-Betreibern und Stadt

► 2017 wurde das Gestaltungshandbuch der Stadt Köln erlassen. Auf 157 Seiten ist festgelegt, was im öffentlichen Raum der Stadt erlaubt ist – und was nicht. Vor allem für den Außenbereich von Restaurants und Café gibt es in besonderen Bereichen grundsätzliche Regeln für Tische, Stühle, Schirme und sogar Blumentöpfe.

► In letzter Zeit gibt es viel Ärger wegen der strengen Regen zwischen Gastrobetreibern, Stadtverwaltung und dem Ordnungsamt, das die Einhaltung der Regeln kontrolliert. Während Kaffeesaurus-Inhaber Rafet Aydogdu seine bunten Stühle am Friesenplatz entfernen musste, wird die Torburg in der Südstadt wegen zwei zu großer Schirme kritisiert.

„Das Ordnungsamt loszuschicken und völlig überholte und primitive ästhetische Kriterien zu kontrollieren – das ist erschreckend. Das gibt Wasser auf die Mühlen des Demokratieverdrusses“, so Hupke. Für den Kölner ist klar: So geht es nicht weiter, immerhin ist die Gastronomie ein Kulturgut. „Bei dieser Schikane fällt einem nur noch die Kinnlade runter. Da muss man jetzt wirklich etwas machen.“

Sein Vorschlag: „Stadt, DEHOGA, IG Gastro und Politik müssen sich zusammensetzen.“ Die Verwaltung müsse endlich ein offenes Ohr haben. Doch damit nicht genug. „Ich überprüfe jetzt, rechtlich gegen die Stadt vorzugehen“, sagt Hupke weiter. Denn Beschlüsse und Entscheidungen der Politik seien von der Verwaltung nicht umgesetzt worden.

Köln: Ärger um Außengastro geht weiter – laut Bezirksbürgermeiter keine Einzelfälle

Dass es sich bei den Beschwerden und Vorfällen außerdem lediglich um Einzelfälle handelt – wie die Stadt betont – glaubt der 72-Jährige nicht. „Allein ich habe in den letzten drei Wochen 15 Meldungen von besorgten Gastrobetreibern bekommen.“

Und das dürfte laut Hupke nur die Spitze des Eisbergs sein. „Viele haben ja auch Angst, gegen die Stadt und das Ordnungsamt vorzugehen.“ Die Befürchtung, so der Bezirksbürgermeister: Die Gastrobetreiber können ihre Sondernutzungserlaubnis nicht mehr verlängern, wenn sie gegen Ordnungsamt und Stadt vorgehen. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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