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„Überall ist es bunt, nur in Köln ist das wieder verboten“ – Kölner Wirte sauer

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Von: Johanna Werning

Leere Tische und bunte Stühle vor einem Gastro-Betrieb.
In Köln gibt es für die Tische und Stühle bei der Außengastronomie strenge Regeln (Symbolbild) © Arnulf Hettrich/Imago

Ganz schön skurril: In Köln dürfen Tische, Stühle und Bänke in der Außengastronomie nicht zu bunt sein. Und auch die Anordnung ist im Gestaltungshandbuch genau festgelegt. 

Köln – Die Stadt Köln ist bekannt für ihre bunte Vielfalt – und zwar nicht nur in den zwei Wochen rund um die „Cologne Pride“. Köln schmückt sich damit ganzjährig. Doch das bunte Farbenmeer gilt offenbar nicht für Stühle, Tische und Schirme in den Kölner Gastro-Betrieben. Erlaubt ist dort lediglich ein „tristes Grau“, erklärt Daniel Rabe, Vorstandsmitglied der IG Gastro und Kölner Gastronom. Aber warum ist das so?

IG Gastro

Die IG Gastro ist ein Kölner Verein, der sich für die Gastrobetriebe in Köln einsetzt. Gegründet wurde er Anfang 2020. Ziel: ein Sprachrohr für die Gastronomie und ein enger Austausch zur Stadt Köln. Die IG Kölner Gastro hat aktuell etwa 230 Mitglieder.

Köln: Strenge Regeln für Stühle, Tische und Schirme – festgelegt im Gestaltungshandbuch

Die Stadt Köln hat für den öffentlichen Raum bestimmte Regeln erlassen. Festgelegt ist das im sogenannten Gestaltungshandbuch der Stadt. Einerseits soll so die Barrierefreiheit durchgesetzt und ein einheitliches Design für Schilder festgelegt werden, andererseits soll das Stadtbild in Köln dadurch profitieren.

„Der öffentliche Raum ist die Visitenkarte einer Stadt. Kölns Stadträume sollen von einem ruhigen und geordneten Untergrund geprägt sein, um der bunten und lebendigen Vielfalt der Nutzungen als Bühne dienen zu können“, heißt es unter anderem. Auch für Kneipen, Bars und Restaurant wurde dabei genau festgelegt, wie die jeweiligen Außenbereiche aussehen soll.

Das Gestaltungshandbuch in Köln

Im Rat wurde im Dezember 2017 beschlossen, dass es ein Gestaltungshandbuch geben soll. Dadurch soll „der Prozess einer Entwicklung hin zu mehr Qualität des öffentlichen Raumes auf die Gesamtstadt ausgedehnt“ werden, heißt es in der Ausgabe vom April 2018.

Auf 157 Seiten ist in dem Gestaltungshandbuch festgelegt, wie die jeweiligen öffentlichen Räume aussehen sollen. Von Schildern über Mülltonnen bis zu Möbeln – samt geltendem Abstand.

Gestaltungshandbuch in Köln: „Jede Mülltonne, jeder Tisch und jeder Stuhl muss passen“

Doch die „bunte und lebendige“ Vielfalt schließt bunte Möbel in Köln aus – zumindest für bestimmte Bereiche. „Das Gestaltungsbuch gilt für bestimmte Plätze. Jede Mülltonne, jeder Tisch und jeder Stuhl muss da dann passen“, so Rabe im Interview mit 24RHEIN weiter. Gerade in den Bereichen in Köln-Innenstadt gelten strenge Regeln, da diese Zonen „besonders stark von Fußgängern frequentiert werden“, heißt es im Gestaltungshandbuch.

Aber wie genau sollen die Möbel nun aussehen? „Wichtig für das Mobiliar ist, dass eine einheitliche Farbe möglichst das gesamte Mobiliar zurückhaltend und klar gestaltet“, so die Stadt. „Der für Stadtmobiliar seit Jahrzehnten in Köln angewandte Farbton DB 703 soll vor allem in den Räumen mit einer besonderen städtischen Bedeutung für möglichst alle Elemente im öffentlichen Raum angewandt werden.“ Bei DB 703 handelt es sich um ein dunkles Grau, ähnlich wie Anthrazit.

„Rechtlich ist es zwar richtig, aber schön ist es nicht“, fasst Rabe die Regelung zusammen. Die Einhaltung des Farbtons wird dabei immer mal wieder vom Ordnungsamt kontrolliert.

Gestaltungshandbuch in Köln: Die skurrilsten Verordnungen

Köln: Keine bunten Möbel vor Cafés und Bars – Ordnungsamt kontrolliert

Das musste zuletzt auch das Café „Kaffeesaurus“ auf die harte Tour lernen. 15 Tische und 40 bis 50 Stühle hat Cafébesitzer Rafet Aydogdu verschenkt, weil die Stadt die bunten Stühle auf dem Friesenplatz verboten hat. Davon kann auch Daniel Rabe als Gastronom ein Liedchen singen. „Auch uns wurden schon einmal bunte Tische verboten“, so der Kölner, der unter anderem die „Bagatelle Bar“ betreibt. „Wenn man nach Berlin oder sonst wo hinguckt, ist es immer bunt, nur in Köln ist das wieder verboten.“

Mehr als schade: „Köln ist bunt und toll – auch durch die vielen Betriebe, die einen kulturellen Beitrag leisten“, so Rabe weiter. Die „farblosen“ Tische und Stühle passen da nicht wirklich. „Das ist noch nicht schön.“ Außerdem haben die Kölner Gastro-Betriebe „gerade während der Corona-Pandemie andere Sorgen“.

Köln: Keine bunten Möbel vor Cafés und Bars – Ratsleute haben sich „dafür entschuldigt“

Und auch die städtischen Vertreterinnen und Vertreter können die festgelegte „Farblosigkeit“ des Gestaltungshandbuchs offenbar nicht mehr ganz nachvollziehen. „Es haben sich parteiübergreifend Leute dafür entschuldigt“, erklärt das Vorstandsmitglied der IG Gastro weiter. Aber dennoch: Die skurrilen Regeln des Gestaltungshandbuchs gelten auch weiterhin für Kneipen, Bars und Restaurants in Köln. (jw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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