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Köln: Autofreie Innenstadt? Kölner Parteien fordern Verkehrswende

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Von: Johanna Werning

Die Deutzer Brücke in Köln. (V.l.n.r) Bürgersteig, Radstreifen mit zwei Fahrradfahrern, zwei Autostreifen und KVB-Gleise
Der Kölner Stadtrat beratschlagt über eine Verkehrswende (Symbolbild) © Olaf Döring/Imago

In Köln könnte der Autoverkehr bald nur noch eingeschränkt stattfinden. Die Kölner Politik fordert ein neues Straßen-Grundnetz. Viele Straßen sind dann für Autos verboten.

Köln – Verstopfte Straßen, Gedrängel und Autohupen könnten in Köln schon bald der Vergangenheit angehören – zumindest teilweise. Denn die Faktionen Bündnis 90 / Die Grünen, die CDU und die VOLT-Partei stellen in der Ratssitzung des 24. Junis einen Antrag auf „ein neu definiertes Grundnetz für den Motorisierten Individualverkehr“ (MIV). Autos hätten in der Kölner Innenstadt dann nur noch wenig zu suchen. Stattdessen sollen die Straßen frei für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer und das Kölner Leben sein. Aber wie soll die Verkehrswende 2.0 überhaupt aussehen?

Köln: Straßenverkehr soll nur noch in bestimmten Korridoren stattfinden

Das gemeinsame Vorhaben der Kölner Politik ist es, dass das gesamte Kölner Stadtgebiet in ein Grundnetz eingeteilt wird. Dabei soll es dann sowohl links- als auch rechtsrheinisch nur noch bestimmte Korridore geben, die Autos, Motorräder und Co. weiterhin nutzen können, um durch die Stadt zu kommen, erklärt Lars Wahlen, Verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in Köln.

„In Köln gibt es viele Straßen, die parallel in Richtung Innenstadt führen. Zum Beispiel die Boltensternstraße, die Amsterdamer Straße, die Niehler Straße oder die Neusser Staße. Alle führen aus Richtung Innenstadt nach Norden. Bei der Ausarbeitung des Grundnetzes werden diese Straßen zusammengefasst“. Anschließend wird geprüft, welche Straße zukünftig für den Stadtverkehr erhalten bleiben müssen und welche umgestaltet werden können, so Wahlen weiter.

Verkehrswende für Köln: Superinseln statt Parkbuchten

Abseits dieser Korridore entstehen sogenannte Superinseln, in denen der Verkehr nur sehr eingeschränkt stattfinden darf. Also ein freier Straßenraum, der neu genutzt werden könnte. „In einer dicht besiedelten Stadt wie Köln ist jeder Quadratmeter freie Fläche Gold wert. Für den Ausbau von barrierefreien Gehwegen und breiten Radwegen brauchen wir Platz, aber auch für Sitzgelegenheiten und mehr Grünflächen.“ Möglich wäre das dann auf den umgewandelten Straßen, die für Autos nicht mehr zugänglich sind.

Neu ist der Vorschlag von Grüne, CDU und VOLT jedoch nicht. In Barcelona wird schon seit einigen Jahren auf sogenannte Superinseln gesetzt. Dabei ist zum Beispiel ein komplettes Viertel für den Durchgangsverkehr gesperrt worden. Lediglich Anwohner und Lieferwagen dürfen zu festgelegten Zeiten in die einzelnen Bereiche einfahren. Dann herrscht jedoch die Höchstgeschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde. Drumherum ist der Verkehr wie vorher möglich: Wegen der hohen Verkehrsdichte jedoch nur stockend.

Verkehrswende in Köln: Grundnetz soll Klimawandel abwenden

Lars Wahlen (Die Grünen) ist sich sicher, dass das Grundnetz in Köln angepasst werden muss. „Um den Klimawandel mit seinen krassen Folgen für Köln noch abwenden zu können, müssen wir unsere CO2-Emissionen reduzieren. Der Verkehrsbereich muss hier seinen Beitrag leisten. Zusätzlich ist Köln eine wachsende Stadt, wenn alle Menschen mit dem Auto in die Innenstadt fahren würden, wäre ein Verkehrschaos unausweichlich.“ Mithilfe der Verkehrswende sei die Umstrukturierung möglich.

Köln habe mit dem Radfahrkonzept bereits einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. „Mit dem Grundnetz weiten wir diese Umverteilung systematisch auf das gesamte Stadtgebiet aus.“ Statt einzelnen Radfahrstreifen auf der Aachener Straße oder dem Vorhaben, die Venloer Straße zur Einbahnstraße umzustrukturieren, werden die Anpassung auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet.

Verkehrswende in Köln: Erste Ergebnisse noch in diesem Jahr

Möglich sei die Umsetzung des neuen Grundnetzes für Köln noch in diesem Jahr. Dabei soll die gesamte Stadt nicht auf einen Schlag geprüft und schließlich umgebaut werden, „sondern die einzelnen Verkehrskorridore nacheinander, dadurch erhoffen wir uns schon gegen Ende des Jahres erste Ergebnisse zu sehen“, so Wahlen weiter.

Damit das jedoch möglich ist, muss in der Ratssitzung am Donnerstag der gemeinsame Antrag „Ein neu definiertes Grundnetz für den Motorisierten Individualverkehr“ vom Kölner Stadtrat beschlossen werden. Erst dann kann der nächste Schritt in Richtung Verkehrswende gemacht werden.

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