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Übernimmt sich Köln? „Stadt muss Mut haben, Projekte abzusagen“

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Stefan Charles, Peter Jungen, Stefanie Ruffen und Moderator Peter Pauls vor einer Luftaufnahme von Köln
Im Kölner Presseclub diskutierten Stefan Charles, Peter Jungen, Stefanie Ruffen und Moderator Peter Pauls. © Kölner Presseclub & H. Blossey / Imago

Baustellen, Verzögerungen, Verwahrlosung: Um viele Kulturbauten in Köln steht es nicht besonders gut. Bei einer Veranstaltung des „Kölner Presseclub“ wurden Lösungswege diskutiert.

Köln - Heinzelmännchen, rot-weißes Flatterband in der Altstadt, grüneres Gras in der Schweiz und Kölner Kulturbauten – ein Abend mit bunten Facetten. Die große Frage dahinter: Kann Köln Großbauten, vor allem, wenn sie mit Kultur zu tun haben? Warum dauert es Jahrzehnte, um sie zu bauen? Und warum werden die Kulturbauten, die es schon gibt, so wenig gepflegt? Das Wallraf-Richartz Museum zum Beispiel wartet seit zwanzig Jahren auf seine Erweiterung. Das Römisch-Germanische Museum musste 2018 ausziehen, weil die Betriebserlaubnis erloschen war. 

Zu Gast bei Peter Pauls vom Kölner Presseclub im bis auf den letzten Stuhl besetzten Gobelin-Saal des Excelsior Hotel Ernst:

Stadt Köln: 122 Bauvorhaben auf der To-Do-Liste

Auf der großen To-Do-Liste der Stadt Köln stehen gleich 122 Bauvorhaben. Es geht um Neubau und Sanierung von Brücken, Parkhäusern, Straßen, Schulen und eben auch Kulturbauten. Mit Neubau könne man bei den Wählern punkten, so Stefanie Ruffen, dafür gebe es auch eher Fördergelder. Wer „nur“ Gebäude erhalten wolle, ernte damit keine Lorbeeren. Beispiel Justizzentrum an der Luxemburger Straße: gerade einmal 30 Jahre alt, aber schon so baufällig, dass es nun abgerissen werden solle. Im vergangenen Jahr fielen sogar Gerichtsverhandlungen aus, weil die Klimaanlage den Dienst quittierte. In Köln müsse jetzt, so Stefanie Ruffen, erst einmal der Standard „abgearbeitet“ werden.   

„Übergangslösung für Kölner Schauspiel hat ein ganzes Viertel belebt“

Die neuen Museen seien alles Prototypen und die Anforderungen, die an sie gestellt würden, seien enorm, erklärt Stefan Charles.  Die verbaute Technik sei oft schon nach zwei oder drei Jahren marode. Die Vergaben würden deshalb immer komplexer und viel Geld ließe sich mit solchen Bauten nicht verdienen. Auch andere Städte, wie zum Beispiel München oder Hannover, hätten mit solchen Problemen zu kämpfen. Aber warum nicht beide Geschichten erzählen? Nicht nur die der ständigen Hiobsbotschaften, sondern auch die der positiven Nebeneffekte: Die Übergangslösung für das Kölner Schauspiel habe in Köln-Mülheim ein ganzes Viertel belebt und aufgewertet. 

„Stadt Köln muss auch den Mut haben, Projekte abzusagen“

Um jetzt auch die Kölner Innenstadt wiederzubeleben, soll es noch in diesem Jahr ein externer Projektmanager richten - zuständig für den Erweiterungsbau und auch die Sanierung des Wallraf-Richartz-Museums. Schon jetzt koste letztere die Hälfte des damaligen Baupreises, so Peter Jungen, der in Köln Strategien zur Instandhaltung vermisst.  Die Stadt Köln habe die Verträge mit Stifter Gérard Corboud gebrochen, der seine Sammlung von über 170 Gemälden als „ewige Leihgabe“ an die Stadt Köln gegeben hatte. Im Gegenzug sollte sie entsprechend präsentiert werden. Peter Jungen rechnet jedoch nicht mit einer Eröffnung vor 2028. Eine Strategie für die Zukunft wäre für ihn: die Stadt muss sich bei aktuellen Projekten begrenzen, Ehrgeiz bei mittelfristigen Projekten entwickeln und den Mut haben, auch Projekte abzusagen.  

Vielleicht wäre dann eines Tages die Altstadt nicht mehr mit rot-weißem Band abgesperrt, Archäologische Zone und Via Culturalis wären fertig und auf dem Roncalli Platz ließe sich die Aussicht genießen. Warten auf die Heinzelmännchen? Oder am Ende doch: Warten auf Godot? (Ulrike Brincker/IDZRNRW)

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