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Einwohnerzahl von Köln sinkt: Corona-Pandemie beeinflusst Entwicklung

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Von: Nina Büchs

Eine Familie geht in Köln gegenüber der Kranhäuser am Rhein spazieren.
In Köln gibt es immer weniger Familien. Die Stadt will die Situation nun verbessern. © IMAGO / Westend61

Die Bevölkerungszahlen in Köln sind im vergangenen Jahr zurückgegangen, so eine Statistik. Der Stadt zufolge sei dies auf die Corona-Pandemie zurückzuführen.

Köln – Jahr für Jahr ziehen viele Menschen nach Köln, um dort zu studieren, zu arbeiten oder sich niederzulassen. Doch die Anziehungskraft der rheinischen Metropole scheint aktuell nicht mehr ganz so stark zu sein. Im Gegenteil: In Köln gibt es nun erstmals seit 2013 wieder einen Rückgang der Einwohnerzahlen. Wie das Amt für Stadtentwicklung und Statistik mitteilt, lebten im vergangenen Jahr 3.779 Personen weniger in Köln als 2019. Schuld daran sei die Corona-Pandemie, so die Stadt.

Köln: Weniger Zuzüge aber auch weniger Fortzüge – Corona-Pandemie wirkt sich auf Bevölkerungszahlen aus

„Die Effekte der Corona-Pandemie zeigen sich besonders deutlich bei der Zuwanderung nach Köln. Sie ist 2020 um rund 9.000 Zuzüge (Minus 15,6 Prozent) auf 48.139 gesunken. Damit liegt sie so niedrig wie zuletzt in den 1990er Jahren. Großen Anteil daran haben ausländische Zuziehende. Ihre Zahl sank um ein Viertel im Vergleich zu 2019 auf 17.037 (Minus 6.171), heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Doch diese Entwicklung ist nicht nur in Köln zu beobachten. Im Gegenteil: Diese Entwicklung mache sich deutschlandweit bemerkbar, heißt es. Zudem hätten neben den Zuwanderungen aber auch die Fortzüge aus der Stadt am Rhein um 7,7 Prozent abgenommen.

Doch auch die leicht erhöhten Sterbezahlen fließen in die Statistik zum Rückgang der Bevölkerungszahlen in Köln ein. Wie die Stadt berichtet, hat es wegen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr mehr Sterbefälle gegeben. „Die Zahl der Sterbefälle stieg im Jahr 2020 auf 10.180; sie lag damit über dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre (9.654). Besonders viele Sterbefälle habe es in den Monaten Oktober bis Dezember gegeben, so die Stadt. Zudem hat sich auch der Geburtenrückgang in Köln wieder bemerkbar gemacht.

Bevölkerungszahlen in Köln gehen zurück – Mülheim ist am stärksten betroffen

Zum Stichtag 31. Dezember 2020 lebten etwa 1,1 Millionen Menschen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Köln. Dies seien 3.779 Personen weniger als im Vorjahr. Damit ist die Kölner Bevölkerungszahl erstmals seit dem Jahr 2013 rückläufig, so die Stadt. Der Bevölkerungsrückgang sei außerdem bei fast jedem der neun Stadtbezirke ersichtlich. Am stärksten ausgeprägt sei der Rückgang jedoch in Mülheim (Minus 0,8 Prozent). In Ehrenfeld hat die Bevölkerung dagegen um rund 300 Personen zugelegt, so die Statistik.

Familien in Köln werden immer weniger – das will die Stadt dagegen tun

Bedauerlich ist vor allem, dass sich immer weniger Familien (Menschen zwischen 30 und 45 Jahren sowie Kinder) in Köln niederlassen. Der Trend sei schon länger zu beobachten, so die Stadt. „Auf der Prioritätenliste stehe deshalb, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, um Familien in Köln zu halten“, so Markus Greitemann, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Planen und Bauen der Stadt Köln. Zudem sei es auch oberstes Ziel, schneller mehr Schulplätze zu schaffen. „Ich gehe davon aus, dass dies die Zahlen dann wieder beeinflusst, wenn beide dieser Faktoren erfüllt werden“, so Greitemann.

Übrigens bleibe das Ausland die einzige Region, aus der Köln in 2020 Zuwächse an Familien verzeichnen kann (ein Plus von 2.535), so die Statistik. „Das Wanderungsminus aus den Köln umgebenden Gemeinden (Wohnungsmarktregion) hat sich hingegen leicht auf Minus 5.340 Personen der familienrelevaten Jahrgänge erhöht“, so die Stadt.

Etwa in der Hälfte der Haushalte in Köln wohnen Einzelpersonen – Zahl der jungen Singles nimmt ab

Weiterhin gibt es in Köln weiterhin relativ viele Singlehaushalte. Sie machen rund die Hälfte aller Kölner Haushalte aus, heißt es weiter. „Innerhalb dieser Gruppe sollen die Menschen ab 60 Jahren im Vergleich zum Vorjahr zugelegt haben. Bei den 18- bis unter 30-Jährigen haben die Einpersonenhaushalte dagegen um 2.400 Haushalte abgenommen“, so die Stadt.

Dies könne daran liegen, dass zum Beispiel während Corona auch der Arbeitsmarkt eingebrochen ist. „Viele junge Menschen ziehen nach Köln, um dort zu studieren oder erste Berufserfahrungen zu sammeln. Während der Pandemie ist die Arbeitslosigkeit jedoch um 19 Prozent angestiegen. Zudem gab es weniger offene Stellen“, so Dr. Ersin Özşahin.

Köln: Bevölkerungszahlen nehmen ab – Corona könnte auch die Zahlen in diesem Jahr beeinflussen

„Es ist abzusehen, dass die Covid 19-Pandemie auch die Bevölkerungsdynamik 2021 nachhaltig beeinflussen wird“, hieß es weiter. Inwiefern sich die Zahlen in diesem Jahr entwickeln müsse nun abgewartet werden. Zumindest ist davon auszugehen, dass es angesichts der Corona-Pandemie etwas dauern könnte, bis die Bevölkerungszahlen in Köln wieder zunehmen.

Dafür spricht auch, dass sich einige Menschen während Corona dafür entscheiden, das Stadtleben hinter sich zu lassen und aufs Land zu ziehen. Zwar gibt es dazu keine konkreten Zahlen, doch für viele Menschen dürfte es wegen der fortschreitenden Nutzung von Homeoffice nun einfacher werden, ihren Wohnsitz auf das Umland zu verlagern. (nb)

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