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Nach Karneval: Inzidenz in Köln steigt massiv an

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Von: Mick Oberbusch

Hunderte Menschen feiern dicht aneinander gedrängt Karneval in Köln, daneben hält eine Hand einen positiven Corona-Test. (Montage)
Die Inzidenz in Köln ist nach Karneval immens angestiegen. (Montage) © Thomas Banneyer/dpa & Lobeca/Felix Schlikis/Imago

In Köln ist die Inzidenz sprunghaft auf über 2500 angestiegen – handelt es sich dabei um Nachwirkungen von Karneval?

Köln – Auch wenn die Polizei Köln in weiten Teilen der Stadt während dem Kölner Karneval von leeren Straßen und Vierteln berichtete, war auf der Zülpicher Straße von Weiberfastnacht bis Rosenmontag die Hölle los. Gerade zum Karnevalsauftakt 2022 am 24. Februar, als mehr als 25.000 Menschen im beliebten Ausgeh-Veedel feierten – zumeist, so machen zumindest die Bilder deutlich, jüngere Kölnerinnen und Kölner, Touristinnen und Touristen sowie Studierende. Deshalb wundert es auch kaum, dass das Robert-Koch-Institut rund eine Woche nach der Friedensdemo am Rosenmontag 2022 die aktuellen Corona-Fallzahlen veröffentlicht hat, die es in sich haben. Am Mittwoch, 9. März, liegt die Inzidenz demnach bei 2.695,8. Die Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Inzidenz und Karneval?

Köln: Inzidenz steigt innerhalb einer Woche nach Karneval rapide an

Bereits am Montag war die Kölner Inzidenz trauriger Spitzenreiter in NRW. Das wirkt sich nun auch auf die Uniklinik Köln aus. Rund 750 Klinik-Mitarbeiter befinden sich aktuell in Quarantäne, darum muss die Uniklinik Köln einige Operationen verschieben.

„Aktuell verzeichnet Köln wieder einen Anstieg der Fallzahlen. Modellierer hatten das für ganz Deutschland ab Ende Februar prognostiziert. Ein Grund dafür liegt in der stark zunehmenden Ausbreitung des Omikron-Subtyps BA.2, der sich noch schneller verbreitet als der bislang dominierende Subtyp BA.1“, erklärt die Stadt am 4. März in einer Mitteilung; dieser neue Subtyp mache aktuell etwa 50 Prozent aller Infektionen aus.

Karneval in Köln: Tausende Menschen feierten an der Zülpicher Straße

Besonders ausgeprägt sei der Anstieg der Fallzahlen in der Altersklasse von 20 bis 29 Jahren. Ist er somit ein direktes Indiz dafür, dass sich während der jecken Tage etliche Bürgerinnen und Bürger neu infiziert haben? „Dies kann ein Anzeichen für Ansteckung im Zusammenhang mit Karneval sein. Eine ursächliche Erklärung des Inzidenzanstiegs durch den Karneval ist aber nicht sicher beurteilbar, auch aufgrund der inzwischen erheblich zurückgefahrenen Kontaktnachverfolgung“, erklärte die Stadt am Freitag (4. März).

Hohe Corona-Zahlen nach Kölner Karneval 2022? NRW-Gesundheitsministerium vermutet Zusammenhang

Auch das NRW-Gesundheitsministerium vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Kölner Karneval und der nun hohen Inzidenz in Köln. Das sagte eine Sprecherin am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Sicher belegbar sei das jedoch nicht. Im Vergleich zu anderen nordrhein-westfälischen Großstädten sei diese Entwicklung besonders in Köln – aber auch Düsseldorf – zu beobachten, heißt es weiter. In Baden-Württemberg zum Beispiel sind die Corona-Infektionszahlen rund um Fastnacht ebenfalls gestiegen, berichtet bw24.de*.

Inzidenz in Köln steigt nach Karneval: Die Entwicklung im Überblick

DatumInzidenz in Köln
Mittwoch, 9. März2.695,8
Dienstag, 8. März2.504,1
Dienstag, 8. März2.504,1
Montag, 7. März2.332,7
Sonntag, 6. März2.018,7
Samstag, 5. März1.781,0
Freitag, 4. März1.400,6
Donnerstag, 3. März1.086,3
Mittwoch, 2. März966,1
Dienstag, 1. März936,0
Quelle:Robert-Koch-Institut, Stand: 9. März 2022

Corona-Hammer nach Karneval 2022? Streeck warnt: „Korrelation bedeutet nicht automomatisch Kausalität“

Einen Beleg für den Zusammenhang gibt es allerdings nicht. Davor warnt auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck. „Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass das mit dem Karneval zusammenhängt. Aber man sollte immer vorsichtig sein: Korrelation bedeutet nicht automatisch Kausalität.“

„Wir müssen vorsichtig sein mit solchen Interpretationen und sollten nicht zu viel spekulieren“, sagte Streeck gegenüber der dpa weiter. In den Niederlanden sehe man einen ähnlichen Anstieg des Infektionsgeschehens. Köln habe zudem schon sehr früh einen hohen Anteil der Omikron-Subvariante BA.2 aufgewiesen. Sie soll noch leichter übertragbar sein.

Am ehesten ließe sich ein Zusammenhang in der aktuellen Situation noch über eine Befragung herausfinden. „Der wissenschaftlich sauberste Weg wäre natürlich eine Studie gewesen, bei der eine Gruppe Karneval feiert und eine andere nicht“, erklärt weiter.

Karneval Köln 2022: Corona-Inzidenz über 2300 – über eine halbe Million Tests

Klar ist nur, dass nach dem Abwärtstrend der vergangenen Wochen, die Fallzahlen seit Ende der letzten Woche wieder gestiegen sind. Das kann aber auch an dem erhöhten Testaufkommen während der Karnevalstage liegen. Pro Karnevalstag, so erklärt die Stadt, hätten sich je rund 100.000 Menschen testen lassen – das macht über den gesamten Zeitraum mehr als eine halbe Million Testungen.

Doch die Stadt macht eine weitere Feststellung, die mitunter weitere Auswirkungen auf die Corona-Lage in Köln haben könnte. Demnach hat auch das „(Freizeit-)Verhalten der Bürger*innen“ einen Einfluss auf das Infektionsgeschehen. Es wird sich also in den kommenden Tagen und Woche zeigen, wie sich die Inzidenz in Köln weiter entwickelt. (mo/jw mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Rheinland, NRW passiert – hier den kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Dieser Text wurde zuletzt am 9. März aktualisiert. Neuerung: Corona-Inzidenz angepasst. *bw24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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