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Ausgangssperre in Köln könnte bald kommen – doch die Polizei will die Präsenz erstmal nicht verstärken

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Von: Nina Büchs

Eine Polizeistreife fährt durch die Fußgängerzone «Schildergasse».
Sollte es in Köln zu einer Ausgangssperre kommen, will die Polizei ihre Präsenz zur Sperrstunde auf den Straßen erst einmal nicht verstärken. (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa

Bislang ist noch nicht geklärt, ob eine Ausgangssperre in Köln kommt. Doch der Krisenstab will sich am Freitag damit befassen. So soll die Sperrzeit dann kontrolliert werden.

Köln – Die Ausgangssperre ist derzeit in aller Munde. Tatsächlich könnte die Sperrzeit von 21 bis 5 Uhr morgens in einigen Regionen schon bald Wirklichkeit werden, sollte der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zu einer einheitlichen und verbindlichen Notbremse in Deutschland in Kraft treten. Auch Köln wäre aktuell davon betroffen, dort meldete das Gesundheitsministerium NRW nun eine Wocheninzidenz von 157. Doch wie will die Stadt die Ausgangssperre kontrollieren? Und auf was müssen sich die Bürger dann einstellen?

Coronavirus in Köln: Der Krisenstab will sich Freitag mit der Ausgangssperre befassen

Von der Stadt gab es bezüglich einer möglichen Ausgangssperre bislang noch keine, eindeutige Entscheidung. Eine Stadt-Sprecherin teilte 24RHEIN unterdessen mit: „Die Stadt Köln ist derzeit im Austausch mit dem Land und der Polizei, um abzustimmen, wie wir eine Ausgangssperre, wenn sie kommt, in Köln wirksam durchsetzen. Der Krisenstab wird sich am Freitag damit befassen.“

Köln: Polizei will nicht mehr Polizisten einsetzen als sonst, um Ausgangssperre zu kontrollieren

Während in manchen Regionen in NRW bereits eine Ausgangssperre eingeführt wurde, hat die Stadt Köln bislang noch keine Erfahrungen damit. Somit ist bislang auch nicht klar, ob sich die Bürger daran halten werden. Wie Wolfgang Baldes, Polizeisprecher in Köln, dem Kölner Stadt-Anzeiger nun mitteilte, soll die Präsenz der Polizeibeamten auf den Straßen zu den Sperrzeiten jedoch zunächst nicht verstärkt werden, falls die Ausgangssperre eingeführt wird. Sollte es jedoch zu Verstößen kommen, will die Polizei dafür vorerst das geplante Personal einsetzen. Auch Stichproben soll es dann weiterhin geben. Wenn aber zu viele Menschen trotz Sperrstunde ihre Häuser ohne triftigen Grund verlassen, werde die Polizei mit der Stadt weitere Maßnahmen abstimmen“, so der Polizeipräsident Uwe Jacobs.

Coronavirus: Darauf müssen sich die Kölner einstellen, sollte die Ausgangssperre eingeführt werden

Sollte die Ausgangssperre als Bestandteil der bundeseinheitlichen Corona-Notbremse eingeführt werden, müssen auch Kölnerinnen und Kölner von 21 bis 5 Uhr morgens in ihren Häusern oder Wohnungen bleiben, wenn die Inzidenz dort noch immer drei Tage in Folge über 100 liegt.

Nur bei „triftigen Gründen“ darf man dann trotzdem hinaus. Einige dieser Gründe sind:

Auch der Einzelhandel ist übrigens dann von der Ausgangssperre betroffen. Dementsprechend werden dort auch die Öffnungszeiten angepasst. Zudem soll die Kundenanzahl reduziert werden.

Köln: Ausgangssperre in Sichtweite – doch wie „effektiv“ ist sie wirklich? Aerosolforscher üben Kritik

Ob die Ausgangssperre tatsächlich wirksam im Kampf gegen das Coronavirus ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Aerosolforschern zufolge hält diese Maßnahme nicht, was sie verspricht. In einem offenen Brief schrieben Sie: „Die Übertragung der SARS-CoV-2 Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt. Übertragungen im Freien sind äußerst selten und führen nie zu ‚Clusterinfektionen‘, wie das in Innenräumen zu beobachten ist.“ Der Meinung der Wissenschaftler zufolge würde die Ausgangssperre zudem die heimlichen Treffen in den Innenräumen nicht verhindern.

Köln: Blome befürwortet Ausgangssperre – Britische Forscher teilen mit, dass R-Wert dadurch sinkt

Andrea Blome, Leiterin des Krisenstabs, befürwortet dagegen eine Durchsetzung der Ausgangssperre in Köln, berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger. Und auch Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sieht in der Ausgangssperre ein wirksames Instrument, um Corona-Infektionen zu reduzieren. Auf Twitter teilte er mit, dass Ausgangsbeschränkung vermutlich abendliche Treffen drinnen vermeiden würden. Auch Forscher von britischen Universitäten kamen übrigens zu dem Ergebnis, dass die Ausgangssperre die Reproduktionszahl um bis zu 13 Prozent senken kann.

Ob die Ausgangssperre in der Domstadt am Rhein nun kommt, wann sie kommt und wie sie umgesetzt wird – darüber wird der Krisenstab noch weiter beraten. Zumindest könnte die Sperrzeit auch als symbolisches Zeichen Gewicht haben. Denn in Köln ist die Lage inzwischen ernst. So teilte kürzlich Prof. Dr. Horst Kierdorf, Direktor der städtischen Kliniken mit, dass die Intensivstationen nun zu 100 Prozent belegt seien. Sollte sich die Lage weiter verschlimmern, könnte also schon bald eine Unterversorgung drohen. (nb)

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