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Anpassung der Impfpriorisierung: Werden bald auch jüngere Menschen in Köln geimpft?

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Von: Nina Büchs

Eine Person bekommt eine Spritze in den Arm.
Voraussichtlich im Juni soll die Impfpriorisierung ganz aufgehoben werden, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). © Sven Hoppe/dpa

Der leitende Kölner Impfarzt, Dr. Jürgen Zastrow, hält die Impfpriorisierung für ausbaufähig. Er forderte die Ärzte in Köln nun auf, weitere Faktoren zu berücksichtigen.

Köln – Köln ist eine der Städte in NRW, die aktuell besonders unter dem Coronavirus leiden. Die Wocheninzidenz lag am Montag bei 245,7 und die Lage auf den Intensivstationen in den lokalen Kliniken ist nach wie vor besonders angespannt. Umso wichtiger ist es nun, die Impfungen weiter voranzutreiben.

Nach der geltenden Impfpriorisierung bekommen bislang jedoch nur bestimmte Menschen – wie etwa Bürger, die ein entsprechendes Alter erreicht haben – eine Impfung. Bei dem leitenden Kölner Impfarzt, Dr. Jürgen Zastrow, stößt dies auf Unverständnis. „Denn anstatt nur starr auf das Alter zu schauen, sollten auch andere Kriterien beachtet werden“, findet Zastrow, der auch Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (Kreisstelle Köln) ist.

In einem Rundschreiben an die Kölner Vertragsärzte bereitet er diese auf die weitere Umsetzung der Impfungen in den Praxen vor. Man stehe „gemeinsam vor der Aufgabe, den Impfprozess im ambulanten bereich mit zu übernehmen und zu beschleunigen“.

Köln: Hausärzte sollen selbst über Impfpriorisierung entscheiden – Lage und Beruf statt Alter entscheidend

„Gesetze und Erlasse können auf die Infektionslage nicht so schnell reagieren wie unsere Praxen“, heißt es in dem Rundschreiben an die Vertragsärzte, das 24RHEIN vorliegt. „Daher bitte ich Sie, die Reihenfolge der Impfungen unter Beachtung der eigentlichen Intentionen des Robert Koch Institutes, Risikopatienten zu schützen und die weitere Ausbreitung der Epidemie zu verhindern, unter Relativierung der derzeitigen Erlasslage umzusetzen“, steht dort weiter.

Ohnehin sei damit zu rechnen, dass die bisher bestehenden Priorisierungsregeln bald geändert werden. „Die Umsetzung der Priorisierung sollte somit in den Arztpraxen dem ärztlichen Sachverstand überlassen werden“, so Zastrow in seinem Schreiben an die Ärzte.

Dr. Jürgen Zastrow spricht bei einem Pressetermin im betriebsbereiten Kölner Impfzentrum in der Kölnmesse Halle 4.
Dr. Jürgen Zastrow, Vorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung (Kreisstelle Köln) und leitender Impfarzt in Köln. © Horst Galuschka/IMAGO

In der Tat sei es wichtig, dass die Impfpriorisierung angepasst werde, sagt Zastrow gegenüber 24RHEIN. Statt nur das Alter zu beachten, müssen auch medizinische und epidemiologische Faktoren bei der Priorisierung mit einbezogen werden, so der leitende Impfarzt.

„Konkret heißt das, dass genau dort geimpft werden soll, wo die Gefahr, sich anzustecken, besonders hoch ist. Das bedeutet, dass Menschen geimpft werden sollen, die zum Beispiel in einem lokalen ‚Corona-Hotspot‘ leben“, so Zastrow. Mit Bezug auf die Stadtviertel in Köln wäre das zum Beispiel Gremberghoven, wo die Inzidenz laut dem letzten Stand (22. April) bei 717,1 lag. Auch der Kölner Krisenstab hat nun übrigens beschlossen, dass in Stadtteilen mit besonders hohen Inzidenzwerten ein Sonderkontingent von Impfdosen bereitgestellt werden soll.

Zudem sollte immer geprüft werden, ob der Patient oder die Patientin neben ihrer Wohnsituation zum Beispiel durch das Berufsleben einem weiteren, erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt ist, sagt Zastrow. Dies betrifft zum Beispiel Menschen, die viel Publikumsverkehr haben.

Kölner Impfarzt Dr. Zastrow: „Festlegung einer Impfreihenfolge war richtig, doch die Lage hat sich geändert“

„Die Festlegung einer Reihenfolge der Impfberechtigung bei Impfstoffmangel war richtig. Nun haben wir jedoch eine andere Lage“, argumentiert Zastrow. So sei die Durchimpfung der Risikogruppe der älteren Menschen und Heimbewohner nun größtenteils abgeschlossen. Zudem werden die Patienten mit schweren Corona-Verläufen auf den Intensivstationen immer jünger. Lokal gäbe es außerdem in den sozialen Brennpunkten Inzidenzen zwischen 400 und 600, so Zastrow in seinem Brief. Das Problem sei jedoch, dass viele Fälle wegen ihrer Komplexität in den Erlassen nicht berücksichtigt werden.

„Die Vorgaben zur Priorisierung sind inzwischen sehr komplex geworden und ändern sich ständig durch Erweiterungen, Ausnahmen und Einzelfallentscheidungen, sodass sie für die meisten Praxen kaum noch durchschaubar und für fast alle Patienten unverständlich sind. All dies verursacht zeitraubende Diskussionen um die Umsetzung der Impfreihenfolge in Arztpraxen“, so die Kritik der Kreisstelle Köln.

Coronavirus: Impfpriorisierung wird ab Juni ganz aufgehoben

Wie Bund und Länder am Montag, 26. April, beschlossen haben, soll die Priorisierung für die Corona-Schutzimpfung spätestens im Juni aufgehoben werden. „Das heißt nicht, dass dann jeder sofort geimpft werden kann. Aber dann kann sich jeder um einen Impftermin bemühen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Treffen. 

Die Stadt Köln ist kürzlich übrigens von der Impfpriorisierung des Landes NRW abgewichen und hat nun auch Lehrkräften an weiterführenden Schulen ein Impfangebot gemacht, obwohl diese landesweit noch keine Impfung erhalten haben. (nb)

Dieser Artikel wurde am 27. April, 13:43 Uhr aktualisiert.

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