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Forderung in Köln: Corona-Verstöße am Arbeitsplatz anonym melden

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Von: Nina Büchs

Eine Kundin wird in einem Lebensmittelgeschäft in Rosenheim der Gemüseabteilung bedient und trägt eine Maske als Mund- und Nasenschutz.
Auch in Köln warten viele Beschäftigte noch auf eine Impfung. (Symbolbild) © Tobias Hase/dpa

Michael Weisenstein von der Fraktion „Die Linke“ im Rat der Stadt Köln will Arbeitnehmern ermöglichen, Corona-Verstöße im Job anonym zu melden.

Köln – In den Kölner Unternehmen und Betrieben dürfte es während der Corona-Pandemie immer leerer geworden sein. Denn wegen des Coronavirus arbeiten immer mehr Menschen im Homeoffice. Zudem gilt auch in der Domstadt seit April am Arbeitsplatz eine Testpflicht. Ob diese vom Arbeitgeber auch eingehalten wird, überprüft die Bezirksregierung Köln im Rahmen von unangemeldeten Kontrollen. Die Fraktion „Die Linke“ im Rat der Stadt Köln hält das allerdings nicht für ausreichend. In einem Antrag an den Gesundheitsausschuss legte Fraktionsgeschäftsführer Michael Weisenstein nun ein eigenes Konzept vor.

Coronavirus in Köln: Anonyme Meldestelle für Corona-Verstöße am Arbeitsplatz?

Demnach soll das Kölner Ordnungsamt einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin für Meldungen von Corona-Verstößen am Arbeitsplatz einrichten, an den oder die sich die Arbeitnehmer in Köln wenden können. Die Information darüber solle gut sichtbar auf der städtischen Internetseite veröffentlicht werden. Weiter heißt es in dem Schreiben an Oberbürgermeisterin Henriette Reker und den Ausschussvorsitzenden Dr. Ralf Unna, dass es auch „die Möglichkeit geben solle, anonyme Hinweise abzugeben, insbesondere dann, wenn ein Arbeitgeber Druck auf die Angestellten ausübt, gegen Corona-Regeln zu verstoßen, z. B. um sich wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen.“

Köln: Mitarbeiter sollen Corona-Verstöße anonym melden – „Testpflicht wird vielfach nicht umgesetzt“

Arbeitnehmer befänden sich derzeit in einer besonders schwierigen Lage, geht aus der Begründung des Antrags an den Gesundheitsausschuss hervor. „Denn die Coronapandemie und die daraus resultierende wirtschaftliche Schieflage vieler Unternehmen erleichtert Arbeitgeber*innen betriebsbedingte Kündigungen von unliebsamen Mitarbeiter*innen. Diese immer im Raum stehende Drohung kann Arbeitnehmer*innen so in Angst versetzen, dass sie ihre eigene Gesundheitsgefährdung in Kauf nehmen, um den Arbeitsplatz nicht zu verlieren“, so Fraktionsgeschärftsführer Weisenstein. Deshalb sei es besonders wichtig, auch anonymen Hinweisen nachzugehen.

Zu den möglichen Verstößen am Arbeitsplatz gehöre laut Weisenstein die fehlende Umsetzung der AHA-Regeln plus Lüften. Auch sei es längst nicht überall dort, wo aus baulichen Gegebenheiten nicht gelüftet werden kann, üblich, stattdessen Lüftungsgeräte aufzustellen. Zudem werde „die Umsetzung der Testpflicht für Mitarbeiter*innen wird vielfach nicht konsequent durchgeführt.“

Köln: Meldestelle für Corona-Verstöße im Job – Mitarbeiter haben Angst vor Ansteckung am Arbeitsplatz

Übrigens ist die Angst vor einer Ansteckung am Arbeitsplatz bei den Deutschen noch immer groß. Dies zeigte nun eine am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Portals „Lohnspiegel.de“ im Zusammenarbeit mit dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. So gab etwa jeder Dritte Umfrageteilnehmer (33 Prozent) an, sich Sorgen um eine Ansteckung am Arbeitsplatz oder auf dem Weg zur Arbeit zu machen.

Groß ist die Sorge aber vor allem bei Geringverdienenden. „Unter den Geringverdienenden im untersten Fünftel der Lohnverteilung gaben in der ersten Maihälfte 43 Prozent der Befragten an, sich Sorgen zu machen – verglichen mit 23 Prozent unter Besserverdienenden im obersten Fünftel“, heißt es in der Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung.

Coronavirus in Köln: Arbeitnehmer sollen Corona-Verstöße anonym melden können – Sitzung am 8. Juni

Ob der Antrag der Fraktion „Die Linke“ im Rat der Stadt Köln tatsächlich durchgesetzt wird oder nicht, muss abgewartet werden. Der Gesundheitsausschuss wird darüber voraussichtlich am 8. Juni beraten. (nb)

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