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E-Scooter im Rhein in Köln: Polizei ermittelt – „sicherlich kein Einzelfall“

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Von: Johanna Werning

E Scooter der Anbieter circ und Lime am Bahnhofsvorplatz Köln.
Noch im Juni sollen die E-Roller geborgen werden. Doch damit sei es noch nicht getan (Symbolbild) © Jens Krick/Imago

Rund 500 E-Roller sollen am Grund des Kölner Rheins liegen. Die Bezirksregierung übt nun Kritik an der Stadt. Zudem wird das Wasser untersucht.

Köln – Das E-Roller-Debakel in Köln geht in eine neue Runde. Die hunderten Scooter am Grund des Rheins sind nicht nur Thema der Kölner Politik und der E-Roller-Vermieter. Nun schaltet sich auch die Staatsanwaltschaft und die Wasserschutzpolizei ein. Das teilt Stefan Hausch, Pressestelle der Polizei Duisburg, mit. Die Wasserschutzpolizei Duisburg ist auch für den Kölner Rhein zuständig. Auf Nachfrage von 24RHEIN erklärt Hausch, dass nach den Medienberichten die Ermittlungen gegen eine mögliche Umweltverschmutzung aufgenommen worden sind. „Zusätzlich hat ein Kölner Bürger nach den Medienberichten ebenfalls Anzeige erstattet.“

Köln: E-Roller im Rhein: Wasserschutzpolizei ermittelt und bittet um Zeugenhinweise

Ermittelt werde derzeit in alle Richtungen. „Es geht um Umweltverschmutzung. Einen genauen Tatort und der Umfang der Tat sind aktuell noch nicht bekannt.“ Aktuell wartet die Wasserschutzpolizei auf Antwort der Vermieter. „Bisher sind die aber noch nicht auf uns zugekommen. Dabei geht es um das Thema Bergung und das Thema GPS-Daten.“ Zusätzlich wurde von der Wasserschutzpolizei eine wissenschaftliche Erörterung angefragt, „um herauszufinden, wie schlimm die Gefahr für das Gewässer ist. Die E-Scooter im Kölner Rhein sind aber sicherlich kein Einzelfall. Das wird es wahrscheinlich leider in mehreren Städten geben.“

Die Ermittlungen rund um die E-Roller im Kölner Rhein stehen noch am Anfang. „Aktuell können wir nur vermuten, ob diejenigen, die gefahren sind, die Roller auch in den Rhein geworfen haben oder ob es sich bei dem Tatbestand um dritte handelt.“ Darum bittet die Wasserschutzpolizei Duisburg auch um Zeugenhinweise. „Falls man etwas gesehen hat, kann man sich bei uns melden.“

E-Roller im Kölner Rhein – Bezirksregierung macht Stadt Vorwürfe

Auch die Bezirksregierung Köln beschäftigt sich mit den 500 E-Rollern am Grund des Kölner Rheins. Als obere Umweltbehörde und zuständige Gewässeraufsicht veranlasst die Bezirksregierung Köln in der Regel die Beseitigungsmaßnahmen für die Umweltbelastungen im Gewässer. Das könne jedoch nur passieren, wenn man darüber in Kenntnis gesetzt wird, teilt die Bezirksregierung in einem Statement vom 21. Juni mit.

Genau das sei aber nicht passiert. „Über die eventuelle Gewässerbelastung durch E-Scooter im Rhein bei Köln wurde die Bezirksregierung Köln erst am Mittwoch, 16.6.2021, durch die Stadt Köln informiert“, heißt es weiter. Das wäre einen Tag nach den ersten Medienberichten über die E-Roller im Rhein gewesen. Weiter teilt die Bezirksregierung mit, dass die Stadt Köln in der Pflicht stehe, bei möglichen konkreten Gefahren für das Gewässer die Bezirksregierung als Gewässeraufsicht zu informieren. Immerhin habe die Stadt „detaillierte und umfangreichere Kenntnisse über die Gegebenheiten vor Ort.“

Zusätzlich erfolgt die Überwachung des Rheinwassers im Regierungsbezirk Köln durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV). Dabei finden „regelmäßige Untersuchung von Wasserproben“ statt. Falls Auffälligkeiten vorliegen, werde die Bezirksregierung eingeschaltet. „Rechtlich ist die Bezirksregierung erst dann in der Lage einzugreifen, wenn sie über konkrete Anhaltspunkte von Belastungen oder latente Gefahren verfügt“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Köln: E-Roller im Rhein: Wasserproben sollen Gesundheitsgefahr überprüfen

Erst dann könne die Bezirksregierung handeln. In weiteren Schritten wird nun überprüft, „ob die akute Gefahr besteht, dass von den E-Scootern im Rhein eine Gewässerbelastung“ bestehe. Bereits Mitte Juni erklärte ein Wasserexperte vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland in NRW, dass ein auslaufender Akku gefährlich werden könnte. Je länger die E-Roller unter Wasser seien, umso größer sei die Gefahr, dass der Akku undicht wird.

Bislang liegen jedoch keine Auffälligkeiten über mögliche Verunreinigungen des Wassers vor. Dennoch werde man „die vorliegenden Untersuchungsergebnisse mit besonderem Augenmerk auf die infrage kommenden Inhaltsstoffe der E-Scooter-Akkus noch einmal überprüfen“.

Köln: E-Roller im Rhein: Bergungsarbeiten beginnen noch im Juni

Die 500 E-Roller im Kölner Rhein sollen zeitnah geborgen werden. Das teilt die Bezirksregierung Köln in der Stellungnahme mit. Die Kosten übernehmen dabei die Betreiber selbst. Die Bergung ist jedoch äußert aufwendig. „Nach Informationen der E-Scooter Betreiber soll mithilfe einer Unterwasserdrohne die Anzahl der im Rhein befindlichen E-Scooter abgeschätzt und diese anschließend zeitnah von Bautauchern geborgen werden.“

Die Unterwasserdrohne wird im Bereich Hohenzollernbrücke, Deutzer Brücke und Schokoladenmuseum den Grund des Rheins untersuchen. Stattfinden soll die Inspektion am 28. Juni und am 29. Juni. Doch das soll nur der Anfang sein: „Weitere Untersuchungen im Bereich der anderen innerstädtischen Brücken und im Bereich der Promenaden von Köln und Bonn sind aus behördlicher Sicht erforderlich und werden noch mit dem Verband der E-Scooter abgestimmt“, heißt es weiter.

Köln: E-Roller im Rhein: Kölner Politik berät über Scooter

Und auch die Kölner Politik beschäftigt sich bereits mit den E-Rollern im Rhein. Sowohl die SPD als auch die FDP haben für die Ratssitzung am 24. Juni Anfragen gestellt. Dabei soll die Stadt vor allem die Hintergründe erklären. Unter anderem soll beantwortet werden, wieso die E-Roller im Rhein erst jetzt bekannt wurden und wie man in Zukunft das Problem lösen möchte.

In der Bezirksregierung Köln Porz waren die E-Roller im Rhein ebenfalls Thema. Dabei forderte die SPD, dass „die Benutzung von E-Scootern und E-Motorrollern im Stadtbezirk Porz stärker“ reguliert werde. Neben Bußgeldern sollen dabei vor allem „die Anbieter der Geräte stärker in die Pflicht genommen werden.“

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