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Nach Glühwein-Einschränkungen in Köln: Dehoga wütet gegen Beschluss der Stadt Köln

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Von: Mick Oberbusch

Schild mit der Aufschrift „Glühwein-Wanderung – Bitte Maske tragen“ vor einem Club im Kölner Stadtteil Ehrenfeld.
Vor einem Club im Stadtteil Ehrenfeld wird nochmal auf die Maskenpflicht bei Glühwein-Wanderungen hingewiesen. © Rolf Vennenbernd/picture alliance

Der Corona-Krisenstab in Köln hat entschieden, die Glühwein-Wanderungen massiv einzuschränken. Die Dehoga Nordrhein wehrt sich gegen den Beschluss der Stadt.

Update vom 11. Dezember, 10.35 Uhr: Der Beschluss der Stadt Köln, den Glühweinausschank zeitlich einzuschränken, ist nicht nur den Wirten selbst, sondern auch dem Hotel- und Gaststättenverband „Dehoga“ ein Dorn im Auge. Der Verband will nun gerichtlich mit einer Einstweiligen Verfügung gegen die Einschränkungen der Glühwein-Wanderungen vorgehen.

Köln: Nach Glühwein-Einschränkungen zieht der Dehoga Nordrhein vor Gericht

Über ihr Vorhaben, gerichtlich gegen den Beschluss vorzugehen, berichtete der Dehoga Nordrhein nun in einer Pressemitteilung. Darin heißt es unter anderem, dass die Politik keine substantiellen Maßnahmen einleite, sondern „permanent die Gastronomen als Buhmänner“ hinstelle. „Wir sind nicht länger bereit, uns das gefallen zu lassen. Die Tatsache, dass die Infektionszahlen nicht sinken belegt, dass nicht die Gastronomie ursächlich für das Problem verantwortlich ist“, so Christoph Becker, Geschäftsführer des Dehoga Nordrhein.

Dehoga kritisiert Politik: Nicht genügend Perspektiven für Gastgewerbe

Die Einschränkungen des Glühwein-Verkaufs trifft die Gastwirte bis ins Mark. Mit dem Verkauf von heißen Getränken in den Wintermonaten hätten sie „für ihre Mitarbeiter und ihre Familien ein paar Einnahmen generieren können“, heißt es. Da die Branche im Jahr 2020 einen bundesweiten Umsatzverlust von 35 Milliarden Euro verzeichnen muss, wäre dies für die Gastwirte eine große finanzielle Stütze gewesen. „Wir fordern daher von der Politik dringend und endlich mittel- und langfristige Strategien zur wirksamen Eindämmung der Pandemie, die auch dem Gastgewerbe wieder eine Perspektive bieten“, so der finale Appell der Dehoga Nordrhein.

Köln schränkt Glühwein-Verkauf drastisch ein – Wirte sind fassungslos

Update vom 9. Dezember, 18:00 Uhr: Nach der am heutigen Vormittag getroffenen Entscheidung der Stadt Köln melden sich gegenüber dem „Express“ nun einige Wirte zu Wort. Auch wenn sich nicht alle Gastronomen einig sind: Es überwiegen Wut und Fassungslosigkeit. „Ich halte ein Glühweinverbot für absolut idiotisch. Da versuchen die Gastronomen einem die Weihnachtszeit etwas zu versüßen, und wegen ein paar Vollidioten, die sich nicht an die Regeln halten können, wird das Ganze wieder eingestampft“, sagt beispielsweise Simon Stahl (Em Ringströssje).

Alexander Manek vom Haus Unkelbach formuliert es noch drastischer: „Ich kotze im Strahl. Ich spreche für viele Betroffene in Sülz: Wir haben Montag erst neu eingekauft und bleiben darauf sitzen. Wir haben alles dafür getan, dass sich an die Regeln gehalten wird, und in Sülz hat es funktioniert. Wir stehen alle mit dem Rücken zur Wand und dann das“, wird Manek zitiert.

Andere Gastronomen, wenn auch wenige, zeigen Verständnis für die Maßnahmen. „Es tut mir leid, dass die Vernünftigen für die Unvernünftigen jetzt wieder leider müssen, aber es scheint wohl nicht anders in den Griff zu bekommen sein“, sagt Manfred Schubi Zender (Em Hähnche). Daniel Rabe von der Bagatelle stimmt zu: „Nach der heftigen Erhöhung der Fallzahlen und fast 600 Toten am gestrigen Tag scheint mir der Schritt verständlich. Schade, dass sich manche Leute nicht an Regeln halten können.

Köln schränkt Glühwein-Verkauf drastisch ein – spätestens um 16 Uhr ist Schluss

Erstmeldung vom 9. Dezember, 11:35 Uhr: Die Stadt Köln hat den Verkauf von Glühwein „to go“ und anderen alkoholischen Heißgetränken auf den Straßen deutlich eingeschränkt. Wie ein Sprecher mitteilte, einigte sich der Corona-Krisenstab der Stadt um Oberbürgermeisterin Henriette Reker in einer Sitzung am Mittwoch auf folgende Maßnahmen: Abgabe und Verkauf von Glühwein sind nun unter der Woche ab 16 Uhr im ganzen Stadtgebiet verboten, von Freitag bis Sonntag greift diese Regelung bereits ab 15 Uhr.

Glühweinstände unterlaufen unsere Kontaktbeschränkungen

SPD-Politiker Karl Lauterbach

Köln: Ausschank-Verbot für Glühwein kommt nicht, dafür früherer Verkaufs-Stop

Damit umgeht die Stadt Köln ein komplettes Ausschank-Verbot, das viele Kritiker bereits nach den Vorfällen unter anderem in der Südstadt gefordert hatten. Bislang hatten für Glühwein in Köln dieselben Regeln gegolten wie allgemein für Alkohol in Zeiten des Coronavirus. Dort war der Verkauf bereits seit längerem von 22 bis 6 Uhr morgens verboten, freitags und am Wochenende bereits ab 20 Uhr.

Glühwein in Köln: Lauterbach spricht von „katastrophalen“ Zuständen

Da aufgrund des Coronavirus Restaurants und Bars geschlossen bleiben müssen, waren Gastronomen vermehrt auf einen Außer-Haus-Verkauf von Glühwein umgestiegen. Im Internet konnten sich Fans des Heißgetränks eine eigene Route zusammenstellen und mit ihrem Glühwein „to go“ von Bude zu Bude – beziehungsweise von Ausgabestelle zu Ausgabestelle – schlendern. Immer wieder trafen dabei größere Menschenmengen zusammen, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wurde vielerorts vernachlässigt, ebenso das Gebot, Abstand zu halten.

Dies würde laut Meinung der Kritiker Menschenansammlungen provozieren, die es aktuell tunlichst zu meiden gilt. Der Kölner SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach davon, dass „Glühweinstände unsere Kontaktbeschränkungen unterlaufen“ und nannte die Zustände in Köln „katastrophal“. Eine Erklärung der Stadt sowie eine Äußerung der Oberbürgermeisterin werden Laufe des Tages erwartet.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert. (mo)

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