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OB Reker über Angela Merkel: „Man hat versucht, mich für sie stellvertretend umzubringen“

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Von: Mick Oberbusch

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sitzt vor einer schwarzen Wand und hebt ihren Kopf leicht.
Corona, Karneval, Köln: OB Henriette Reker hat im Jahresauftakt-Gespräch zu verschiedenen Themen Stellung bezogen. © Political-Moments/Imago

Im Interview mit dem Kölner Presseclub äußerte sich Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur Lage in Köln ‒ und zu ihrem Verhältnis zu Angela Merkel.

Köln ‒ Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker befindet sich seit 2020 in ihrer zweiten Amtszeit. Wie blickt sie auf die großen Themen der Stadt, auf das gerade begonnene Jahr 2022? Das wollte Politik-Journalist Dr. Moritz Küpper vom Kölner Presseclub von der Oberbürgermeisterin wissen. Er traf Henriette Reker in ihrem Büro im Historischen Rathaus, mitten in der Innenstadt von Köln. Im Interview fand Reker für die Situation in der Stadt, den Kölner Karneval und auch Klüngel-Vorwürfe teils drastische Worte.

NameHenriette Reker
geboren9. Dezember 1956 in Köln
Oberbürgermeisterin von Köln seit22. Oktober 2015
Parteiparteilos
Wiederwahl27. September 2020
Privatverheiratet, keine Kinder

Reker über Karneval in Köln: „Das drückt natürlich auf die Psyche“

Henriette Reker (parteilos), Oberbürgermeisterin von Köln, steht beim Auftakt der Karnevalssession auf dem Heumarkt auf der Bühne in Köln.
Reker über den Kölner Karneval: „Im Moment ist es einfach nicht so bunt, und das drückt natürlich auf die Psyche“. © Rolf Vennenbernd/dpa

Zu Beginn des Gesprächs bedauerte die OB jedoch erst noch einmal, dass der Karneval in Köln sich bislang noch nicht wirklich in seiner vollen Blüte zeigen konnte. Denn etliche Veranstaltungen des Kölner Karnevals fielen bislang aus. „Normalerweise würden wir um diese Jahreszeit schon die ersten Spielmannszüge hören, wie sie durch die Straßen ziehen. Im Moment ist es einfach nicht so bunt, und das drückt natürlich auf die Psyche“, so Reker, die dennoch keinen dauerhaften Schaden für den Karneval befürchtet: „Das glaube ich nicht. Ich glaube nämlich nicht nur an die Leistungsfähigkeit, sondern auch an die Tradition dieser Stadt“, erklärt sie.

Henriette Reker über Corona in Köln: „Sind am besten durch die Pandemie gekommen“

Henriette Reker bei der Eröffnung des neuen Drive-In-Impfzentrums an der Lanxess-Arena in Köln.
Über Corona sagt Reker: „Von allen europäischen Millionenstädten sind wir am besten durch die Pandemie gekommen“. © Eduard Bopp/Imago

Auch um das Thema Corona-Pandemie kam Reker im Gespräch natürlich nicht herum, schätzt die Lage in Köln allerdings weitestgehend als unter Kontrolle ein. „Von allen europäischen Millionenstädten sind wir am besten durch die Pandemie gekommen“, so die 65-Jährige. „Das haben wir auch geschafft, weil wir immer mit strengeren Maßnahmen unterwegs waren, die nicht allen gefallen haben, aber notwendig waren.“

Reker über Großprojekte in Köln: Schulneubau, Klimakrise, Digitalisierung

So lässt sich der Blick schon besser auf andere Projekte richten, die Reker in ihrer zweiten, seit September 2020 laufenden Amtszeit und im neuen Jahr angehen will. „Ein großes Thema für mich ist der Schulneubau. Zudem müssen wir Verantwortung in der Klimakrise übernehmen, Verkehrswege so gestalten, dass sie auch für Radfahrer und Fußgänger attraktiv sind. Die Gebäudewirtschaft ist für mich ein Riesen-Thema. Und das alles funktioniert nur, wenn die Digitalisierung auch klappt.“ So stellt die OB sich und ihrem Team gleich eine ganze Reihe von Aufgaben für Köln.

Henriette Reker erteilt 1. FC Köln beim Geißbockheim eine Absage

In anderer Hinsicht wird die Oberbürgermeisterin dann aber noch ein wenig konkreter: Auch wenn es dem 1. FC Köln sehr missfallen dürfte, erteilte Reker den Ausbau-Plänen des Vereins am inneren Grüngürtel eine finale Absage. „Nicht alle Wünsche, die man hat, gehen auch in Erfüllung“, so die 65-Jährige, die den Verein immer noch als großes Aushängeschild der Stadt nennt, den Zugang zu Grünflächen für die Bürgerinnen und Bürger allerdings als wichtiger ansieht.

Reker: „Köln hat nie eine gute Figur gemacht“ ‒ Stadtwerke-Affäre wirkt nach

A propos Ansehen: Das der Stadt Köln hat in den vergangenen Monaten immer wieder gelitten, was auch an der OB nicht spurlos vorbeigegangen ist. Allen voran das Geschacher in der Stadtwerke-Affäre, das den designierten Stadtentwicklungs-Dezernenten Niklas Kienitz (CDU) im vergangenen Sommer seinen Posten kostete, stößt ihr noch heute sauer auf ‒ genauso wie die immer wieder aufkommenden Klüngel-Vorwürfe gegenüber der Stadtverwaltung. „Köln hat auch in der Vergangenheit nie eine gute Figur gemacht, wenn es um die Besetzung von Dezernentenstellen ging“, holte die OB aus ‒ und legte unverzüglich nach.

Köln: „Es schmerzt mich, wenn meine Heimatstadt schlecht geredet wird“

„Da wird automatisch unterstellt, dass Menschen, nur weil sie ein Parteibuch haben, irgendwo hereingeklüngelt werden. Das stimmt nicht und wird unterstellt, ohne es selbst geprüft zu haben. Als ausgebildete Juristin weiß ich, dass es für ein Geschmäckle sorgen kann, wenn ein Mann, der im Rat sitzt, eine Dezernentenstelle bekommt. Dennoch kann ich versichern, dass ich auf dieses Verfahren besonders geachtet habe und damit auch vor jedes Gericht gezogen wäre.“ Bei der Besetzung dieser für die Zukunft der Stadt so wichtigen Stelle wolle man in Kürze mit einem neuen Kandidaten oder einer neuen Kandidatin Vollzug melden.

Diesbezüglich formulierte die OB auch noch einmal einen flammenden Appell: „Wenn wir Dinge hinterfragen, müssen wir uns im Vorfeld informieren und dürfen nicht pauschal Urteile fällen, die für die Stadt vernichtend sein können. Es schmerzt mich, wenn meine Heimatstadt nach außen schlecht geredet wird ‒ manchmal von Kölnerinnen und Kölnern selbst.“

Kölner Oberbürgermeisterin über Angela Merkel: „Man hat versucht, mich für sie stellvertretend umzubringen“

Henriette Reker und Angela Merkel beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Köln.
Über Angela Merkel sagt Reker: „Sie war immer sehr empathisch“. © Jens Krick/Imago

Zum Abschluss wurde Reker dann noch zu ihrem Verhältnis zu Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel befragt. „Man hat versucht, mich für Frau Merkel stellvertretend umzubringen. Sie war immer sehr empathisch und hat über 16 Jahre eine Leistung abgeliefert, die jedem imponiert.“ Ob dies Henriette Reker in Zukunft auch gelingt, wird sich zeigen ‒ nur 16 Jahre müssen es für die Kölner Oberbürgermeisterin nicht zwingend sein. „Stand jetzt habe ich nach meiner zweiten Amtszeit nicht vor, noch einmal zu kandidieren.“ (mo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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